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Man öffnete den Stall bei Nacht,

die Vögel flohen, lautlos, sacht.

Kein Blick zurück, kein letztes Flehen,

als hätten sie hier nie gelegen.

Die Freiheit sah so leichtgewandt,

doch kostete sie Fleisch und Brand.


Denn Flügel schlagen nicht aus Mut,

sie schlagen, weil man fallen muss.

Ein Zögern nur, ein Atemzug,

ein Gedanke, der zu tief schon wog.

Zwischen Erlösung, Angst und Tod

liegt kein Weg — nur ein Verbot.

Ein Schritt trennt Himmel noch vom Stein,

von süßem Wasser, schwarzem Sein.

Der Mensch lernt schnell, wenn er ertrinkt,

doch nie, wenn er im Käfig sinkt.

Denn plötzlich scheint der Stall so reich,

mehr Futter dort, die Welt so weich.

Die Freiheit hungert, friert und schreit,

der Käfig lügt mit Sicherheit.

Wie grausam ist der Wunsch nach Luft,

wenn Nähe nach Verwesung ruft.

Die Taube hackt der Taube Fleisch,

weil Atem knapp und Angst zu gleich.

Man setzt sich selbst die Scheuklappen auf,

damit kein Blick die Wahrheit kauft.

Denn wer zu nah, wer dich versteht,

ist der, der dich am tiefsten näht.

Nicht Tiere fürchten wir im Kern,

wir fürchten Menschen, viel zu gern.

Die Hand, die liebt, schlägt härter zu

als jede fremde Brutalität im Nu.

Manche begräbt man samt Gedicht,

kein Name bleibt, kein Rest von Licht.

Andere sterben laut und schnell,

ihr Echo schreit noch tausendfäll’.

Die Nützlichen verrotten still,

vergessen, weil sie keiner will.

Die Schlimmsten leben jeden Tag

in Köpfen, wo kein Frieden lag.

Es treibt den Menschen, roh und blind,

zum Hass, der ohne Herkunft ist.

Er trifft gerecht, er trifft willkürlich,

er trifft die Schuldlosen endgültig.

Manche wollen gut erinnert sein,

andere schreien: Seht mich an!

Denn nichts zu sein ist schlimmer noch

als jedes Urteil, jeder Bann.

Und Wasser oder Luft im Leib —

Der Unterschied ist kein Vergleich:

Das eine bringt Tod, doch still und weich,

Gefangen kalt in falscher Ruh.

Pfauen glänzen, schön und leer,

Doppeltzüngig, kaltes Heer.

Treue trägt im stillen Kleid,

Kraft, die bleibt und niemals schreit.

Glanz verführt, doch sticht die Nacht,

Stille Stärke schlägt mit Macht.

Papageien reden, bunt und leer,

Pfauen blenden, trügen mehr.

Schönheit lockt – Verrat erwacht,

Stille Treue schlägt bei Nacht.
 
Hallo FeuerNebelHain 2007

Lyrisch sehr schön gedichtet, . Inhaltlich ist es mir bissel zu dunstig, wenn man es in der Hand erfassen möchte. Das muss Dir wohl auch sein. Feuer, Nebel im Hain der Poesie, wie auch immer, du bist ein junger Dichter, es hat mir so gefallen.
LG etwas
 
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