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Feedback jeder Art Botschaft an den Fluss

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  • Darkjuls
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Inspiriert von singhalesischer Botschaftsdichtung (Sandesha kāvya)
Ein Fluss, der trägt, was man fallen lässt: Schritte, Schatten, Namen –
stromabwärts, bis dorthin, wo sie wartet.



Du alter Fluss mit tiefem Lauf,
der dunkel an den Ufern zieht,
trag meine Worte stromabwärts,
bis zu dem Haus, wo Licht noch brennt.

Die Steine kennen meinen Schritt,
die Weiden streifen meinen Arm;
nimm ihren Schatten mit dir fort,
wenn du am Abend weitergehst.

Die Bäume stehen im Spiegel,
die Wolken schieben übern Strom;
was ungesagt in mir noch sitzt,
zieh mit hinab in deine Tiefe.

Wo dein Wasser langsamer
sich um alte Pfeiler legt,
dort leg ihr sacht dies Bild ans Herz,
wenn sie am Geländer hält:

Sag ihr,
dass nichts im Fluss verschwindet.
Sag ihr,
dass Strömung nicht löscht – nur weitergeht.
Sag ihr,
dass ich noch am Quellstein warte.
 
Hallo Driekes

Der Fluss des Lebens, der Liebe, der Hoffnung - er trägt uns, lässt uns Ziele ansteuern in der Erwartung auf Erfüllung.
Auf die Liebe umgemünzt: ich sehe sie als treibende Kraft und sollte sie untertauchen, so bleibt zumindest die Sehnsucht.
Frei interpretiert, gern gelesen!
LG Teddybär 🐻
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Driekes, ich mag die Botschaft aus Deinen Zeilen und das Bild vom Fluss.
Ins Stocken beim Lesen komme ich immer an dieser Stelle:

der dunkel an den Ufern zieht,
muss es nicht heißen, der dunkel an die Ufer zieht?

Um es flüssiger zu lesen, hätte ich hier:

Die Bäume stehen im Spiegel,
Wo Bäume in dem Spiegel stehn.... geschrieben.

sich um alte Pfeiler legt,
vielleicht: sich um alte Pfeiler windet oder schmiegt, da Du legt schon in der nächsten Zeilen wieder verwendet hast

Aber das sind nur Anmerkungen, die mir beim Lesen durch den Kopf gegegangen sind. Im Ganzen gefällt mir Dein Gedicht über den Fluss, der die Liebe trägt.

Es grüßt Juls
 
Zuletzt bearbeitet:
Lieber Teddybär, lieber Rudolf, liebe Juls,

danke euch fürs Hineinlesen und Mitdenken.

@Teddybär:
Deine Lesart (Fluss als Träger von Leben/Liebe/Hoffnung)
passt sehr gut zu dem, was ich mit dem Bild meinte.
Gerade dieses „Er trägt – auch wenn man selbst gerade nicht tragen kann“
ist für mich der Kern.

@ Rudolf:
Danke dir für das warme Echo.
„Sag ihr, dass ich noch am Quellstein warte“ –
genau da sollte der Text landen: nicht als großes Drama, eher als stiller Halt.


@Juls
Danke besonders für deine genauen Anmerkungen – das ist aufmerksam gelesen.
Zu „der dunkel an den Ufern zieht“:
Ich meine das ganz bewusst als entlang der Ufer,
nicht „an die Ufer“ im Sinn von „hin zu“.
Der Fluss läuft dunkel am Rand entlang, nicht als Bewegung auf ein Ziel zu.

„Die Bäume stehen im Spiegel“ lasse ich ebenfalls so:
das ist für mich dieses harte, klare Bild – nicht „romantisch“,
eher wie eine kalte Fläche, die trotzdem alles trägt.

Und ja: das „legt/leg“ ist mir aufgefallen – ich lasse es trotzdem stehen,
weil ich das Echo mag: erst legt der Fluss sich um die Pfeiler,
dann „lege“ ich das Bild ans Herz. Das ist fast wie eine Übergabe.

Vielleicht noch als Randnotiz:
Diese Sandesha-Botschaft ist meine Annäherung an singhalesische Botschaftsdichtung –
Wind, Regen, Fluss als Boten. Sie tragen die Nachricht zu einem Du,
das nicht einfach „da“ ist, sondern oft nur als Sehnsucht existiert:
erreichbar im Blick, unerreichbar im Leben – wie etwas, dem man
stromabwärts nachgeht und doch an der Quelle stehen bleibt.

Der Ton bleibt meist vierhebig (Hebungsvers), wie es das Sandesha-Metrum fordert,
mit erlaubten Abweichungen, damit es gesprochen bleibt.
Und die Kehrverse am Schluss bündeln alles zu einem leisen Refrain.

Danke euch – ich freue mich, dass der Fluss bei euch angekommen ist.

LG, Driekes
 
  • Darkjuls
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