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Feedback jeder Art Im Optimismus meint man...

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  • Terrapin
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Im Optimismus meint man: Ach, es geht gut!
In Anbetracht des üblichen Niveaus,
Auch wenn es manchmal weh tut.
Der Glücksmoment ist halb so groß
Und öffnet uns zum Tiefgang in die Demut
Wir lassen von Bedingungen nun los
Wie eine Fußspur, die im Schnee ruht
Von tausend möglichen Szenarios
In welcher Richtung fühlt sich mir mein Weg gut
Ach, wüsst ich, was ich nicht weiß, wüsst ich bloß,
Das Leben ist so süß wie eine Grapefruit
Und in Verkleinerung erst doppelt groß.
 
Hallo Terry,

ein formal durchaus problematisches Gedicht; das etwas unkonkrete Szenario mit dazu passender schräger Syntax; die durcheinanderwirbelnden Drei-, Vier- und Fünfheber; der selbst für ein Reimgedicht böse Hiat (V7); der Groß-auf-groß-Reim und der Stolperstein, die Betonung des Versendes (V1) betreffend, machen die Lektüre zu keiner ganz leichten. Interessant immerhin der Versuch, dem alltäglichen Herumgereime etwas entgegenzusetzen, auch wenn man wohl nur weh tut, Demut und Schnee ruht als zur Gemeinschaft der reichen Reime gehörend betrachten darf.

Gruß

E.
 
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Hallo Endeavour,

danke dir erstmal für die genaue und auch handwerklich saubere Rückmeldung – die Punkte, die du nennst, sind ja alle nicht aus der Luft gegriffen. Metrische Uneinheitlichkeit, der Hiat in V.7, die teils schief wirkende Syntax, auch einzelne Reime: das ist alles tatsächlich im Text vorhanden und lässt sich objektiv so feststellen.
Ich würde nur in der Bewertung etwas anders ansetzen.
Was die „durcheinanderwirbelnden Drei-, Vier- und Fünfheber“ betrifft: Ja, ein durchgehendes Metrum liegt nicht vor. Für mich ist das aber weniger ein Zerfall als vielmehr eine Verschiebung hin zu einer sprechnahen Bewegung. Die Verse folgen nicht primär einem Takt, sondern einem Gedankenverlauf. Der Text behauptet etwas, relativiert es sofort wieder, tastet sich weiter – und genau dieses tastende Moment spiegelt sich in der metrischen Instabilität. Es ist kein Marsch, eher ein inneres Abwägen.
Ähnlich bei der Syntax. Die ist stellenweise tatsächlich „schräg“, etwa in „fühlt sich mir mein Weg gut“. Das ist kein klassischer Bau. Aber gerade diese leichte Verschiebung erzeugt für mich den Eindruck, dass hier nicht eine fertige Aussage formuliert wird, sondern dass sich der Gedanke im Sprechen erst sortiert. Es hat etwas Unfertiges, Suchendes – und das scheint mir eher passend als störend.
Der Hiat in „Spur, die“ ist natürlich da, keine Frage. Wenn man streng formal schaut, ist das unsauber. Beim Sprechen hat diese Stelle für mich aber fast eine eigene Qualität: dieses kleine Auseinanderfallen im Klang passt ziemlich genau zu dem Bild der Spur im Schnee – etwas, das nicht geschlossen, sondern unterbrochen und vergänglich ist. Man kann das also hören als Schwäche oder als bewussten (oder zumindest funktionalen) Bruch.
Zu den Reimen: „weh tut / Demut / ruht“ ist sicher kein Paradebeispiel für Reinkultur. Und das war auch nicht beabsichtigt - es ist das Spiel klanglicher Nähe in Variation gestrickt. Gleichzeitig entsteht darüber eine inhaltliche Linie – vom Schmerz über die Reflexion hin zum Bild der Ruhe. Der Reim verbindet hier weniger auf höchstem klanglichen Niveau, sondern eher semantisch. Ähnlich die „Grapefruit“-Stelle: formal ein eher harter, fast störender Reim, aber genau dadurch kommt diese süß-bittere Doppelbedeutung ins Spiel, die für mich einen Kern des Textes trifft.
Insgesamt würde ich sagen: Der Text ist formal nicht sauber im klassischen Sinn, aber auch nicht beliebig. Die Brüche – im Metrum, in der Syntax, im Klang – stehen in einem gewissen Verhältnis zu dem, was inhaltlich passiert: ein permanentes Relativieren, Zurücknehmen, Neuansetzen.
Dein Hinweis, dass hier versucht wird, „dem alltäglichen Herumgereime etwas entgegenzusetzen“, ist für mich eigentlich der treffendste Punkt deiner Kritik. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich der Text – zwischen gebundener Form und einem gewissen Widerstand gegen zu glatte Geschlossenheit.

Viele Grüße, Terrapin.
 
Hallo Terry,

äußerst  ausführliche  Einlassungen, und nicht minder interessant, wiewohl ich gern unruhig auf dem Stuhl hin und her rutsche, wenn vermeintliche Schwächen, die ich ja weder suche, noch finden möchte, durch Erklärungen des Autors zum eigentlich Beabsichtigten werden. Immerhin wissen wir einmal mehr, woran wir sind, und nicht alles ist für mich in gleicher Weise abwegig.

Dennoch hast Du mich, die reichen Reime betreffend, glaube ich, falsch verstanden; die erwähnten drei finden durchaus meinen Beifall, nur gehören diese nicht in die gleiche Kategorie, wie die restlichen drei, die ich eher für Assonanzen und also in einem Reimgedicht für problematisch halte.

Grüßend

E.
 
Ja du hast definitiv Recht. Es sind keine Reime, sondern Assonanzen. Das habe ich oben nicht zum Ausdruck gebracht.
Und es ist mit diesem Raum von Übergängen von Reim und Assonanzen zum Spiel gekommen.
Ich habe eine Freude daran gefunden diese klangliche Membran der Halbreime zu dehnen und wölben. Vielleicht nicht Ideal, aber beherzt.
Ob diese Assonanzen in der Statik einer Architektur tauglich sind, entscheidet sich für mich daran, ob sie klanglich tragen.
 
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