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Schön ist's, im Sommer spazieren zu geh'n, wenn's schön ist, dann tut's auch;
Aber vorm Sonnenbrand schützt euch und cremt euch gut ein!
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Tüßling liegt in Oberbayern, nicht weit vom Inn entfernt; da wundert es nicht, dass die in Passau erschienene "Donau-Zeitung" den Ort im Blick hatte und 1887 berichtete, man habe ihr von dort folgendes geschrieben: "Ungefähr mittags zwölf Uhr traf gestern Iovis pluvii Kriegserklärung hier ein. Nachdem vormittags das Wetter noch ausgehalten hatte, fing es gegen Mittag zu regnen an und beeinträchtigte dadurch alle Festlichkeiten im Freien, die an mehreren Plätzen, wie in Weiding, Winhöring u.s.w., gerade auf den Pfingstmontag angesetzt waren. Mancher durchnässte Ausflügler mag auf dem Heimwege so für sich hin das bekannte Distichon zitiert haben: (1) Schön wär’s, im Sommer spazieren zu gehen, wenn’s schön wär’, man tät’s gern; // Meist aber kommt man nach Haus wie die getaufteste Maus." "Die Grenzboten" weisen 1892 einer Variante Ludwig I. als Verfasser zu: (2) Schön ist’s, wenn’s schön ist, im Sommer spazieren zu geh’n, und man tut’s auch; // Aber im Winter ist’s kalt; teils kommt man so nicht dazu. Aber spottend und parodierend findet sich dieses Verspaar ohnehin in vielen Abwandlungen – die "Fliegenden Blätter" 1858: (3) Schön ist’s im Sommer spazieren zu gehen, wenn’s schön ist, und tut’s auch; // Aber im Winter dagegen ist meistens Spaziergang nur selten. // Manchmal ist es zu kalt, oft kann man so nicht hinaus. Zwei Hexameter und ein Pentameter also; veröffentlicht wurden sie unter dem Titel "Distichen aus der höheren Töchterschule", und 1899 kamen die "Fliegenden Blätter" am Anfang eines längeren Hexameter-Textes ("Gesang der höheren Tochter. Einst und jetzt") darauf noch einmal zurück: (4) "Schön ist’s, im Sommer spazieren zu geh’n, wenn’s schön ist man tut’s auch." // Also sang vor Dezennien blöde die höhere Tochter. // Prähistorische Schwester, so möchte ich nennen dich, Arme! In diesem Bezug, der "höher gebildeten Tochter", taucht das Verspaar, wenn auch arg verunstaltet, auch in dem Roman "Odysseus im Salon" auf, verfasst von Philomena Hartl-Mitius: "Als Absolvent des Gymnasiums verschmähte ich das 'Reimgeklingel', dessen sich die Lyriker bedienen, und schrieb nur in Hexametern. Dieses Versmaß dünkte mich äußerst schwierig und darum zur Verherrlichung meiner Holden gerade gut genug. Ohne mein nächtliches Treiben zu verraten, konnte ich mich doch nicht enthalten, Klarissa ahnen zu lassen, dass mir Metrik ein angenehmer Tummelplatz sei. Da zitierte sie lachend einen Vers, den ihre deutschen Mitschülerinnen in Vevey gemeinsam verfertigt hatten: (5) Schön ist’s im Sommer, spazieren zu gehen, wenn’s schön ist. // Aber im Winter, wenn’s schneit, ist es oft einem zu kalt, // Oft kommt man so nicht hinaus. Selbstverständlich lächelte ich souverän über diese Kinderei, aber meine Liebesgedichte hatten vor dem Pensionsmachwerk nicht das geringste voraus." Leichten Schaden nimmt dieses Distichon des öfteren – 1892 eröffnet die "Augsburger Abendzeitung" ihre "Münchner Spaziergänge" so: "(6) 'Schön ist’s, im Sommer spazieren zu geh’n. Wenn’s schön ist, dann tut’s auch; // Aber im Winter ist’s bald zu kalt, bald kann man so nicht hinaus.' Der also beginnende Aufsatz einer durch Schillers 'Spaziergang' begeisterten höheren Töchterschülerin hatte jedenfalls das Landleben, welchem das Backfischchen entstammte, im Auge; denn in der Großstadt wäre das Gegenteil richtig. Winters bei traulichem Zwielicht der Laternen und elektrischem Effekt der verlockenden Ladenfenster, deren Überraschungen von Jahr zu Jahr gesteigert werden, wie die Miete vom Hausherrn, geht sich’s gemütlich durch die sauber gefegten Straßen – wir wollen wenigstens das Beste hoffen – im warmen Paletot. Aber im Sommer ist’s nicht schön, in München zu spazieren!" Zumindest metrisch nicht zu beanstanden ist dagegen die auf zwei Distichen erweiterte Variante, die sich 1918 in der "Niederbayrischen Monatsschrift" findet: (7) Schön ist’s im Sommer spazieren zu gehen, wenn’s schön ist, und tut’s auch. // Grünende Felder und Hain’ Einem ergötzen das Herz. (8) Aber im Winter dagegen gibt’s keine so schönen Spaziergäng’: // Bald ist’s Einem zu kalt, bald kann man so nicht hinaus.
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