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Das Wasser nagt am morschen Steg,
der Rost frisst stumm am Eisen.
Ein Möwenschrei verliert den Weg
im Grau vergangner Reisen.
Ein Kranarm beugt sich müd und schräg,
als wollte er schweigend weisen.

Der Diesel singt ein müdes Lied,
die schweren Ketten tragen
den Takt, in dem ein Schatten zieht
und spricht von alten Tagen.
Ich spüre, wie die Zeit verriet,
was blieb von unsren Fragen.

Die Stadt verschluckt das letzte Licht,
die Konturen sinken sachte.
Ich halte dein Gesicht – es bricht –,
das uns einst Wärme brachte.
Das Dunkel kennt uns, weicht doch nicht —
und du warst der Sturm, der uns bewachte.
 
Hallo Herbert,

danke für deinen Kommentar. Ja, der Zahn der Zeit ist im Gedicht präsent — aber für mich weniger als Auslöschung, sondern als ein Raum, in dem Erinnerung und Verlust miteinander ringen. Interessant, dass du den Schwerpunkt so klar auf das Verblassen legst.

Liebe Grüße
Max
 
Hallo Max, ich finde Deine bildhafte Beschreibung wunderbar. Besonders gefällt mir:
Das Wasser nagt am morschen Steg,
der Rost frisst stumm am Eisen.
Das Wasser nagt und der Rost frisst, beide arbeiten sich auf ihre Art voran.
Ein Kranarm, der schweigend weisen will, das Bild finde ich ebenfalls gelungen.

Insgesamt ist das ein wortgewaltiges und aussagekräftiges Gedicht, welches an
ein Stillleben erinnert.

Liebe Grüße Darkjuls
 
Hallo Max Vödisch,

emotionale Verse vom Vergehen, Verwittern und der Erinnerung an Vergangenes lese ich hier; auch ein gewisses
Gefühl der Verlassenheit scheint mir dein Gedicht zu transportieren. - Gefällt mir, was ich hier lese. 🙂

Dein Schlussvers hat mich überrascht: Der Sturm, der ja sonst gerne so allerlei durcheinander wirbelt, fungiert in
deinem Gedicht als Wächter!? - Da muss ich noch ein wenig drüber nachdenken ...

Formal:
Du beginnst deine Verse weitgehend unbetont, schaukelst zwischen vierhebigen und dreihebigen Versen - und erzeugst so einen gut zu lesenden Rhythmus (Metrum)👍. Zwei Ausreißer will ich dir aufzeigen:

die Konturen sinken sachte.
Hier müsstest du lediglich "die" streichen ...


und du warst der Sturm, der uns bewachte.
... und hier "und", um im Rhythmus zu bleiben.


Ich habe dein Gedicht gern gelesen.

LG, Berthold
 
Hallo Darkjuls,

danke dir für deine Rückmeldung.

Es freut mich, dass gerade die Eröffnungsbilder bei dir Resonanz gefunden haben. Mir ging es darum, diesen Hafen als einen Ort zu zeigen, an dem Bewegung und Verfall gleichzeitig wirken – ein Stillstand, der dennoch arbeitet.

Dein Hinweis auf das Stillleben trifft das gut: etwas scheinbar Starres, das im Inneren doch voller Prozesse steckt.

Schön, dass der Text für dich funktioniert hat.

Liebe Grüße
Max


danke dir für deine ausführliche Rückmeldung.

Es freut mich, dass die Stimmung des Textes und die Motive von Vergehen und Erinnerung bei dir angekommen sind.

Dein Blick auf den Schlussvers ist interessant — gerade die Umkehrung der üblichen Sturm-Assoziation war für mich ein Weg, die Ambivalenz dieser Beziehung sichtbar zu machen.

Auch für den Hinweis zum Metrum danke ich dir. Die beiden Stellen schaue ich mir noch einmal in Ruhe an; solche rhythmischen Feinheiten gehen im Schreibprozess leicht unter.

Schön, dass das Gedicht für dich funktioniert hat.


 
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