Aus der Reihe Gedankensalat (XXX) in Form einer Prosopopöie
Ich stehe lange genug,
um den Irrtum der Bewegung zu kennen.
Alles, was sich beeilt,
verschwindet früher, als es glaubt.
Blätter, Tiere, Stimmen, Sommer –
sie kommen mit dem Anspruch auf Dauer
und enden wenig später im Dreck.
Der Morgen hängt mir Tau in die Krone,
als wäre Frische ein Versprechen.
Dann kommt die Sonne
und nimmt ihn fort.
So geht das hier:
erst Glanz, dann Verdunstung.
Zwischen meinen Zweigen
spannt einer sein Netz.
Ein anderer fliegt hinein.
Auch das gehört zur Ordnung.
Nicht gerecht, nicht grausam –
nur gründlich.
Meine Früchte fallen nicht aus Übermut.
Sie fallen,
weil Halten keine Lösung ist.
Unten wird gefressen,
vergraben, vergessen.
Manches kehrt zurück.
Das meiste nicht.
Ich trage Wunden im Stamm.
Käfer lesen darin,
was die Jahre hineingekerbt haben.
Harz schließt,
was offenblieb.
Langsam.
Zäh.
Ohne Trost.
Unter mir singt ein Vogel,
als gäbe es keinen Verlust.
Auf der Lichtung stirbt etwas,
das eben noch Sprünge war.
Der Wind geht hindurch,
ohne einzugreifen.
Ich habe nie verstanden,
warum der Mensch
aus allem eine Botschaft machen will.
Ein Fall ist ein Fall.
Eine Wunde ist eine Wunde.
Meine Wurzeln greifen tiefer,
je länger ich stehen muss.
Vielleicht ist das Würde:
nicht unversehrt zu bleiben,
sondern trotz allem
nicht umzufallen.
Ich stehe lange genug,
um den Irrtum der Bewegung zu kennen.
Alles, was sich beeilt,
verschwindet früher, als es glaubt.
Blätter, Tiere, Stimmen, Sommer –
sie kommen mit dem Anspruch auf Dauer
und enden wenig später im Dreck.
Der Morgen hängt mir Tau in die Krone,
als wäre Frische ein Versprechen.
Dann kommt die Sonne
und nimmt ihn fort.
So geht das hier:
erst Glanz, dann Verdunstung.
Zwischen meinen Zweigen
spannt einer sein Netz.
Ein anderer fliegt hinein.
Auch das gehört zur Ordnung.
Nicht gerecht, nicht grausam –
nur gründlich.
Meine Früchte fallen nicht aus Übermut.
Sie fallen,
weil Halten keine Lösung ist.
Unten wird gefressen,
vergraben, vergessen.
Manches kehrt zurück.
Das meiste nicht.
Ich trage Wunden im Stamm.
Käfer lesen darin,
was die Jahre hineingekerbt haben.
Harz schließt,
was offenblieb.
Langsam.
Zäh.
Ohne Trost.
Unter mir singt ein Vogel,
als gäbe es keinen Verlust.
Auf der Lichtung stirbt etwas,
das eben noch Sprünge war.
Der Wind geht hindurch,
ohne einzugreifen.
Ich habe nie verstanden,
warum der Mensch
aus allem eine Botschaft machen will.
Ein Fall ist ein Fall.
Eine Wunde ist eine Wunde.
Meine Wurzeln greifen tiefer,
je länger ich stehen muss.
Vielleicht ist das Würde:
nicht unversehrt zu bleiben,
sondern trotz allem
nicht umzufallen.