Vorwort
Die beiden folgenden Gedichte bilden ein kleines Diptychon.
Formal orientieren sie sich lose an der Rhythmik der singhalesischen Kavi-Dichtung.
Jede Strophe folgt einer einfachen Silbenbewegung von 8–8–8–6: drei tragende Zeilen,
denen ein kürzerer Vers folgt, der das Bild ruhig ausklingen lässt.
In der traditionellen Lyrik Sri Lankas bezeichnet Kavi-Chandas das metrische Gerüst eines Gedichts –
den Rhythmus, der die Verse trägt und oft eher gehört als gezählt wird.
Eine genaue Übertragung ins Deutsche ist kaum möglich;
diese Texte verstehen sich daher als Annäherung an den Klang und die Atembewegung dieser Dichtung.

Reis und Mangos liegen frisch im Licht
Ein Händler zählt langsam Münzen
und lächelt still
Gewürzgeruch zieht durch die Gassen
Kurkuma, Pfeffer, heißer Tee
Ein Messer schlägt auf harten Stein
im schnellen Takt
Die ersten Käufer gehen vorbei
Ein Kind trägt Brot in beiden Händen
Ein Hahn ruft laut vom Rand des Platzes
und Staub weht auf
Da fällt der erste schwere Tropfen
und dunkler Wind streicht durch den Platz
Planen flattern über Körben
und Stimmen lachen
Der Regen trommelt auf die Dächer
Die Gassen glänzen plötzlich hell
Der Markt steht dicht im warmen Wasser
und lebt noch mehr
Doch irgendwo im Schatten sitzt
ein schläfriger Hund im warmen Wind
Als wüsste er: auch dieser Monsun
zieht langsam weiter
Nach dem Monsun
Der Regen zieht aus den Gassen
Die Dächer tropfen still im Licht
Ein Händler wischt das Wasser fort
von seinem Tisch
Die Körbe stehen wieder offen
Limetten glänzen frisch und kühl
Ein Mädchen lacht im nassen Staub
und läuft davon
Die Luft trägt Duft von nassem Holz
und irgendwo kocht wieder Tee
Der Markt spricht leiser als zuvor
im weichen Wind
Ein letzter Tropfen fällt vom Dach
Der Himmel öffnet blau sein Tor
Und langsam kehrt in alle Dinge
der Alltag ein
Bild @Driekes
Die beiden folgenden Gedichte bilden ein kleines Diptychon.
Formal orientieren sie sich lose an der Rhythmik der singhalesischen Kavi-Dichtung.
Jede Strophe folgt einer einfachen Silbenbewegung von 8–8–8–6: drei tragende Zeilen,
denen ein kürzerer Vers folgt, der das Bild ruhig ausklingen lässt.
In der traditionellen Lyrik Sri Lankas bezeichnet Kavi-Chandas das metrische Gerüst eines Gedichts –
den Rhythmus, der die Verse trägt und oft eher gehört als gezählt wird.
Eine genaue Übertragung ins Deutsche ist kaum möglich;
diese Texte verstehen sich daher als Annäherung an den Klang und die Atembewegung dieser Dichtung.

Markt im Monsun
Die Händler öffnen ihre StändeReis und Mangos liegen frisch im Licht
Ein Händler zählt langsam Münzen
und lächelt still
Gewürzgeruch zieht durch die Gassen
Kurkuma, Pfeffer, heißer Tee
Ein Messer schlägt auf harten Stein
im schnellen Takt
Die ersten Käufer gehen vorbei
Ein Kind trägt Brot in beiden Händen
Ein Hahn ruft laut vom Rand des Platzes
und Staub weht auf
Da fällt der erste schwere Tropfen
und dunkler Wind streicht durch den Platz
Planen flattern über Körben
und Stimmen lachen
Der Regen trommelt auf die Dächer
Die Gassen glänzen plötzlich hell
Der Markt steht dicht im warmen Wasser
und lebt noch mehr
Doch irgendwo im Schatten sitzt
ein schläfriger Hund im warmen Wind
Als wüsste er: auch dieser Monsun
zieht langsam weiter
Nach dem Monsun
Der Regen zieht aus den Gassen
Die Dächer tropfen still im Licht
Ein Händler wischt das Wasser fort
von seinem Tisch
Die Körbe stehen wieder offen
Limetten glänzen frisch und kühl
Ein Mädchen lacht im nassen Staub
und läuft davon
Die Luft trägt Duft von nassem Holz
und irgendwo kocht wieder Tee
Der Markt spricht leiser als zuvor
im weichen Wind
Ein letzter Tropfen fällt vom Dach
Der Himmel öffnet blau sein Tor
Und langsam kehrt in alle Dinge
der Alltag ein
Bild @Driekes
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