Aktuelles
Gedichte lesen und kostenlos veröffentlichen auf Poeten.de

Poeten.de ist ein kreatives Forum und ein Treffpunkt für alle, die gerne schreiben – ob Gedichte, Geschichten oder andere literarische Werke. Hier kannst du deine Texte mit anderen teilen, Feedback erhalten und dich inspirieren lassen. Um eigene Beiträge zu veröffentlichen und aktiv mitzudiskutieren, ist eine Registrierung erforderlich. Doch auch als Gast kannst du bereits viele Werke entdecken. Tauche ein in die Welt der Poesie und des Schreibens – wir freuen uns auf dich! 🚀

Feedback jeder Art Rauchen

Hier gelten keine Vorgaben mit Ausnahme der allgemeinen Forenregeln.
  • R
    letzte Antwort
  • 7
    Antworten
  • 66
    Aufrufe
RAUCHEN- Ich hasse das Rauchen.
Und rauche trotzdem.
Täglich zwanzig Stück. Wenn es mir nicht gut geht, auch mehr.
Auf einer Party manchmal das Doppelte, bei schlechter Partymusik noch mehr.
Es gibt für mich immer einen Grund, warum ich rauche.
Warum ich rauchen will.
Oder muss.
Rauchen ist tödlich.
Ich genieße es trotzdem.
Jede einzelne stinkende Zigarette. Ich erfreue mich an dem beißenden Qualm, der den Atem vergiftet, den Rachen reizt, die Zähne und Finger vergilbt.
Rauchen lässt mich husten.
Abends. Morgens.
Der Husten ist mein bester Freund. Er ist immer da, auf ihn kann ich mich verlassen.
Er verschwindet nicht so schnell. Und wenn doch, kommt er sicher zurück.
Schon meine Eltern rauchten. Immer und überall.
Der Qualm ist der Duft meiner Kindheit. Der Geruch von Familie, von Kindergeburtstagen.
Sie rauchten in der Wohnung, im Wartezimmer, im Restaurant, im Freibad, im Zug.
Selbst im kleinen VW Käfer wurde geraucht, wir saßen hinten.
Manchmal konnte ich nicht aus dem Fenster schauen.
„Mama, kannst du das Fenster aufmachen?“
„Nein, dann zieht es. Es ist kalt draußen, dann werdet ihr krank.“
Vielleicht bin ich deswegen Raucher geworden.
Heute Raucher zu sein, in einer Zeit, in der Rauchen asozial ist.
„Ah, du rauchst?!“, sagt Gabi.
Die Lippen frisch aufgespritzt.
„Ehrlich gesagt, man riecht es auch.“
Fünfmal habe ich aufgehört.
Aufhören ist viel einfacher als nicht wieder anzufangen.
Unruhe.
Schnelles Herz.
Enge Brust.
Das bin ich, wenn ich nicht rauche.
Meine Konzentration lässt nach, und schon nach drei Stunden sehe ich überall Zigaretten.
Die meisten glühen oder qualmen.
Mhhh, denke ich. Jetzt eine Zigarette.
„Aber ich will ja nicht mehr“, sage ich zu dem Teufelchen, das grinsend auf meiner rechten Schulter sitzt.
Was soll ich anfangen mit meinen Händen?
Schokolade essen?
„Trinken Sie Wasser“, sagt mein Doktor.
„Das hilft gegen die Sucht. Und Sie sparen sogar Kalorien.“
Ich trinke ein Glas Leitungswasser und denke:
Jetzt erst mal eine Zigarette.
Ich sehne mich nach siebzig krebserregenden Giften.
Nach Arsen.
Nach Blausäure.
Nach Formaldehyd.
Nein. Ich bleibe stark.
Bis zum nächsten Impuls.
Und dann bis zum nächsten.
Ich trinke Wasser.
Rauchen ist krank.
Rauchen macht krank.
Rauchen macht unfrei.
Und ist trotzdem das Highlight aller Raucher.
Alle zwanzig Minuten.
In Krebszentren stehen Patienten frierend auf den Raucherinseln.
Mit mobilen Infusionen.
Sie denken: Ist ja jetzt auch egal.
In der einen Hand der Tropf.
In der anderen die Kippe.
Norbert steht dort und hustet.
Etwas quietscht.
Die Rolle des Infusionsständers?
Oder seine Lunge?
Vielleicht könnte man das Nikotin einfach in die Infusion geben, denkt er.
Dann wäre es doch viel einfacher, mit dem Rauchen aufzuhören.
Aber wer würde das schon wollen.
Der Husten und ich –
wir gehören zusammen.
Für immer.

(C) Bifi Berlin
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo @BifiBerlin ,

das Rauchen, mit all seinen Tücken, hast du sehr gut beschrieben! Ich habe selbst viele Jahre geraucht und erst mein 5. Versuch, vor knapp 14 Jahren scheint funktioniert zu haben. Zwar habe ich mein Traumgewicht eingebüßt, aber ich bin endlich frei von dieser Last.

Lieben Gruß, Letreo
 

Raes Themen
Hallo BifiBerlin,

puh, das treibt und nimmt mit. Man merkt den inneren Kampf des LI mit sich selbst und der Sucht. Ich war Raucher gewesen und kann die ganzen Themen sehr nachempfinden. Man will es nicht und tut es trotzdem.
Ich finde schön, wie auch der innere Zwiespalt sich in der Form des Gedichts wiedergibt. Diese Spannungen zwischen langen und kurzen Zeilen und immer wieder der für mich angenehme zu lesende Tempowechsel.

LG Rae
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo @BifiBerlin , was für ein intensiver ehrlicher Text. Selbst ich, als schon immer Nichtraucher, kann die Tücken der Abhängigkeit nachempfinden. Hier werden die Hintergründe mit Blick auf die Gesellschaft treffend beleuchtet. Die Eltern rauchten ebenfalls und als Kind war man dem schutzlos ausgeliefert. Auch die Anspielung auf die aufgespritzen Lippen, was der Versuch ist, einem Ideal aus der Werbung zu entsprechen, finde ich gelungen. Früher gab es jede Menge Werbung für Zigaretten. Jede Sucht ist letztlich eine Krankheit. Ein Bekannter von mir wurde wegen Mandelkrebs operiert, selbst kein Raucher. Anschließend verließen die Ärzte den OP und wurde in der Raucherecke gesehen. Rauchen, um Stress abzubauen. Ich will das nicht beschönigen, denn es ist traurig, weil eben schädlich für die Gesundheit. Nicht in Gegenwart von Kindern zu rauchen und auch andere Menschen damit nicht zu belasten, das halte ich heutzutage für selbstverständlich. Die Zeiten und Einstellungen ändern sich, was bleibt, ist die Sucht. Ich habe gehört, Sucht kommt von Suche. Es ist dem LI zu wünschen, dass es Entspannung und alles, was eine gesunde Psyche benötigt, finden wird. Die Einsicht, dass Rauchen schädlich ist, hat es ja bereits. Warum gibt es wohl so viele Übergewichtige? Weil die einfach zu viel oder das Falsche essen? Warum lassen sie es nicht einfach? Warum nehmen sie nicht einfach ab? Weil u.a. eine ganze Industrie davon lebt und die Diäten anpreist. Auch das ist gesundheitsschädlich mit dem Unterschied, dass Übergewichtige nur sich und keine anderen um sich herum schaden.
Dein Text und die Art, wie Du das Rauchen und die Hintergründe beschreibst, macht betroffen und lässt aufhorchen. Ich habe ein Like gegeben, nicht weil ich das Rauchen gut finde, gar nicht, sondern für die Beschreibung der Umstände. Hier werden Raucher und Nichtraucher gleichermaßen angesprochen.

Sei gegrüßt von mir und ein herzliches Willkommen im Forum, Darkjuls
 
Hallo BiFi
Es wäre schön wenn man das so dann hinbekommen würde, dass die vermeintlichen Raucherpausen keinen Spaß mehr machen.
Als Jugendlicher hat man auch immer mitgepafft und tatsächlich das kann ganz schnell zur Gewohnheit werden
Dann gibt es ja noch die permanenten Kaugummikauer😄
Ich bin ein liebender Kaffeetrinker und muss mit zunehmenden Alter auch die Bremse ziehen
 
  • R
    letzte Antwort
  • 7
    Antworten
  • 66
    Aufrufe

Unbeantwortete Themen von BifiBerlin

Zufällige Themen

Zurück
Oben