RAUCHEN- Ich hasse das Rauchen.
Und rauche trotzdem.
Täglich zwanzig Stück. Wenn es mir nicht gut geht, auch mehr.
Auf einer Party manchmal das Doppelte, bei schlechter Partymusik noch mehr.
Es gibt für mich immer einen Grund, warum ich rauche.
Warum ich rauchen will.
Oder muss.
Rauchen ist tödlich.
Ich genieße es trotzdem.
Jede einzelne stinkende Zigarette. Ich erfreue mich an dem beißenden Qualm, der den Atem vergiftet, den Rachen reizt, die Zähne und Finger vergilbt.
Rauchen lässt mich husten.
Abends. Morgens.
Der Husten ist mein bester Freund. Er ist immer da, auf ihn kann ich mich verlassen.
Er verschwindet nicht so schnell. Und wenn doch, kommt er sicher zurück.
Schon meine Eltern rauchten. Immer und überall.
Der Qualm ist der Duft meiner Kindheit. Der Geruch von Familie, von Kindergeburtstagen.
Sie rauchten in der Wohnung, im Wartezimmer, im Restaurant, im Freibad, im Zug.
Selbst im kleinen VW Käfer wurde geraucht, wir saßen hinten.
Manchmal konnte ich nicht aus dem Fenster schauen.
„Mama, kannst du das Fenster aufmachen?“
„Nein, dann zieht es. Es ist kalt draußen, dann werdet ihr krank.“
Vielleicht bin ich deswegen Raucher geworden.
Heute Raucher zu sein, in einer Zeit, in der Rauchen asozial ist.
„Ah, du rauchst?!“, sagt Gabi.
Die Lippen frisch aufgespritzt.
„Ehrlich gesagt, man riecht es auch.“
Fünfmal habe ich aufgehört.
Aufhören ist viel einfacher als nicht wieder anzufangen.
Unruhe.
Schnelles Herz.
Enge Brust.
Das bin ich, wenn ich nicht rauche.
Meine Konzentration lässt nach, und schon nach drei Stunden sehe ich überall Zigaretten.
Die meisten glühen oder qualmen.
Mhhh, denke ich. Jetzt eine Zigarette.
„Aber ich will ja nicht mehr“, sage ich zu dem Teufelchen, das grinsend auf meiner rechten Schulter sitzt.
Was soll ich anfangen mit meinen Händen?
Schokolade essen?
„Trinken Sie Wasser“, sagt mein Doktor.
„Das hilft gegen die Sucht. Und Sie sparen sogar Kalorien.“
Ich trinke ein Glas Leitungswasser und denke:
Jetzt erst mal eine Zigarette.
Ich sehne mich nach siebzig krebserregenden Giften.
Nach Arsen.
Nach Blausäure.
Nach Formaldehyd.
Nein. Ich bleibe stark.
Bis zum nächsten Impuls.
Und dann bis zum nächsten.
Ich trinke Wasser.
Rauchen ist krank.
Rauchen macht krank.
Rauchen macht unfrei.
Und ist trotzdem das Highlight aller Raucher.
Alle zwanzig Minuten.
In Krebszentren stehen Patienten frierend auf den Raucherinseln.
Mit mobilen Infusionen.
Sie denken: Ist ja jetzt auch egal.
In der einen Hand der Tropf.
In der anderen die Kippe.
Norbert steht dort und hustet.
Etwas quietscht.
Die Rolle des Infusionsständers?
Oder seine Lunge?
Vielleicht könnte man das Nikotin einfach in die Infusion geben, denkt er.
Dann wäre es doch viel einfacher, mit dem Rauchen aufzuhören.
Aber wer würde das schon wollen.
Der Husten und ich –
wir gehören zusammen.
Für immer.
(C) Bifi Berlin
Und rauche trotzdem.
Täglich zwanzig Stück. Wenn es mir nicht gut geht, auch mehr.
Auf einer Party manchmal das Doppelte, bei schlechter Partymusik noch mehr.
Es gibt für mich immer einen Grund, warum ich rauche.
Warum ich rauchen will.
Oder muss.
Rauchen ist tödlich.
Ich genieße es trotzdem.
Jede einzelne stinkende Zigarette. Ich erfreue mich an dem beißenden Qualm, der den Atem vergiftet, den Rachen reizt, die Zähne und Finger vergilbt.
Rauchen lässt mich husten.
Abends. Morgens.
Der Husten ist mein bester Freund. Er ist immer da, auf ihn kann ich mich verlassen.
Er verschwindet nicht so schnell. Und wenn doch, kommt er sicher zurück.
Schon meine Eltern rauchten. Immer und überall.
Der Qualm ist der Duft meiner Kindheit. Der Geruch von Familie, von Kindergeburtstagen.
Sie rauchten in der Wohnung, im Wartezimmer, im Restaurant, im Freibad, im Zug.
Selbst im kleinen VW Käfer wurde geraucht, wir saßen hinten.
Manchmal konnte ich nicht aus dem Fenster schauen.
„Mama, kannst du das Fenster aufmachen?“
„Nein, dann zieht es. Es ist kalt draußen, dann werdet ihr krank.“
Vielleicht bin ich deswegen Raucher geworden.
Heute Raucher zu sein, in einer Zeit, in der Rauchen asozial ist.
„Ah, du rauchst?!“, sagt Gabi.
Die Lippen frisch aufgespritzt.
„Ehrlich gesagt, man riecht es auch.“
Fünfmal habe ich aufgehört.
Aufhören ist viel einfacher als nicht wieder anzufangen.
Unruhe.
Schnelles Herz.
Enge Brust.
Das bin ich, wenn ich nicht rauche.
Meine Konzentration lässt nach, und schon nach drei Stunden sehe ich überall Zigaretten.
Die meisten glühen oder qualmen.
Mhhh, denke ich. Jetzt eine Zigarette.
„Aber ich will ja nicht mehr“, sage ich zu dem Teufelchen, das grinsend auf meiner rechten Schulter sitzt.
Was soll ich anfangen mit meinen Händen?
Schokolade essen?
„Trinken Sie Wasser“, sagt mein Doktor.
„Das hilft gegen die Sucht. Und Sie sparen sogar Kalorien.“
Ich trinke ein Glas Leitungswasser und denke:
Jetzt erst mal eine Zigarette.
Ich sehne mich nach siebzig krebserregenden Giften.
Nach Arsen.
Nach Blausäure.
Nach Formaldehyd.
Nein. Ich bleibe stark.
Bis zum nächsten Impuls.
Und dann bis zum nächsten.
Ich trinke Wasser.
Rauchen ist krank.
Rauchen macht krank.
Rauchen macht unfrei.
Und ist trotzdem das Highlight aller Raucher.
Alle zwanzig Minuten.
In Krebszentren stehen Patienten frierend auf den Raucherinseln.
Mit mobilen Infusionen.
Sie denken: Ist ja jetzt auch egal.
In der einen Hand der Tropf.
In der anderen die Kippe.
Norbert steht dort und hustet.
Etwas quietscht.
Die Rolle des Infusionsständers?
Oder seine Lunge?
Vielleicht könnte man das Nikotin einfach in die Infusion geben, denkt er.
Dann wäre es doch viel einfacher, mit dem Rauchen aufzuhören.
Aber wer würde das schon wollen.
Der Husten und ich –
wir gehören zusammen.
Für immer.
(C) Bifi Berlin
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