Triptychon:
I — Vor dem Verrat
Wir hatten diese kleinen Abkürzungen:
ein Blick,
ein Griff an die Schulter,
ein „später“,
das wirklich später meinte.
Du warst noch da,
während du schon woanders warst.
Ich merkte nur:
Du wurdest leiser,
aber nicht zärtlicher.
Du lachtest an den falschen Stellen.
Du warst müde,
aber nicht vom Tag.
Und ich erklärte mir das weg
wie man Dinge wegräumt,
die stören.
Abends:
Tassen.
Wasser.
Ein Satz über nichts.
Dein Handy auf dem Tisch,
wie ein Tier, das schläft.
Ich nannte das Vertrauen.
Dabei war es nur
Gewohnheit
mit geschlossenen Augen.
Und irgendwo
lief schon etwas mit.
II — Der Moment
Es war kein Sturm.
Nur ein Handgriff,
wie immer.
„Ich schau kurz in den Kalender“,
sagtest du,
als ginge es um Milch und Brot.
Der Kalender blieb ruhig.
Und da stand er.
Ein fremder Name.
Nicht einmal versteckt.
Uhrzeit.
Ort.
Und dann:
jeden Mittwoch.
Nicht „einmal“.
Nicht „vielleicht“.
Ein Rhythmus.
Wie ein zweites Leben,
das längst mitläuft.
Ich sagte nichts sofort.
In mir wurde es leiser,
als hätte jemand
Luft aus einem Raum gezogen.
Du sahst es
und machtest diese Pause:
nicht Denken —
Abgleichen.
Dann:
Tippen.
Wischen.
Als ließe sich Wahrheit
verschieben.
Du sprachst in Sätzen,
die nach Erklärung klingen
und nach Ausweg schmecken.
„So war das nicht“,
sagtest du.
Und meintest:
Mach’s mir leicht.
Da kippte etwas in mir:
nicht Liebe zu Hass.
Welt zu Glas.
Ich verstand:
Verrat ist nicht der Fehler.
Verrat ist die Planung.
Und ab da
war jeder Mittwoch da.
III — Eisbrand
Du hast mich verletzt.
Tief.
Ohne Anlauf.
Nicht mit Schreien.
Nicht mit Türen.
Mit einer Ordnung,
die aussieht wie Alltag
und innen alles umstellt.
Ich suchte keine Beweise mehr.
Der Kalender war genug.
Ein Name zur falschen Zeit.
Und dieser Eintrag —
wie ein Stempel.
Seitdem hat die Woche
eine scharfe Kante.
Mittwoch klingt anders,
egal was ich tue.
Der Verrat war kein Messer.
Eher ein Austausch:
Du hast unsere Nähe
gegen etwas Glänzendes getauscht
und dabei so getan,
als wäre es nur ein Missverständnis.
Später
wollte ich dich aus mir lösen
wie einen Splitter.
Ich war bereit
für Wut,
für Feuer,
für das große Verbrennen.
Aber es kam anders.
In mir trägt etwas deinen Namen
wie Frost.
Nicht als Sehnsucht.
Als Abdruck.
Frost im Feuer —
Kälte, die brennt.
Eisbrand.
Und ja:
Ich funktioniere.
Ich esse.
Ich rede.
Ich gehe durch Tage,
als wäre nichts passiert.
Nur manchmal,
wenn es still wird
und ich kurz nicht spiele,
steht dieser Name wieder da.
Hart.
Unschön.
Nicht zu löschen.
Der Kalender bleibt ruhig.
Er wiederholt sich.
Jeden Mittwoch.
Eisbrand.
I — Vor dem Verrat
Wir hatten diese kleinen Abkürzungen:
ein Blick,
ein Griff an die Schulter,
ein „später“,
das wirklich später meinte.
Du warst noch da,
während du schon woanders warst.
Ich merkte nur:
Du wurdest leiser,
aber nicht zärtlicher.
Du lachtest an den falschen Stellen.
Du warst müde,
aber nicht vom Tag.
Und ich erklärte mir das weg
wie man Dinge wegräumt,
die stören.
Abends:
Tassen.
Wasser.
Ein Satz über nichts.
Dein Handy auf dem Tisch,
wie ein Tier, das schläft.
Ich nannte das Vertrauen.
Dabei war es nur
Gewohnheit
mit geschlossenen Augen.
Und irgendwo
lief schon etwas mit.
Es war kein Sturm.
Nur ein Handgriff,
wie immer.
„Ich schau kurz in den Kalender“,
sagtest du,
als ginge es um Milch und Brot.
Der Kalender blieb ruhig.
Und da stand er.
Ein fremder Name.
Nicht einmal versteckt.
Uhrzeit.
Ort.
Und dann:
jeden Mittwoch.
Nicht „einmal“.
Nicht „vielleicht“.
Ein Rhythmus.
Wie ein zweites Leben,
das längst mitläuft.
Ich sagte nichts sofort.
In mir wurde es leiser,
als hätte jemand
Luft aus einem Raum gezogen.
Du sahst es
und machtest diese Pause:
nicht Denken —
Abgleichen.
Dann:
Tippen.
Wischen.
Als ließe sich Wahrheit
verschieben.
Du sprachst in Sätzen,
die nach Erklärung klingen
und nach Ausweg schmecken.
„So war das nicht“,
sagtest du.
Und meintest:
Mach’s mir leicht.
Da kippte etwas in mir:
nicht Liebe zu Hass.
Welt zu Glas.
Ich verstand:
Verrat ist nicht der Fehler.
Verrat ist die Planung.
Und ab da
war jeder Mittwoch da.
Du hast mich verletzt.
Tief.
Ohne Anlauf.
Nicht mit Schreien.
Nicht mit Türen.
Mit einer Ordnung,
die aussieht wie Alltag
und innen alles umstellt.
Ich suchte keine Beweise mehr.
Der Kalender war genug.
Ein Name zur falschen Zeit.
Und dieser Eintrag —
wie ein Stempel.
Seitdem hat die Woche
eine scharfe Kante.
Mittwoch klingt anders,
egal was ich tue.
Der Verrat war kein Messer.
Eher ein Austausch:
Du hast unsere Nähe
gegen etwas Glänzendes getauscht
und dabei so getan,
als wäre es nur ein Missverständnis.
Später
wollte ich dich aus mir lösen
wie einen Splitter.
Ich war bereit
für Wut,
für Feuer,
für das große Verbrennen.
Aber es kam anders.
In mir trägt etwas deinen Namen
wie Frost.
Nicht als Sehnsucht.
Als Abdruck.
Frost im Feuer —
Kälte, die brennt.
Eisbrand.
Und ja:
Ich funktioniere.
Ich esse.
Ich rede.
Ich gehe durch Tage,
als wäre nichts passiert.
Nur manchmal,
wenn es still wird
und ich kurz nicht spiele,
steht dieser Name wieder da.
Hart.
Unschön.
Nicht zu löschen.
Der Kalender bleibt ruhig.
Er wiederholt sich.
Jeden Mittwoch.
Eisbrand.