GRÜSSE AUS DEM HIMMEL

Für mich war es ein äußerst befriedigender Urlaub gewesen. Mit vielen Tricks und Finten konnte es mir gelingen, meine Verlobte Bettina aus den Fängen ihrer besitzergreifenden Verwandtschaft zu entführen.

Nun befanden wir uns im Jet auf dem Rückflug von Mallorca. Bettina und ich hatten uns eine Woche lang so richtig ausgepowert. Wir kamen nicht einen Tag aus dem Hotelzimmer heraus, außer vielleicht mal kurz zum Frühstück.

Wenn ich bloß nicht ständig an Bettinas Eltern denken müsste, die uns von Minute zu Minute näher rücken. Die werden mir schön die Hölle heiß machen, nachdem ich ihre Tochter vor ein paar Tagen unter dem Vorwand einer beruflichen Weiterbildungs-Veranstaltung weglockte.

Bettina war leider so beschränkt, ihnen per Handy ein Foto zu posten, auf dem wir beide halbnackt und Arm in Arm auf dem Balkon saßen.

Während dieser Ferien entdeckte ich, dass Bettina nicht bloß in dieser Situation mit wenig geistigen Gaben gesegnet erschien. Dafür frömmelte sie sehr, ihr Vater ist ja schließlich auch katholischer Diakon.

Nachdem ich bei meinen schmutzigen Plänen zum Ziel gekommen war, folgte ich Bettina zunächst willig beim Ausüben der in ihren Kreisen üblichen Missinonarsstellung, konnte sie letztendlich jedoch überzeugen, dass es durchaus auch gottgefällig erscheinen könnte, wenn ich dabei auf ihr Kreuz starrte.

Ach, welch begnadete Erinnerungen an diesen Hotelaufenthalt ich doch hatte!

Bettina musste im Flugzeug aufs Clo. Bei der Rückkehr fragte sie mich, was mit dem Stinker passieren würde, denn sie gerade abgelassen hätte. "Das wird alles darunter in einer Tüte gesammelt und auf dem Boden entsorgt." "Dein Wort in Gottes Ohr", meinte sie bloß. Dann griff sie zum Handy und meldete sich bei ihren Eltern mit dem Einleitungssatz "Grüße aus dem Himmel."

Irgendwann landeten wir zu Hause in Stuttgart, holten unsere Koffer und gingen aus dem Terminal, wo wir vom wutentbrannten Diakon empfangen wurden. Als er gerade so richtig ablederte, fiel plötzlich ein etwa faustgroßer brauner Eisklumpen vom Himmel und traf den Mann am Hinterkopf.

"Du sollst nicht fluchen," sagte seine Frau, "das hast du jetzt davon!"

Der alte Miesepeter war nicht mehr zu retten. Und seine Tochter glaubt bis heute noch, dass sie die Schuld an seinem Tod trüge, weil sie kurz zuvor noch auf der Flugzeugtoilette war. Was man nicht alles so glauben kann!
2018
MACHBAR HERR NACHBAR

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Dienstag, 23. Januar 2018
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