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Ein Raum
mit zu vielen Stühlen
für zu wenig Mut.

Fraktionen sitzen zusammen,
damit niemand
allein denkt.

Mikrofone warten geduldig
auf das,
was gesagt werden darf.

Hände heben sich
wie gewohnt,
nicht wie gemeint.

Worte kreisen um die Mitte,
damit sie
niemanden treffen.

Redezeit begrenzt,
damit nichts
ausufert.

Die Wahrheit passt
knapp hinein,
wenn man sie faltet.

Glaubwürdiger
Applaus
für Lippenbekenntnisse.

Worte
wie Schlüssel,
die nichts öffnen.

Entscheidungen
wie Labyrinthe
in der Geduld der Zeit.

Und draußen atmet das Volk schwer,
unbeirrt im Fluss der Möglichkeiten,
unruhig im Spiegel der Hoffnung.

Das Volk ist wie Wasser,
das das Ufer formt,
selbst wenn der Tempel nur sein Echo kennt.
 
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Hallo @Fehyla , guten Abend!

Ich sehe, in Deutschland ist es nicht anders als bei uns in Österreich. Zu viele Abgeordnete, zu viele Worthülsen, teilweise zu untergriffig in der Rhetorik (vor allem die Opposition).
Die gute Nachricht: nachher trifft man sich gemeinsam beim Wirt'n.

Habe dir gerne zugehört!
LG Teddybär 🐻
 
Hallo Fehyla,
nicht umsonst ähneln sich Parlament und Palavern im Tonfall, aber immer noch besser als wenn ein Möchtegern Fiedensnobelpreisträger den Ton angibt! 😉
Konstruktiv verorte Ich den "Tempel" als Bezug zum Altgriechischen, könnte mir aber auch "Meer" gut vorstellen!
LG
Perry
 
Lieber Teddybär,

danke dir für dein aufmerksames Lesen und den Blick über die Grenze. Offenbar sind parlamentarische Rituale erstaunlich exportstabil. Dass man sich danach beim Wirt’n wieder zusammenfindet, hat fast schon etwas Tröstliches. Regierende erhalten Macht nicht zu ihrer Erhöhung, sondern als Leihgabe auf Zeit, gebunden an Verantwortung, Recht und Gewissen. Sie sollen dem Land und dem Volk dienen, nicht umgekehrt, und ihre Entscheidungen am Gemeinwohl, an Wahrheit und besonders an den Folgen für die Schwächsten messen. Gerechterweise muss man sagen, dass Regieren – selbst unter idealen Bedingungen - schwer ist. Leicht erscheint Regieren meist nur von außen oder dort, wo Kontrolle, Kritik und Gewissen ausgeschaltet sind.

Liebe Grüße
Fehyla

Lieber Perry,

danke dir für die gedankliche Vertiefung und den sprachlichen Seitenblick. Die Nähe von Parlament und Palaver ist tatsächlich kein Zufall. Der Tempel (der Götter) darf gern mehrdeutig bleiben – Meer, Mythos oder Machtort, alles schwingt für mich mit. Dein Kommentar hat den Text für mich erweitert.
Regierende Politiker fühlen sich manchmal wie Götter, weil Macht Wahrnehmung verändert. Wer über Ressourcen, Regeln und Schicksale entscheidet, erlebt Zustimmung, Aufmerksamkeit und Privilegien, die Distanz zur Lebensrealität anderer schaffen. Rituale, Titel, Sicherheitsapparate und Applaus verstärken diese Erhöhung und können das Gefühl nähren, über den Dingen zu stehen. Wenn dann noch Kontrolle fehlt oder Kritik abgewehrt wird, entsteht leicht die Illusion von Unfehlbarkeit – ein klassisch menschlicher Effekt von Macht.
Bezüglich desjenigen, der den Friedensnobelpreis mit Drohungen und Nachdruck fordert, lautet meine persönliche Antwort:

BEWERBER DES FRIEDENSNOBELPREISES

Er schreibt Frieden
mit großer Schrift.

Die Tinte
ist schwer.

Papier
lernt zu bluten.


Liebe Grüße
Fehyla

Liebe Chilicat,

danke dir für das präzise Herausgreifen dieser Zeilen. Offenbar trifft dieses Zögern und Kreisen nicht nur ein Land, sondern viele politische Kulturen. Geduld ist wichtig, aber sie wird brüchig, wenn Worte folgenlos bleiben. Dein Echo passt sehr gut zum Kern des Gedichts.

Liebe Grüße
Fehyla
 
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