Unterm Säufermond
Mein Traum fällt mir wieder ein. Träume ich eben noch? Keine Ahnung.
Dem Onkel haben sie auch den Alkohol verboten, nach seinem Schlaganfall. Seither lacht er nicht mehr. Sitzt nur mehr teilnahmslos rum, randvoll mit Medikamenten. Beruhigungsmittel oder so. Das macht Sinn. Die Korbflasche dort auf dem Bild zieht mich ungeheuer an, sage ich mir. Warum eigentlich? Chianti müsste drinnen sein. Wie damals, als wir auf dem Gut nahe Siena waren, Ostern neunzehnhundertund? Weiß nicht mehr. Der Gärtner stellte uns jeden Morgen eine solche Flasche, mit Bast umwickelt, vor die Treppe zum Eingang. Vierzehn Volumsprozent Alkohol! Unser Schlummertrunk. Oft kriegte ich nicht einmal das zweite Glas leer, schon war ich sanft entschlummert. Habe die Abendzeche nicht zu Ende gebracht. Was für eine Zeit! Da hat man den Wein aus Potten, aus Pinten, Kelchen, Kellen und Trinkschalen geschält.
Wie komm ich jetzt da drauf? Döse so vor mich hin. Das Manuskript rutscht langsam wieder zu Boden. He, Wirtsknecht, schenk ein! Hundesohn, verdammter! Zu meinen Zechgenossen: „Lasst uns vom Trinken parlieren! Was war zuerst?“, rufe ich, „war´s der Durst oder war´s der Trank?“ Die anderen grölen und jubeln. Nur nicht den Mut sinken lassen. So singt, dass keiner trinke! Und trinkt, dass keiner singe! So ein Schwachsinn! Wo gelöscht wird, muss es gebrannt haben, wie? Was, ein so kleines Glas? Was soll der Fingerhut, mein Freund?
Ein Film schiebt sich vor meine nebelige Erinnerung. Häuptling Fünffässer verhandelt mit dem Whiskyhändler. Er soll ihm drei Wagen Whisky geben, oder er würde ihn nicht passieren lassen. „Holt Orakeljones!“, rufen die Männer. „Ja, holt Orakel, der wird uns sagen, was wir tun sollen!“, schallt es aus der Menge. Der Mann wird geholt. Ein Typ, kahlköpfig, Vollbart, leerer Blick. „Was siehst du?“, fragt einer. „Ja, sag uns, wie der Winter wird!“, fordern ihn die anderen auf. Einer füllt ihm sein Glas mit Whisky. Orakel leert es mit einem Schluck. „Die Bisons fressen wie verrückt. Die Eichhörnchen und Biber sammeln ungewöhnlich viele Vorräte. Oben am Pass liegt bereits der erste Schnee. Wenn wir jetzt keine Wagenlieferung mehr bekommen, müssen wir den Winter über ohne Whisky auskommen!“ Er trinkt ein zweites Glas mit einem Schluck.
Blankes Entsetzen macht sich unter den Männern breit. Ich schrecke hoch. Was? Kein Whisky mehr da? Mühsam rapple ich mich hoch und schiebe meine Hand unter das Regal vorm Fenster. Alles noch da. Fünf Flaschen hier, drei andere lagern im Kleiderschrank. Kein Grund zu Panik. Es ist vorgesorgt. Ich muss mir keine Sorgen machen. Die Kiste Bier ist unten im Kühlschrank eingekühlt. Was soll mir noch passieren? Tabak ist auch genug da. Gerettet! Alles in Ordnung. Alles wird gut. Orakel nimmt jetzt die ganze Flasche. Er hebt sie zum Mund und setzt sie an. „Ich sehe eine Wagenladung Whisky kommen. Fünf, zehn“, er macht eine Pause, trinkt, „zwanzig, dreißig, vierzig Wagenladungen!“ Die Menge jubelt. Ich bin wohl etwas eingenickt. Egal.
Wie ich diese Kerle verstehe, ehrlich, ich mag sie! John Wayne, meine Güte! Ich muss einfach trinken, weil ich zu feige bin, mich auf direktem Wege ins Jenseits zu befördern, oder? Ich lache laut. Oder weil mir der Mut fehlt, mein Leben endlich selbst in die Hand zu nehmen. Alkohol ist mein Notventil. Mein Ruhekissen. Meine Flucht vor mir selbst. Beim Trinken nehme ich mich aus der Verantwortung, für alles! Und alles wird dabei relativ, nicht mehr so wichtig. Frisst mich nicht so auf wie Alltag, Arbeit, Beruf und solche Sachen. Und ich bin in prominenter Gesellschaft. Die Typen von vorhin Gottfried Keller, E. T. A. Hoffmann und so, später Joseph Roth, Maler wie van Gogh, Henry Miller zum Beispiel. Was, der auch? Oder Oscar Wilde, Churchill mit der dicken Zigarre und so weiter.
Dann kann ich ja noch was trinken, oder? Ich tu´s.
Wo war ich doch gleich? Ah, genau, beim zu kleinen Glas. Schließlich wollen wir Geschirr, bei dem man sich nicht gleich die Zunge anstößt. Ein Glas so groß wie ein Latz. Das ist die Vorstufe zum Wahnsinn, kommt mir in den diffusen Sinn. Der Wirt ist der Best´, ist voller als die Gäst´! Der Wein macht keinen stumm, oder? Holt Wein, wir sollen fröhlich sein! Wir trinken drum den guten Wein, die Sorgen zu vertreiben. Er setzt das Gläschen an den Mund und trinkt es aus bis an den Grund, rezitiere ich.
Ein wenig macht mir meine Zunge Schwierigkeiten, die Worte korrekt zu artikulieren. Aber das kommt von der Müdigkeit. Ich gähne. Da haben wir´s. Schon Zeit fürs Bett? Unmöglich!
Langsam aber sicher habe ich wohl genug, meine ich. Mein Denken fühlt sich an wie in einem dumpfen, tiefen Kanal. Links und rechts fällt mir nichts ein, keine Assoziationen, nichts. Auch gut. Beim Schlafen brauche ich nicht zu denken! Vor mir Dr. Schiwago, wie er mir einen Gummischlauch in den Mund schiebt, obendrauf ein Trichter, in den der Unmengen Wasser aus einem Krug schüttet, in den er vorher ein kleines Fläschchen entleert hatte, welches er aus seiner Instrumententasche genommen hatte. Man will mich gewaltsam ausnüchtern! Eine Magenspülung! Das ist doch alles lächerlich! Ich fühle Wut aufsteigen, gepaart mit Erschöpfungs- und Angstzuständen.
Scheiße! Mir geht´s schlecht. Ich versuche, aufzustehen. Es gelingt nicht. Ich reiße mir die Decke von den Beinen. Ich erwache. Kann mich an nichts erinnern. Wo bin ich eigentlich? Alles dreht sich um mich. Einmal von links nach rechts, dann von vorne nach unten, o Gott o Gott! Ich muss erbrechen!
Jemand ruft nach Butyrophenon. Was soll das sein? Wenn ich längere Zeit nichts trinke, also, das kommt kaum vor, oder? Wenn ich also längere Zeit nichts trinke, beginnen immer meine Hände zu zittern und ich fange an zu schwitzen. Gräulicher Zustand, das! Dann bin ich reizbar wie ein bengalischer Tiger. Ich schlafe unruhig, wenn überhaupt und seit geraumer Zeit kommt mir vor, als wäre ich mir selber fremd. Besonders dann, wenn ich an großen Plätzen stehe, von denen aus ich manchmal nicht mehr weiter weiß. Als hätte ich irgendwie die Orientierung verloren, obwohl ich jeden Tag dort vorbeikomme. So was Dummes!
Ich meine, ich werde alt. Irgendwie verwirrt. Das ist ganz normal. Aber dieses Zittern bereitet mir Sorgen. Unlängst habe ich schon vor dem Frühstück einen kleinen genommen. Danach waren meine Hände ruhig. Na also! Man muss sich nur zu behandeln wissen, sage ich immer. Trotzdem, komische Situation das, wer trinkt, gilt hierzulande gewissermaßen als normal. Trinkst du nicht, betrachten sie dich als abartig.
Ach, dann ist da noch dieses Kribbeln in den Beinen! Ich kratze und kratze schon die längste Zeit und es wird nicht besser! Jetzt werden mir die Augen wieder schwerer und schwerer. Mein Kopf sinkt nach vorne. Nur noch ein letzter kleiner Schluck, einer noch, ein allerletzter.
Wegen der argen Schmerzen in meinen Armen und Beinen fällt es mir schwer, wirklich einzuschlafen. Vielleicht eine Viertelschlaftablette? Mit einem Schluck Whisky wirkt sie viel schneller. Dann brauche ich mich um nichts mehr zu kümmern, bin weg, geh mir selber nicht mehr auf die Nerven, mache Urlaub vom Ich.
Schweißausbrüche und Herzrasen befallen mich. Durch Sehschlitze erkenne ich fahl die Umrisse Udo Lindenbergs, der sich vor mir auf dem Boden windet und in meinen Ohren verklingen seine Worte: Wieder geht ein Tag zu Ende und die Dämmerung zieht rauf, leise zittern ihm die Hände und der Säufermond geht auf … gib mir noch ein kleines Glück, meine Nerven, die sind, ach, die sind heut´ wieder‘ n bisschen schwach…mach mich bitte wieder wach … und der Whisky – der zieht runter und sein Blut wird schnell und warm, und jetzt nimmt ihn Lady Whisky ganz zärtlich in den Arm… lass uns beide, du und ich, erstmal richtig einen saufen… und die Zimmerdecke hebt sich, und die Wände brechen ein, auf dem Boden leere Flaschen, und er wieder so allein… in den Ohren ist ein Sirren und im Herzen ist ein Schlag, alle Fenster klirren, dieses Zimmer ist ein Sarg … aus dem Fenster zu den Sternen nur: Die kann er nicht mehr seh‘n, und in dunkler Wolkenferne scheint fahl der Säufermond… ein Mann lag in seinem Zimmer… mit den Nerven wurd´ es schlimmer… jede Nacht ´ne neue Qual, dieses Leben ist so arm – ferngesteuerte Quälerei, öffne die Flasche Numero drei…
Mein Traum fällt mir wieder ein. Träume ich eben noch? Keine Ahnung.
Dem Onkel haben sie auch den Alkohol verboten, nach seinem Schlaganfall. Seither lacht er nicht mehr. Sitzt nur mehr teilnahmslos rum, randvoll mit Medikamenten. Beruhigungsmittel oder so. Das macht Sinn. Die Korbflasche dort auf dem Bild zieht mich ungeheuer an, sage ich mir. Warum eigentlich? Chianti müsste drinnen sein. Wie damals, als wir auf dem Gut nahe Siena waren, Ostern neunzehnhundertund? Weiß nicht mehr. Der Gärtner stellte uns jeden Morgen eine solche Flasche, mit Bast umwickelt, vor die Treppe zum Eingang. Vierzehn Volumsprozent Alkohol! Unser Schlummertrunk. Oft kriegte ich nicht einmal das zweite Glas leer, schon war ich sanft entschlummert. Habe die Abendzeche nicht zu Ende gebracht. Was für eine Zeit! Da hat man den Wein aus Potten, aus Pinten, Kelchen, Kellen und Trinkschalen geschält.
Wie komm ich jetzt da drauf? Döse so vor mich hin. Das Manuskript rutscht langsam wieder zu Boden. He, Wirtsknecht, schenk ein! Hundesohn, verdammter! Zu meinen Zechgenossen: „Lasst uns vom Trinken parlieren! Was war zuerst?“, rufe ich, „war´s der Durst oder war´s der Trank?“ Die anderen grölen und jubeln. Nur nicht den Mut sinken lassen. So singt, dass keiner trinke! Und trinkt, dass keiner singe! So ein Schwachsinn! Wo gelöscht wird, muss es gebrannt haben, wie? Was, ein so kleines Glas? Was soll der Fingerhut, mein Freund?
Ein Film schiebt sich vor meine nebelige Erinnerung. Häuptling Fünffässer verhandelt mit dem Whiskyhändler. Er soll ihm drei Wagen Whisky geben, oder er würde ihn nicht passieren lassen. „Holt Orakeljones!“, rufen die Männer. „Ja, holt Orakel, der wird uns sagen, was wir tun sollen!“, schallt es aus der Menge. Der Mann wird geholt. Ein Typ, kahlköpfig, Vollbart, leerer Blick. „Was siehst du?“, fragt einer. „Ja, sag uns, wie der Winter wird!“, fordern ihn die anderen auf. Einer füllt ihm sein Glas mit Whisky. Orakel leert es mit einem Schluck. „Die Bisons fressen wie verrückt. Die Eichhörnchen und Biber sammeln ungewöhnlich viele Vorräte. Oben am Pass liegt bereits der erste Schnee. Wenn wir jetzt keine Wagenlieferung mehr bekommen, müssen wir den Winter über ohne Whisky auskommen!“ Er trinkt ein zweites Glas mit einem Schluck.
Blankes Entsetzen macht sich unter den Männern breit. Ich schrecke hoch. Was? Kein Whisky mehr da? Mühsam rapple ich mich hoch und schiebe meine Hand unter das Regal vorm Fenster. Alles noch da. Fünf Flaschen hier, drei andere lagern im Kleiderschrank. Kein Grund zu Panik. Es ist vorgesorgt. Ich muss mir keine Sorgen machen. Die Kiste Bier ist unten im Kühlschrank eingekühlt. Was soll mir noch passieren? Tabak ist auch genug da. Gerettet! Alles in Ordnung. Alles wird gut. Orakel nimmt jetzt die ganze Flasche. Er hebt sie zum Mund und setzt sie an. „Ich sehe eine Wagenladung Whisky kommen. Fünf, zehn“, er macht eine Pause, trinkt, „zwanzig, dreißig, vierzig Wagenladungen!“ Die Menge jubelt. Ich bin wohl etwas eingenickt. Egal.
Wie ich diese Kerle verstehe, ehrlich, ich mag sie! John Wayne, meine Güte! Ich muss einfach trinken, weil ich zu feige bin, mich auf direktem Wege ins Jenseits zu befördern, oder? Ich lache laut. Oder weil mir der Mut fehlt, mein Leben endlich selbst in die Hand zu nehmen. Alkohol ist mein Notventil. Mein Ruhekissen. Meine Flucht vor mir selbst. Beim Trinken nehme ich mich aus der Verantwortung, für alles! Und alles wird dabei relativ, nicht mehr so wichtig. Frisst mich nicht so auf wie Alltag, Arbeit, Beruf und solche Sachen. Und ich bin in prominenter Gesellschaft. Die Typen von vorhin Gottfried Keller, E. T. A. Hoffmann und so, später Joseph Roth, Maler wie van Gogh, Henry Miller zum Beispiel. Was, der auch? Oder Oscar Wilde, Churchill mit der dicken Zigarre und so weiter.
Dann kann ich ja noch was trinken, oder? Ich tu´s.
Wo war ich doch gleich? Ah, genau, beim zu kleinen Glas. Schließlich wollen wir Geschirr, bei dem man sich nicht gleich die Zunge anstößt. Ein Glas so groß wie ein Latz. Das ist die Vorstufe zum Wahnsinn, kommt mir in den diffusen Sinn. Der Wirt ist der Best´, ist voller als die Gäst´! Der Wein macht keinen stumm, oder? Holt Wein, wir sollen fröhlich sein! Wir trinken drum den guten Wein, die Sorgen zu vertreiben. Er setzt das Gläschen an den Mund und trinkt es aus bis an den Grund, rezitiere ich.
Ein wenig macht mir meine Zunge Schwierigkeiten, die Worte korrekt zu artikulieren. Aber das kommt von der Müdigkeit. Ich gähne. Da haben wir´s. Schon Zeit fürs Bett? Unmöglich!
Langsam aber sicher habe ich wohl genug, meine ich. Mein Denken fühlt sich an wie in einem dumpfen, tiefen Kanal. Links und rechts fällt mir nichts ein, keine Assoziationen, nichts. Auch gut. Beim Schlafen brauche ich nicht zu denken! Vor mir Dr. Schiwago, wie er mir einen Gummischlauch in den Mund schiebt, obendrauf ein Trichter, in den der Unmengen Wasser aus einem Krug schüttet, in den er vorher ein kleines Fläschchen entleert hatte, welches er aus seiner Instrumententasche genommen hatte. Man will mich gewaltsam ausnüchtern! Eine Magenspülung! Das ist doch alles lächerlich! Ich fühle Wut aufsteigen, gepaart mit Erschöpfungs- und Angstzuständen.
Scheiße! Mir geht´s schlecht. Ich versuche, aufzustehen. Es gelingt nicht. Ich reiße mir die Decke von den Beinen. Ich erwache. Kann mich an nichts erinnern. Wo bin ich eigentlich? Alles dreht sich um mich. Einmal von links nach rechts, dann von vorne nach unten, o Gott o Gott! Ich muss erbrechen!
Jemand ruft nach Butyrophenon. Was soll das sein? Wenn ich längere Zeit nichts trinke, also, das kommt kaum vor, oder? Wenn ich also längere Zeit nichts trinke, beginnen immer meine Hände zu zittern und ich fange an zu schwitzen. Gräulicher Zustand, das! Dann bin ich reizbar wie ein bengalischer Tiger. Ich schlafe unruhig, wenn überhaupt und seit geraumer Zeit kommt mir vor, als wäre ich mir selber fremd. Besonders dann, wenn ich an großen Plätzen stehe, von denen aus ich manchmal nicht mehr weiter weiß. Als hätte ich irgendwie die Orientierung verloren, obwohl ich jeden Tag dort vorbeikomme. So was Dummes!
Ich meine, ich werde alt. Irgendwie verwirrt. Das ist ganz normal. Aber dieses Zittern bereitet mir Sorgen. Unlängst habe ich schon vor dem Frühstück einen kleinen genommen. Danach waren meine Hände ruhig. Na also! Man muss sich nur zu behandeln wissen, sage ich immer. Trotzdem, komische Situation das, wer trinkt, gilt hierzulande gewissermaßen als normal. Trinkst du nicht, betrachten sie dich als abartig.
Ach, dann ist da noch dieses Kribbeln in den Beinen! Ich kratze und kratze schon die längste Zeit und es wird nicht besser! Jetzt werden mir die Augen wieder schwerer und schwerer. Mein Kopf sinkt nach vorne. Nur noch ein letzter kleiner Schluck, einer noch, ein allerletzter.
Wegen der argen Schmerzen in meinen Armen und Beinen fällt es mir schwer, wirklich einzuschlafen. Vielleicht eine Viertelschlaftablette? Mit einem Schluck Whisky wirkt sie viel schneller. Dann brauche ich mich um nichts mehr zu kümmern, bin weg, geh mir selber nicht mehr auf die Nerven, mache Urlaub vom Ich.
Schweißausbrüche und Herzrasen befallen mich. Durch Sehschlitze erkenne ich fahl die Umrisse Udo Lindenbergs, der sich vor mir auf dem Boden windet und in meinen Ohren verklingen seine Worte: Wieder geht ein Tag zu Ende und die Dämmerung zieht rauf, leise zittern ihm die Hände und der Säufermond geht auf … gib mir noch ein kleines Glück, meine Nerven, die sind, ach, die sind heut´ wieder‘ n bisschen schwach…mach mich bitte wieder wach … und der Whisky – der zieht runter und sein Blut wird schnell und warm, und jetzt nimmt ihn Lady Whisky ganz zärtlich in den Arm… lass uns beide, du und ich, erstmal richtig einen saufen… und die Zimmerdecke hebt sich, und die Wände brechen ein, auf dem Boden leere Flaschen, und er wieder so allein… in den Ohren ist ein Sirren und im Herzen ist ein Schlag, alle Fenster klirren, dieses Zimmer ist ein Sarg … aus dem Fenster zu den Sternen nur: Die kann er nicht mehr seh‘n, und in dunkler Wolkenferne scheint fahl der Säufermond… ein Mann lag in seinem Zimmer… mit den Nerven wurd´ es schlimmer… jede Nacht ´ne neue Qual, dieses Leben ist so arm – ferngesteuerte Quälerei, öffne die Flasche Numero drei…