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Feedback jeder Art Elpis

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Entlarvt bist du, ich habe dich gefunden.
Reulose Lügnerin! Streust Salz auf meine Wunden,
Um gnadenlos erneut mich zu enttäuschen.
Ich hab es nicht vergessen: Den keuschen
Tag suchst du durch Wollust zu zerfressen.
Und nicht nur das. Ein Zukunftsbild,
Ein ganzes Leben preist du an
Als falschen Traum, der nie erfüllt
Und nie von mir gelebt sein kann.
Doch Stümper, sieh: die Kruste hält!
Durch langes Leid zeitlos gestählt,
halt ich dir Stand und deinem Strom,
Du hundserbärmliches Phantom.


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Anpassung Versumsprung nach Feedback:

Entlarvt bist du, ich habe dich gefunden.
Reulose Lügnerin! Streust Salz auf meine Wunden,
Um gnadenlos erneut mich zu enttäuschen.
Ich hab es nicht vergessen:
Den keuschen Tag suchst du durch Wollust zu zerfressen.
Und nicht nur das. Ein Zukunftsbild,
Ein ganzes Leben preist du an
Als falschen Traum, der nie erfüllt
Und nie von mir gelebt sein kann.
Doch Stümper, sieh: die Kruste hält!
Durch langes Leid zeitlos gestählt,
Halt ich dir Stand und deinem Strom,
Du hundserbärmliches Phantom.
 
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hallo harald,

ein starkes, wortgewaltiges und wütend-leidenschaftliches gedicht an die hoffnung, von der sich das LI betrogen und belogen fühlt. hoffnung ist das, was noch bleibt, wenn nichts anderes mehr ist. aber das LI hat gelernt, sich selbst diese letzte möglichkeit zu verweigern, die "kruste aus leid" macht es ihm möglich, dem funken der hoffnung zu widerstehen - so traurig!

lesetechnisch musste ich ein wenig an den übergängen zu den verschiedenen verslängen stocken. ansich finde ich es eine gute idee, das gedicht zum ende hin wortkarger zu machen. so wie die hoffnung immer mehr stirbt, weil sich das LI dagegen stemmt und verweigert, so sterben immer mehr wörter. das wäre noch kräftiger in der wirkung, wenn das gedicht mit einer längsten zeile beginnt und mit einem letzten wort endet. aber vielleicht war das ja auch keine absicht von dir, dann passt natürlich trotzdem alles gut.

tolles gedicht jedenfalls.

liebe grüße
sofakatze
 
Hallo sofakatze,

vielen Dank sowohl für die anerkennenden Worte als auch für die Kritik.

Das Versmaß des Gedichtes war bewusst etwas moderner / freier gehalten. Auch die Zeile mit "zerfressen" fällt ja raus. Es reimt sich zwar auf "vergessen", ist aber nicht klassisch am Ende des Verses gereimt.
Ich verstehe, dass dich das zum Stolpern gebracht hat. Vielleicht möchte das Gedicht mehr prosaisch gelesen werden. Zumindest gibt es keine Melodie im lyrischen Sinne.
Die Idee dahinter war nicht, die Verse zu verkürzen, sondern im Verlauf der Zeilen eine Struktur zu ordnen, um das 'Standhalten' widerzuspiegeln.
Die Gefahr bei solchen Experimenten ist immer, selbst als Stümper gemarkt zu werden.

Vielen Dank fürs Lesen!
 
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Claudis Themen
Die Gefahr bei solchen Experimenten ist immer, selbst als Stümper gemarkt zu werden.

Hallo Harald,

ne, keine Sorge, von mir bestimmt nicht!

Vielleicht möchte das Gedicht mehr prosaisch gelesen werden. Zumindest gibt es keine Melodie im lyrischen Sinne.
Doch, doch! Keine Melodie im musikalischen Sinn, aber es hat sich unverkennbar durchgehend dem jambischen Takt hingegeben. Du hast lediglich eine optische Täuschung eingebaut und ich frage mich: Was soll das? Warum es dem Auge beim Lesen unnötig schwer machen?

Ich lasse V4 mal spaßeshalber mit dem Reimwort enden. Dann lässt es sich gleich so lesen, wie es offenbar gehört werden will. Die unterschiedlichen Verslängen stören das Ohr ja kaum:

Entlarvt bist du, ich habe dich gefunden.
Reulose Lügnerin! Streust Salz auf meine Wunden,
Um gnadenlos erneut mich zu enttäuschen.
Ich hab es nicht vergessen:
Den keuschen Tag suchst du durch Wollust zu zerfressen.
...

"Den keuschen" würde ich ruhig als Inreim stehenlassen. Es geht mir keineswegs darum, sämtliche Reime ans Versende zu bekommen, sondern nur um eine angenehme Lesbarkeit. Mir gefällt das Gedicht jedenfalls besser ohne optische Stolperfalle, aus der ich mich erst befreien musste, um auf den vollen Lesegenuss zu kommen. 😀

Zwei rhythmische Schmankerl möchte ich noch hervorheben. Mit "reulose" am Versanfang und "zeitlos" in der Versmitte hast du zwei geschleifte Spondeen eingebaut, die für eine schöne rhythmische Abwechslung sorgen. Die stärker betonten Silben "reu" und "zeit" fallen hier auf eine Senkungsposition, während die schwächer betonten Silben auf der Hebung stehen.

Von mir wollte das Gedicht nicht im häufig anzuteffenden jambischen Singsang gelesen werden. Sein Metrum (das der Autor offenbar im Ohr hatte) kann es und soll es deswegen aber nicht verleugnen.

Gut gemacht!

LG Claudi
 
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Hallo gummibaum,

danke fürs Lesen!


Hallo Claudi,

vielen Dank für deine Eindrücke und die Anregungen.
Dass mehrere Mitforisten über den "vergessen"-Vers gestolpert sind, ist ein wertvolles Feedback und ich denke, deine Einlassung, das Gedicht optisch und von der Gliederung an die Sprache anzupassen, ist logisch.
Besonders ehrt mich, dass du extra nochmal deinen Beitrag bearbeitet hast, um auf die Rhythmik im Gedicht einzugehen. Es freut mich, dass dir das Gedicht etwas gesagt hat.
Danke für das Lob 🙂

LG HB
 
Hallo Harald,

manchmal passiert es mir, dass ich einen Text (ohne Absicht) von unten nach oben lese, so auch deinen und was soll ich sagen, mir gefällt er in beide Richtungen. Die Enttäuschung kommt zum Ausdruck und ich kann sie sehr gut nachfühlen. Gute Anregungen wurden bereits gegeben.

Lieben Gruß, Letreo
 
  • Letreo71
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