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Nur Kommentar DER WOLF IM SCHÄFERSGEWAND

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Den kleinen Lämmern ein Märchen,
Den großen Lämmern eine Lehre...


Das kleine Lamm Flauschi,
Fragte seine Mutter Mauschi:
"Mama, hinter jenem Hügel dort,
Was gibt es dort? Erzähl mir fort!"

Die Mutterschaf seufzte tief,
In die Ferne sah sie, rief:
"Geh nicht dorthin, mein Kind,
Dein Onkel verschwand dort geschwind."

"Wie verschwand er, Mama, sag?"
"Weiß nicht, mein Kind, frag mich nicht,
Er ging und kam nie zurück,
Nur sein Fell fand man, welch ein Glück?"


Flauschi hörte nicht darauf,
Neugier erfasste seinen Lauf.
Eines Morgens ganz früh,
Macht er sich auf, voller Müh'.

Den Hügel erklomm er mit Qual,
Vor ihm ein Schäfer, ein Stab aus Stahl.
"Willkommen, kleines Lämmchen," sprach er,
"Komm, gib mir Gras, frisch und hehr!"

Flauschi freute sich sehr,
Spielte, hüpfte, lachte sehr.
Doch eins fiel ihm auf mit Schrecken:
Des Schäfers Augen gelb und versteckt!

"Schäfer-Onkel, warum gelb dein Blick?"
"Schon gut, mein Sohn, das ist Geschick."
"Und warum so spitz die Zähne dein?"
"Sie schneiden Gras, das muss so sein."

Flauschi wurde etwas bang,
Fliehen wollt er, doch nicht zu lang.


Da plötzlich, von fern, ein Schall:
"Hüpft mal!" erschallt es überall.
Ein Schäfer kam auf einem Pferd,
Der echte Schäfer, das war's wert!

"Lass das Lamm los, du Falscher dort!"
Schrie er wütend, Wort für Wort.
Der falsche Schäfer verwandelte sich,
In einen großen Wolf, fürchterlich!

Flauschi erstarrte, voller Graus,
An Onkels Fell dacht er zu Haus'.
Der Wolf sprang auf Flauschi zu,
Doch der echte Schäfer, voller Ruh',
Stürzte sich vor, begann die Jagd,
Den Atem hielt die Welt, verzagt!

Der Schäfer fing den Wolf am End',
Band ihn an 'nen Baum, behend'.


Dann dreht er sich zu Flauschi um:
"Hast du Angst, mein Freund, so dumm?"

Flauschi zitterte immer noch:
"So viel Angst, Bruder, ich versprech',
Mama hatte recht, fürwahr,
Den Hügel gehn ist eine Gefahr!"

Der Schäfer lächelte warm und fein:
"Hab keine Angst, du bist nun mein.
Komm, lass uns zu deiner Mutter gehn."

Flauschi freute sich, das war schön,
Lief dem Schäfer hinterher.

Doch der Weg zog sich immer mehr,
Durch fremde Orte, unbekannt.
"Schäfer-Bruder, wo sind wir im Land?"
"Keine Sorge, gleich sind wir da."
"Und meine Mutter, ist sie nah?"
"Gleich wirst du sie sehn, ganz klar."

Es wurde Abend, dann Nacht,
Flauschi war vom Schlaf ummacht.


Als er erwachte, was sah er da?
Ein großen Pferch, Zäune, oh là là!

"Schäfer-Bruder! Wo bin ich hier?"
Der Schäfer kam, verändert schier,
Ein seltsames Glühn in seinem Blick.

"Das ist dein neues Zuhause, Flauschi, ein Stück."
"Und meine Mutter? Wo ist sie?"
"Keine Sorge, wir holen sie, wie noch nie."

Flauschi begann zu weinen sehr:
"Ich will nach Hause, will nicht mehr!"

Der Schäfer beugte sich zu ihm herab,
Flüsterte sanft, als ob er Gab':
"Schau, kleines Lämmchen, versteh doch mich,
Draußen ist Gefahr, der Wolf, fürchterlich.
Ich hab dich gerettet dort,
Jetzt bist du sicher, an diesem Ort."

"Ich will nicht! Frei will ich sein!"
"Freiheit?" lachte der Schäfer fein,
"Freiheit, mein Sohn, ist nur ein Wahn,
Vom rechten Weg abzugeh'n, was man getan."


Tage vergingen, Wochen, schnell,
Mutter Mauschi sucht, oh welch ein Grell'.
Ihr Kind sucht sie, voller Pein,
Jeden Hügel, jedes Tal allein.

Dann hört sie eines Tags davon,
Ein Schäfer hinterm Hügel wohn',
Sammelt verlorene Lämmer ein,
Passt auf sie auf, so soll es sein.

Schnell läuft sie hin, zur Schäfers Pferch,
Sieht Flauschi dort, durch Zäune und Erch'!

"Flauschi! Mein Kind!" schreit sie laut,
Läuft zum Zaun, der sie umhaut.
Doch der Schäfer stellt sich ihr entgegen,
Lächelt wieder, mit süßen Reden:

"Willkommen, Mutter-Lamm, ich grüß,
Dich hab ich erwartet, führ mich nicht.
Dein Sohn hat dich sehr vermisst,
Komm herein, wenn du bereit bist."

Mauschi staunt über diese Wort':
"Was soll das? Ich hol ihn fort!"
Der Schäfer lacht, laut und hell:
"Fort? Wohin denn, sag es schnell!"


"Mein Sohn, kommst du, bitte sehr?"

Flauschi schaut zur Mutter hin,
Dann zum Schäfer, mit schwachem Sinn,
Seine Füße gehn rückwärts, schwer.

"Mama... Ich bleibe hier, für immer."
"Was?! Was sagst du da? Niemals nimmer!"
"Der Schäfer-Bruder hat Recht, du weißt,
Draußen ist Gefahr, der Wolf, der beißt,
Hier sind wir sicher, Futter, Trunk,
Hier bin ich geborgen, mit einem Schwung."

Mauschi erstarrt, voller Leid:
"Mein Sohn, der Wolf im Schäferkleid,
Wollte dich fressen, das ist klar!"
"Ja, doch der Schäfer rettet mich fürwahr,
Er ist mein Held, das ist doch wahr."

Der Schäfer mustert Mauschi scharf:
"Kommst du nicht rein, wie ich es warf?
Dein Sohn ist glücklich hier im Sein,
Kein Hunger, keine Angst, nur Sonnenschein."

Mauschi schaut sich um, wohin sie sieht,
Hohe Zäune, Tore aus Eisen, zieht.
"Das ist ein Gefängnis!" spricht sie dann.
Der Schäfer lächelt, fängt an:

"Gefängnis? Nein, mein liebes Schaf,
Das ist ein beschützter Paradies, ein Hafen."


Mauschi geht nicht hinein, kehrt um,
Doch jeden Tag kommt sie, nicht stumm,
Zum Pferch, um ihr Kind zu sehn.

Flauschi, mit der Zeit, so schön,
Gewöhnt sich an das neue Leben.
Erst weint er, dann fügt er sich daneben,
Schließlich vergisst er die alte Welt,
Die ihm einst so gut gefällt.


Jahre vergehn, Flauschi wird groß,
Doch den Pferch verlässt er nie, nicht mal im Moos.
Die Freiheit kennt er nicht, nie gesehn.

Mauschi aber, jeden Morgen, schön,
Kommt sie zum Pferch, steht vor dem Tor,
Reicht Flauschi frisches Gras hervor,
Durch den Zaun, mit Liebe pur.

Und jedes Mal fragt sie aufs Neu':
"Bist du glücklich, mein Kind, sag frei?"

Flauschi nickt dann, ohne Scheu:
"Glücklich bin ich, Mama, denn hier bin ich frei? Nein, sicher, ja!"


Der Schäfer beobachtet sie von fern,
Lächelt in sich, still und gern.

Das Lamm, das er vom Wolf befreit,
Ist nun sein treuester Diener, weit und breit.

Und jede Nacht, still und leis,
Wartet er auf neue Lämmer, auf neue Weis'.
Neue Flauschis, neue Mauschis...

Alle werden in diesen Pferch geh'n,
Alle werden beschützt sein, versteh'n,
Alle werden sicher sein, im Glanz,
Vergessen, was Freiheit ist, ganz.

Aber glücklich werden sie sein,
Oder sie denken es, scheint.


Und so, ihr Kinder, ist das End',
Von Märchen, die man kennt, bekannt.

Man sagt, die Wölfe verlieren stets,
Doch manchmal, wenn der Wolf im Schäfergewand,
Trotzdem, die Schäfer siegen am End'.

Geht niemals hinter jenen Hügel, ich sag's.
Oder wenn ihr geht, vergesst nicht: kommt zurück, falls.

Sonst, eines Tags, seid ihr vielleicht,
Auch im Pferch, der euch umschlingt, verschleißt.

Glückliche Enden gibt's nur im Märchen, fein,
Im wahren Leben aber...

Nun gut, Schlafenszeit, es muss sein.

Träumt nicht von Wölfen, ich bitt' euch sehr.
Und wenn ihr doch träumt, zweifelt mehr,
An den guten Schäfern, die ihr kennt.
 
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