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Feedback jeder Art Der goldene Narr von Davos

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Der goldene Narr von Davos


Die Schellen klangen einst wie Gold,
wenn er das Rad vorm Volke schlug.
Die Menge war ihm im Westen hold,
weil er die derbsten Sprüche trug.
Doch heute sonnt er sich in Davos,
ein Welt-Gigant von hohem Rang,
er gibt sich klug und prunkvoll-groß
und spielt auf Saiten mit neuem Klang.


Vor ihm die Stirnen, hoch und bleich,
in Davos’ Hallen tief gehüllt,
die Wächter aus dem Finanz-Reich,
voll Gier und doch von Angst erfüllt.
Der Narr tritt auf mit stolzer Brust,
das Haar zur Krone festgeschlungen,
er wähnt sich ihrer Welt bewusst,
hat Phrasen sich in den Verstand gezwungen.


Er spricht von Deals und großer Macht,
verflechtet Spott mit fernen Zahlen,
erwartet, dass man jubelt, lacht,
in gläsernen Kristall-Portalen.
Er baut ein Kartenhaus aus Gold,
setzt die Pointe, scharf und kühn –
doch die Versammelten, nicht länger hold,
bevorzugen, sich dem zu entziehn.


Das Schweigen lastet wie ein Stein,
doch ist’s kein Ernst dabei, es ist nur Bangen.
Sie blicken starr ins Licht hinein,
in ihrer Heuchelei gefangen.
Nicht, weil sie seinen Witz nicht fassen,
nicht, weil sie klüger sind als er –
sie sitzen da, vom Mut verlassen,
und geben ihre Seele her.


Denn wer zuerst die Stille bricht,
wer zeigt, was er im Innern denkt,
verliert am Markt sein Gleichgewicht,
weil er dem Narren Beachtung schenkt.
So kauert dieses „weise“ Heer,
aus Angst um Rang und die Prozente,
das macht die Stille dumpf und schwer –
der Macht verstummte Adjutanten-Ente.


So steht er da, der alte Tor,
und die, die sich für die Elite hielten.
Er flüstert hohles Zeug in ihr Ohr,
während sie feige mit den Blicken schielten.
Kein Applaus, kein Buh, kein Wort,
ein Stillstand, der die Welt verzehrt.
Und der Narr? Der schleicht leise fort,
Vom Ort des Schweigens, das er selbst ernährt.



 
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