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Nur Kommentar Adhuc Sto

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Der heutige Tag.
Kein Datum. Er braucht keins.
Er liegt einfach da.


Der Körper wacht vor dem Willen auf.
Schwere in den Gliedern, als hätte jemand über Nacht Blei in die Knochen gegossen. Die Hände zittern leicht, kaum sichtbar, aber ich merke es beim Festhalten der Tasse. Wärme erreicht mich verzögert. Alles braucht länger. Seit Wochen nehme ich neue Tränke. Glasfläschchen, nüchterne Farben, keine Namen, die trösten würden. Sie wirken nicht wie Rettung, eher wie Zügel. Sie halten mich dort, wo ich bin. Nicht mehr. Nicht weniger.


Der Kopf ist stiller geworden.
Zu still.
Eine Stille, die nicht leer ist, sondern gespannt. Wie Haut über einer alten Narbe. Ich vermeide heute die Sprache des Krieges. Nicht aus Einsicht. Aus Müdigkeit. Mein Schlachtfeld ist ausgelaugt. Der Boden hart, rissig. Kein Gras, kein Blut, nur Spuren. Zu viele. Die Ruhe liegt darauf wie kalter Tau. Wer lange genug kämpft, weiß: Das ist kein Ende.


Freunde.
Stimmen.
Nähe, irgendwo hinter mir.
Ich weiß, dass sie da sind, auch wenn ich sie nicht ansehe. Sie tragen keine Schuld. Sie sehen nur den äußeren Wall, nicht die Risse darin. Die Pläne dieses Krieges sind mir selbst oft unklar. Wie sollte ich sie erklären? Man kann niemanden durch einen Sumpf führen, den man nur tastend durchquert.


Manchmal denke ich an andere.
An all die, die tiefer gefallen sind. An verbrannte Länder, an Leben ohne Rückzugsort. Der Gedanke ist da, korrekt, logisch – und doch sitzt der Schmerz weiter in meinem Körper, unbeeindruckt. Er zieht durch die Schultern, legt sich in den Nacken, drückt von innen gegen den Brustkorb. Leid hört nicht auf, nur weil man es einordnet.


Pause.
Ein Atemzug.
Bewusst. Schwer.
Die Lunge fühlt sich an wie ein alter Blasebalg, der lange nicht benutzt wurde. Ich halte kurz inne, nicht aus Mut, sondern weil mein Körper es verlangt. Und dann sehe ich sie wieder.


Am Horizont.
Immer am Horizont.


Die Armada.
Kein Lärm. Keine Bewegung. Nur Anwesenheit. Gedanken in Reih und Glied. Erinnerungen, die wissen, wo sie ansetzen müssen. Zweifel, die den eigenen Namen tragen. Sie tragen keine frischen Banner. Ihre Stoffe sind abgenutzt, vertraut. Das macht sie gefährlich. Sie warten nicht auf Schwäche. Sie warten auf Gewohnheit.


Mein Rücken schmerzt.
Nicht von einer Wunde, sondern vom ständigen Aufrechtbleiben. Die Knie fühlen sich alt an. Sie kennen den Boden. Sie haben ihn oft berührt. Kalt. Gleichgültig. Ich weiß noch, wie es ist, unten zu sein. Diese Erinnerung sitzt tief. Vielleicht zu tief.


Es gibt keinen Schwur.
Kein Gelöbnis.
Nur ein Stehenbleiben.


Vielleicht ist es das, was sie nicht einkalkulieren.
Dass nichts Großes passiert.
Dass kein Zusammenbruch kommt, aber auch kein Triumph. Nur dieses leise, hartnäckige Verharren. Ein Körper, der sich weigert, die letzte Bewegung zu machen, die erwartet wird.


Ich schreibe das nicht, um zu siegen.
Nicht einmal, um zu hoffen.
Ich schreibe es, weil ich noch schreibe.
 
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