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Feedback jeder Art Billet doux mit Rostrand

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  • Driekes
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  • Teilnehmer
Mein geliebtes Unheil,

seit du in mein Leben getreten bist,
steht nichts mehr gerade.

Nicht der Tisch.
Nicht der Tag.
Nicht einmal mein Misstrauen.

Ich wollte vernünftig bleiben.
Das war mein erster Fehler.

Du hast mich nicht erobert
wie in schlechten Romanen,
mit Mondlicht, Geigen
und handwarmem Seelenzucker.

Nein.

Du bist gekommen
wie eine kleine Naturkatastrophe
mit guten Schuhen.

Unangekündigt.
Unverschämt.

Seitdem sortiert mein Herz
die Trümmer alphabetisch.

Ich denke an dich
in Momenten,
in denen ein anständiger Mensch
an Rechnungen, Wetter
oder Zahnarzttermine denken sollte.

Stattdessen: du.

Immer wieder du.

Wie ein Refrain,
der sich weigert,
musikalisch zu werden.

Dein Blick
hat etwas Gefährliches.

Nicht im Sinne von:
Ich verliere mich in deinen Augen.

So tief wollen wir hier
gar nicht sinken.

Eher im Sinne von:

Da geht einer freiwillig
über eine Brücke,
obwohl er sieht,
dass sie brennt.

Und ich?

Ich winke noch.

Ich könnte schreiben,
du seist mein Licht.

Aber das wäre zu einfach.

Außerdem kenne ich Licht.

Es flackert.
Es blendet.
Es zieht Motten an.

Du bist eher der Riss
in der Wand,
durch den plötzlich
etwas Wahres schaut.

Nicht schön
im üblichen Sinn.

Besser.
Echter.
Unbequemer.

Seit dir hat sogar die Stille
eine andere Temperatur.

Sie friert nicht mehr
ganz so ordentlich.

Natürlich weiß ich,
dass Liebe eine Zumutung ist.

Eine dieser großen,
schlecht versicherten
Angelegenheiten.

Man gibt einem anderen Menschen
ein Messer in die Hand
und sagt:

Hier.
Schau, ob du damit
Brot schneidest.

Bei dir
habe ich es trotzdem getan.

Vielleicht ist das dumm.

Vielleicht ist es mutig.

Wahrscheinlich ist es beides.

Ich verspreche dir
keine ewige Sonne.

Das wäre gelogen
und meteorologisch fragwürdig.

Ich verspreche dir das:

Ich bleibe,
wenn der Himmel
schlecht gestrichen ist.

Ich lache,
wenn das Pathos ausrutscht.

Ich halte deine Schatten
nicht für einen Produktionsfehler.

Und wenn alles zu süß wird,
stelle ich Salz auf den Tisch.

Ich liebe dich.

Nicht sauber.
Nicht vernünftig.
Nicht als Postkartenmotiv
mit zwei Schwänen
und Sonnenuntergang.

Sondern so,
wie man etwas liebt,
das einen erwischt hat.

Mitten im Satz.
Mitten im Trotz.
Mitten in dieser lächerlichen,
kostbaren Zumutung
namens Leben.
 
Hallo Driekes

Du bist ein Magier der Worte. Dein Bezug zum Leben bleibt nüchtern, der Blick wirkt klar, es wird nichts verklärt. Wir Poeten neigen doch gerne dazu, alles zu erhöhen und ins Schöne zu hiefen. Da bleibst du sachlich und schneidest mit dem Skalpell der Worte ins Fleisch der Realität, dass es fast schon schmerzt.

LG Herbert
 
Hallo Driekes,

auch dieses Gedicht ist wieder ein Tanz der Worte und damit verknüpften Gedanken, von einem Meister choreographiert und orchestriert. Alle deine Texte durchzieht dieser feine Riss, durch den eine "unfassbare" Wahrheit schimmert. Die typographische Gestalt mit ihren vielen Leerstellen mag auf den ersten Blick sperrig erscheinen, dieser Eindruck verliert sich aber stets nach dem Lesen der ersten Zeilen, denn deine Sprache sucht sich mit der Geschmeidigkeit eines Leoparden (um auf den Protagonisten eines deiner Boten-Gedichte anzuspielen) ihren Weg zwischen den "Trümmern der Wirklichkeit", stets bereit, alles Offensichtliche, das sich dem Gesagtwerden entziehen will, mit einem wohl gezielten Prankenhieb dingfest zu machen.

Da kann ich nur "Bravo" rufen und eine Empfehlung aussprechen.

Mit Vergnügen gelesen. Gruß
Cornelius

P. S. Zunächst hatte ich "Rostrand" für einen Tippfehler gehalten und vermutet, das "Billet doux" sei an den französischen Schriftsteller Edmond Rostand gerichtet ...
 
Mein geliebtes Unheil,

seit du in mein Leben getreten bist,
steht nichts mehr gerade.

Nicht der Tisch.
Nicht der Tag.
Nicht einmal mein Misstrauen.

Ich wollte vernünftig bleiben.
Das war mein erster Fehler.

Du hast mich nicht erobert
wie in schlechten Romanen,
mit Mondlicht, Geigen
und handwarmem Seelenzucker.

Nein.

Du bist gekommen
wie eine kleine Naturkatastrophe
mit guten Schuhen.

Unangekündigt.
Unverschämt.

Seitdem sortiert mein Herz
die Trümmer alphabetisch.

Ich denke an dich
in Momenten,
in denen ein anständiger Mensch
an Rechnungen, Wetter
oder Zahnarzttermine denken sollte.

Stattdessen: du.

Immer wieder du.

Wie ein Refrain,
der sich weigert,
musikalisch zu werden.

Dein Blick
hat etwas Gefährliches.

Nicht im Sinne von:
Ich verliere mich in deinen Augen.

So tief wollen wir hier
gar nicht sinken.

Eher im Sinne von:

Da geht einer freiwillig
über eine Brücke,
obwohl er sieht,
dass sie brennt.

Und ich?

Ich winke noch.

Ich könnte schreiben,
du seist mein Licht.

Aber das wäre zu einfach.

Außerdem kenne ich Licht.

Es flackert.
Es blendet.
Es zieht Motten an.

Du bist eher der Riss
in der Wand,
durch den plötzlich
etwas Wahres schaut.

Nicht schön
im üblichen Sinn.

Besser.
Echter.
Unbequemer.

Seit dir hat sogar die Stille
eine andere Temperatur.

Sie friert nicht mehr
ganz so ordentlich.

Natürlich weiß ich,
dass Liebe eine Zumutung ist.

Eine dieser großen,
schlecht versicherten
Angelegenheiten.

Man gibt einem anderen Menschen
ein Messer in die Hand
und sagt:

Hier.
Schau, ob du damit
Brot schneidest.

Bei dir
habe ich es trotzdem getan.

Vielleicht ist das dumm.

Vielleicht ist es mutig.

Wahrscheinlich ist es beides.

Ich verspreche dir
keine ewige Sonne.

Das wäre gelogen
und meteorologisch fragwürdig.

Ich verspreche dir das:

Ich bleibe,
wenn der Himmel
schlecht gestrichen ist.

Ich lache,
wenn das Pathos ausrutscht.

Ich halte deine Schatten
nicht für einen Produktionsfehler.

Und wenn alles zu süß wird,
stelle ich Salz auf den Tisch.

Ich liebe dich.

Nicht sauber.
Nicht vernünftig.
Nicht als Postkartenmotiv
mit zwei Schwänen
und Sonnenuntergang.

Sondern so,
wie man etwas liebt,
das einen erwischt hat.


Mitten im Satz.
Mitten im Trotz.
Mitten in dieser lächerlichen,
kostbaren Zumutung
namens Leben.
Ist es nicht so,
dass grad die Schwierigen
uns binden?
Und kommt die Liebe
einmal leicht daher,
fühlt es sich an
als wärs im Sonderangebot
zu finden,
und dann? - wie schade,
wollen wir nicht mehr.

Und als ich deine Zeilen
hab gelesen,
erkannt ich wieder,
den
der einmal war,
in meinem Leben
und
in meiner Seele
klug, albern, zärtlich,
mir ganz nah...

Und oft dann unsagbar
weit weg,
und nicht zu greifen,
und wollt ich heilen,
ach - es war so schwer.
Ich lieb ihn noch,
er ist in meinem Träumen.
Doch mit ihm leben?
Nein,
ich kanns nicht mehr.

Mensch Driekes, das ist so schön und so gut geschrieben, ich könnte alles mit einem dicken "gefällt mir" unterstreichen, oder zugeben dass ich mich gerade in Vielem wieder finde, "kenn ich..., ja genau...!!!"
Ich wünsche dir /euch, wenn diese Gefühle über das LI hinaus einen realen Bezug haben sollten, alles Glück dieser Welt ( nicht ganz alles ;¬)... ein Bißchen für mich, bitteschön)...
Und das eure Geschichte bleibt, und gut ausgeht.
Liebe Grüße Andrea
 
Zuletzt bearbeitet:
@Jillianx3

Liebe Jil,
das ist ein großes Kompliment.
Der Text war als etwas rostiger Liebesbrief gedacht — halb Schmalz, halb Kratzer im Lack.

Schön, dass er bei dir angekommen ist.

Lieben Gruß
Driekes

@Herbert Kaiser

Hallo Herbert,
„Skalpell der Worte“ nehme ich gern mit.
Ich wollte eigentlich nur einen rostigen Liebesbrief schreiben.
Dann bekam der Schmalz Risse. So läuft das manchmal.
Liebe kleinmachen wollte ich nicht.
Nur den Zuckerguss ein wenig abkratzen.

Liebe ist schon gefährlich genug.
Da muss man sie nicht auch noch vergolden.

Danke dir und LG
Driekes

@Cornelius

Moin Cornelius,
deine Rückmeldung ist fast schon ein eigener Text.
Der „feine Riss“ trifft es gut. Ich lande offenbar immer wieder dort,
wo etwas noch schön sein könnte, aber schon beschädigt ist. Oder umgekehrt.

Auch der Leopard gefällt mir natürlich. Wenn er schon einmal durch die
Boten-Gedichte geschlichen ist, darf er hier ruhig noch einen Prankenhieb setzen.

Und dein P. S. zu Rostand ist herrlich.
Vielleicht war es also doch kein Rostrand, sondern ein heimlicher Gruß an Cyrano —
mit angelaufenem Briefpapier.

Danke dir für diese Empfehlung.

Gruß
Driekes

@Vokola

Liebe Vokala,
deine Zeilen gehen tief unter den Rostrand.
Dieses „klug, albern, zärtlich“ und dann doch wieder „unsagbar weit weg“ —
da sitzt viel Leben drin. Nicht nur Liebeskummer, eher diese bittere Stelle,
an der Nähe nicht mehr genügt, weil das Zusammenleben daran zerbricht.

Auch dein Bild vom Sonderangebot gefällt mir.
Liebe, die zu leicht daherkommt, traut man manchmal weniger als der,
an der man sich die Finger schneidet.

Manchmal bleibt Liebe.
Nur das Leben daneben geht nicht mehr.

Danke dir für deine sehr eigene Antwort.

LG Driekes
 
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