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Feedback jeder Art Mietfrei in deinem Kopf

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  • Schmuddelkind
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Du dachtest wahrscheinlich, daß ich viel zu lieb sei,
so pack ich die Chance am struppigen Schopf.
Ich ziehe ganz heimlich und sicherlich mietfrei
in deine hochheiligen Hallen im Kopf.

Die schwarze Tapete an knöchernen Wänden
deckt sich nicht im Ansatz mit meinem Geschmack.
Ich halte in meinen entschlossenen Händen
den randvollen Eimer mit blutrotem Lack.

Ich streiche und werke, so ganz ohne Schranken
und färbe dein Inneres in meinem Ton.
Veranker mich langsam in deinen Gedanken,
dein Herz zu zerbrechen, das reicht mir als Lohn.

Doch eines, das macht es erst richtig behaglich,
ein Foto mit höhnischem Grinsen von mir.
Ich hänge es auf, bin zufrieden und mag mich,
dann schließ ich ganz leise von innen die Tür.
 
Halle Pennywise,
huu schaurig schön. So einen Untermieter möchte ich lieber nicht im Kopf haben. Auch dann nicht, wenn er mietfrei wohnen wollte. Irgendwie gefallen mir Deine Zeilen,, auch wenn sie beängstigend sind.
Sie drücken etwas aus, das nach jemanden beherrschen klingt. Aber das ist nur meine Vermutung dazu.
LG
Chilicat
 
Zuletzt bearbeitet:
Lieber Pennywise,

klasse Metapher! Ich lese es wie der Trost eines Zurückgelassenen, dass er dem anderen Menschen nicht aus dem Kopf geht - ein klein wenig grausame Vergeltung, die einem das Gefühl von einem Mindestmaß an Macht inmitten der Machtlosigkeit gibt. Das ist in seiner düsteren Abgefucktheit dennoch bewundernswert ehrlich, denn solche absurden Fantasien schießen einem in der Verletztheit nach einer Trennung für den Bruchteil einer Sekunde durch den Kopf, ehe man sie verwirft. Du aber machst aus diesem sehr flüchtigen Gedanken ein bleibendes Kunstwerk und darum sollte es in der Poesie gehen, finde ich.

Interessant finde ich auch die schwarze Tapete. Die Wände repräsentieren ja das Seelenleben des LD und da scheint eine pechschwarze Weltsicht ausgebreitet zu sein - vielleicht, so meint evtl. das LI, das sich so manch kaltherzige Handlung nur so erklären kann, eine Weltsicht, die dem Leiden Anderer gegnüber gleichgültig ist. Diese Deutung würde zur blutroten Farbe passen, mit der das LI die Wände übermalen will: "Siehst du jetzt, wie mein Herz blutet?" So etwas würde man gerne dem Anderen nachrufen, ihn wissen lassen, wie es tief in seinem Inneren aussieht, weil er dann, so denkt man, endlich versteht und sich zumindest für Manches entschuldigt.

Am Ende jedoch - das höhnische Grinsen - das geht dann über den Wunsch, verstanden zu werden hinaus. Es ist der Wunsch nach Rache. Ich empfehle zwar niemandem, seinen Rachegelüsten nachzugehen, denn sie machen die (eigene) Welt auch nicht besser und die Seele nur schwerer. Aber dass diese Gefühle da sind, ist verständlich und ich finde es toll, dass du das so ungeschwärzt aufgreifst.

Wie immer übrigens klasse geschrieben!

Liebe Grüße
Schmuddi
 
  • Schmuddelkind
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