Die Geschichte vom Löwenmenschen
„Suxarel, meine Liebe, wo steckst du schon wieder?”
„Hier, Paps. Ich sitze im Licht des Sternenzeltes.”
„Was machst du dort stundenlang im Staub?”
„Ich schnitze einen Löwen, Vater.”
„Einen Löwen? Zeig her …” Er nahm das Elfenbeinstück in die Hand. „Der sieht aber nicht aus wie ein richtiger Löwe. Er steht aufrecht … wie wir.”
„Ja”, flüsterte Suxarel. „Es ist ein Löwenmensch.”
„Ein Löwenmensch …?”
„Ja, ein Seher der durch die ferne Zeit blicken kann - solange er seine Maske trägt.
„Und was sieht er dort, in der fernen Zeit, Suxarel?”
Die Augen des Mädchens wurden groß. „Oh … er sieht Höhlen, Hütten und Zelte, manche so hoch wie die Spitzen eines Berges der die Wolken berührt. Sie leben hinter Wänden die kein Feuer, kein Regen und kein Wind je berührt hat und an denen sich eine Behausung an die andere reiht, wie die Nester der Schwalben am großen Flussfelsen.
Sie reiten in Donnervögeln über ausgetrocknete Flussläufe – schneller als ein Leopard im Sprung.”
Der Vater runzelte die Stirn. „Donnervögel?”
„Ja … und mit ihren brennenden Feuerblitz-Augen vertreiben sie die Schwärze der Nacht.”
Suxarel schaute auf, als ob sie selbst dorthin blickte. „Sie müssen nicht mehr jagen und nicht mehr sammeln.”
Der Wind bewegte die Zeltwand. Beide schwiegen für einen Moment.
Dann senkte sie den Blick auf das Mammutelfenbein, als läse sie daraus:
„Sie tragen Knochen bei sich, so dünn wie Baumrinde, in denen lebende Schatten und Stimmen ihrer Brüder und Schwestern wohnen.”
Es herrschte Stille vor dem Sternenzelt. Dann fragte der Vater leise: „Und … sind die Menschen dort glücklich, in ihren Hütten aus Stein und Licht?”
Suxarel hielt inne und strich sanft über ihr kleines Kunstwerk. „Das weiß ich noch nicht, Paps. Das wird mir der Löwenmensch erst verraten, wenn ich ihn fertig geschnitzt habe.“
© GeKa 2024
* Quelle: [Wikipedia - Löwenmensch](https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6wenmensch?wprov=sfti1#Bedeutung)
„Suxarel, meine Liebe, wo steckst du schon wieder?”
„Hier, Paps. Ich sitze im Licht des Sternenzeltes.”
„Was machst du dort stundenlang im Staub?”
„Ich schnitze einen Löwen, Vater.”
„Einen Löwen? Zeig her …” Er nahm das Elfenbeinstück in die Hand. „Der sieht aber nicht aus wie ein richtiger Löwe. Er steht aufrecht … wie wir.”
„Ja”, flüsterte Suxarel. „Es ist ein Löwenmensch.”
„Ein Löwenmensch …?”
„Ja, ein Seher der durch die ferne Zeit blicken kann - solange er seine Maske trägt.
„Und was sieht er dort, in der fernen Zeit, Suxarel?”
Die Augen des Mädchens wurden groß. „Oh … er sieht Höhlen, Hütten und Zelte, manche so hoch wie die Spitzen eines Berges der die Wolken berührt. Sie leben hinter Wänden die kein Feuer, kein Regen und kein Wind je berührt hat und an denen sich eine Behausung an die andere reiht, wie die Nester der Schwalben am großen Flussfelsen.
Sie reiten in Donnervögeln über ausgetrocknete Flussläufe – schneller als ein Leopard im Sprung.”
Der Vater runzelte die Stirn. „Donnervögel?”
„Ja … und mit ihren brennenden Feuerblitz-Augen vertreiben sie die Schwärze der Nacht.”
Suxarel schaute auf, als ob sie selbst dorthin blickte. „Sie müssen nicht mehr jagen und nicht mehr sammeln.”
Der Wind bewegte die Zeltwand. Beide schwiegen für einen Moment.
Dann senkte sie den Blick auf das Mammutelfenbein, als läse sie daraus:
„Sie tragen Knochen bei sich, so dünn wie Baumrinde, in denen lebende Schatten und Stimmen ihrer Brüder und Schwestern wohnen.”
Es herrschte Stille vor dem Sternenzelt. Dann fragte der Vater leise: „Und … sind die Menschen dort glücklich, in ihren Hütten aus Stein und Licht?”
Suxarel hielt inne und strich sanft über ihr kleines Kunstwerk. „Das weiß ich noch nicht, Paps. Das wird mir der Löwenmensch erst verraten, wenn ich ihn fertig geschnitzt habe.“
© GeKa 2024
* Quelle: [Wikipedia - Löwenmensch](https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%B6wenmensch?wprov=sfti1#Bedeutung)
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