Hass oder Lebenvon Sam de Wenah
Ein Knall.
Und wieder brennt der Himmel.
Bomben über Städten.
Sirenen im Morgengrauen.
Die einen feuern Raketen.
Die anderen schlagen zurück.
Und irgendwo dazwischen
zerreißt es Familien.
Körper unter Trümmern.
Staub in offenen Wunden.
Greuel -
und wir nennen es Strategie.
Mütter halten Stofffetzen in der Hand
und suchen nach dem Rest ihres Kindes.
Väter telefonieren mit letzten Nummern,
die ins Nichts führen.
Großeltern sterben am Schock,
noch bevor der Einschlag sie trifft.
Nach Jahren der Kriege
ist die Erde müde geworden.
Zu viele Gräber.
Zu viele Namen.
Zu viel Hass.
Angst wächst in Seelen.
Wie ein dunkler Schimmel.
Herzen schlagen im Dauer-Alarm.
Kinder zeichnen keine Häuser mehr –
sie zeichnen Feuer und Rauch.
Die Welt schaut zu.
Besorgt.
Empört.
Ohnmächtig.
Doch jeder Krieg beginnt nicht mit Raketen.
Er beginnt mit Gedanken.
Mit Entmenschlichung.
Mit dem Satz:
„Die dort sind nicht wie wir.“
Was also muss sterben,
damit wir leben?
Nicht Völker.
Nicht Städte.
Nicht Träume.
Sterben muss der Stolz,
der keinen Schritt zurück kennt.
Sterben muss die Gier nach Macht,
die sich als Sicherheit tarnt.
Sterben muss der Hass,
der Kinder zu Feinden macht.
Solange wir Stärke mit Zerstörung verwechslen,
wird die Erde beben.
Solange wir Vergeltung über Mitgefühl stellen,
bleibt Frieden Wüste.
Kein Arsenal bringt Erlösung.
Kein Drohen heilt Wunden.
Nur Erinnerung.
Erinnerung daran,
dass jede Mutter gleich weint.
Dass jedes Kind gleich zittert.
Dass jedes Herz gleich bricht.
Die Menschheit hat vieles erfunden.
Maschinen.
Grenzen.
Bomben.
Was wir verloren haben,
ist älter:
Gewissen.
Demut.
Verantwortung.Barmherzigkeit.
Frieden beginnt nicht in Hauptstädten.
Er beginnt im Innersten.
Wenn der Hass stirbt,
lebt die Welt.
Und vielleicht ist genau das
die letzte Entscheidung.
Denn wenn der Hass nicht stirbt,
sterben wir mit ihm.