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Feedback jeder Art Ein Mann schaut aus dem Fenster

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  • Paul Kah
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Ein Mann schaut aus dem Fenster

An einem Dienstagmorgen, es hätte auch jeder andere Wochentag sein können, hatte Herr K. Dienst. Dieser bestand darin, die aktuellen Börsenkurse zu notieren und sie anschließend an seinen Vorgesetzten weiterzugeben, der dann wiederum seinem Vorgesetzten Vorschläge für Investitionen machte. Die Kurse taten, was sie zu tun pflegen, sie stiegen und fielen wieder und da Herr K. diesen Rhythmus nun schon einige Zeit zu beobachten wusste, machte sich ein wenig Langeweile in seinem Studierzimmer breit. Denn, wie sie vielleicht schon bemerkt haben werden, war dies nicht Herr K.’s Traumjob, sondern vielmehr ein Nebenerwerb, mit dem er die Zeit fürs tägliche Brot und das Geld für Vergnügungen beschaffte. Er saß also an seinem Schreibtisch und langweilte sich ganz vortrefflich, als sein Blick aus dem Fenster hinunter auf die Straße glitt. Dort draußen war Berlin. Ja, Berlin, die große Stadt, die er so gerne hatte kennenlernen wollen. Eine Wendung des Schicksals hatte es nun aber so gerichtet, dass er nicht zur lebendigen Sommerzeit in die Hauptstadt gekommen war, sondern zu den etwas trüben Herbsttagen des Oktobers. Draußen gingen nur noch wenige Menschen vorbei und wenn, dann eingepackt in dicke Mäntel, Stiefel, Schals und Strumpfhosen. Keinerlei Sommerkleider waren zu sehen, keine ausgelassenen, fröhlichen Berliner, so wie er sich das vorgestellt hatte. Aber ich schweife etwas ab, was der Herr K. sich da erträumt, wollt ihr ja gar nicht wissen.

Vor seinem Fenster sieht er also neben der Tristesse und den grauen Häusern auch eine Gruppe von Jungen stehen. In der Mitte von ihnen ein Großgewachsener mit Brille und Hemd, er scheint die anderen gerade anzuweisen. Jedenfalls zeigt er immer wieder in verschiedene Richtungen, deutet auf Einzelne und wartet bis diese Nicken, bevor er sich etwas anderem zuwendet. Ein zweiter scheint dem strengen Blick und frenetisch pendelnden Zeigefinger nach zu urteilen nicht ganz einverstanden zu sein und wild werden die Gesten durch die Gegend geworfen. Wieder deuten sie, der eine nach links, der andere nach rechts, dann wieder der Zeigefinger. Ein wenig geht das so, dann scheinen sie sich zu einigen. Viele der Jungen streunen in die ihnen bedeuteten Straßen davon, aber der Große mit Brille, der einem von K.’s alten Professoren ähnelt, bleibt an der Ecke stehen. Auch der Diskutierer bleibt bei ihm. Nun ist Herr K.’s Fantasie angeregt. Was die Jungs wohl vorhaben? Eine einfache Gruppe ist das nicht, soviel ist klar. Nein, hier muss es sich schon um eine Bande handeln, mit einem Plan und einem Ziel. Vielleicht hecken sie einen Streich aus? Wollen einem Lehrer ein paar Eier ans Fenster werfen, weil er ihnen so eine schwere Klausur vorgesetzt hatte? Aber wo wollten dann die ganzen Jungs hin, etwa alle Eier kaufen? Das wäre doch etwas übertrieben.

Nein, es muss etwas anderes sein. Um jemanden beklauen zu wollen, sehen sie zu vernünftig aus. Möglicherweise treffen sie sich zum Fußball spielen und holen nun alle ihre Schuhe? Die Guten darf man schließlich dazu nicht hernehmen, sonst bekommt man furchtbar Stunk mit seiner Mutter.
So dachte Herr K. und vergaß ganz seinen Chef. Aber der erwartete die Zahlen nicht vor 5 Uhr und zudem mochte er ihn auch nicht besonders, weil er ihm selten Danke sagte oder mal die Arbeit lobte oder vielleicht mal einen Nachmittag frei geben mochte, wenn an sich nichts zu tun war. Ich mag ihn darum auch nicht besonders, aber man kann auch nicht alle Figuren lieben, die man sich so ausdenkt.

Was tun die beiden Jungen nun? Sie verschwinden in eine Nebenstraße, beim Hotel mit rot-weiß gestreiften Vordächern und weißen Fenstern mit je 3 weißen Querstreben und 2 weißen Längsstreben, vor dem ein Portier mit roter Mütze seinen Dienst verrichtet. Ihm hat sein Chef auch nicht freigegeben, obwohl nicht viel zu tun ist. Aber dies gehört bei ihm wohl zum Geschäft. Was wäre das ein Job, wenn stetig Menschen aus und ein gingen, 30 Mal in der Minute müsste er die Mütze lüften, um sie alle zu begrüßen. Das wäre ein gräßliches Unterfangen. So sitzt die Mütze auf dem Kopf und Herr K. weiterhin in seinem Stuhl und denkt an die Zeit, als er selber noch ein Junge war und auch Teil einer Bande. Was für ein Spaß! Kleine Fehden mit denen aus dem Nachbardorf, nichts tod- aber doch bierernstes was sich da abspielte. Den Maibaum hatten sie gestohlen und mussten nun den eigenen verteidigen, Heissa, das war ja eine Freude gewesen. Mit trüben Augen hatten sie sich die ganze Nacht Geschichten erzählt, um ja wach zu bleiben und den Baum im Fall der Fälle verteidigen zu können. Einen Maibaum gab es in Berlin nicht, aber Herr K. wünschte sich insgeheim, bei was auch immer die Bande vorhatte, dabei zu sein. Ein wenig Feuer, nicht die öden Kurse.
Aber mit Tagträumen ist es so eine Sache. Manchmal, da lassen sie sich nicht erfüllen, was man auch macht.
Nun, ich kann berichten, Herr K. für seinen Teil hat dann doch einen Weg gefunden, sie lebendig werden zu lassen. Wie, das kann ich an dieser Stelle nicht verraten, aber wenn man in eine Buchhandlung geht, dann lãsst es sich vielleicht herausfinden.
 
Tja, ich würde eine mit Kinderbüchern mit Detektivgeschichten empfehlen. In Berlin, Ecke Tischbeinstraße und Kästnerallee. Nur bei der Anreise sollte man aufpassen, dass einem keiner das Geld aus der Tasche zieht. 😉
 
  • Paul Kah
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