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Feedback jeder Art Wandern war ihm stets zuwider

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Herzog Franz von Wolperstein
fand sich eines Tags allein
am Fuße eines Berges wieder.
Wandern war ihm stets zuwider.

Drum ließ er die Sänfte kommen,
um ihn und seine hundert Sachen
auf den Berg rauf zu verfrachten,
samt Trägern, die stumm und besonnen,
mit einem sehr gequälten Lachen
seinen Witzeleien trotzten,
die vor Häme nur so strotzten
über den gemeinen Pöbel
und Franz letztendlich großen Unmut
bei der Bevölkerung einbrachten.

Und weil er nicht aufhören wollte,
ließen sie ihn oben stehen,
ihn und seine vielen Möbel,
ihn in seiner sturen Wut.
Vielleicht würde er dann einsehen,
was er längst einsehen sollte:
dass sein Verdienst an Mensch und Land
am Rücken anderer entstand
und wenn sich nicht sehr rasch was änd're,
käm es bald zu 'ner Revolte.

Noblesse oblige, oder so ähnlich,
fand Wolperstein schon immer dämlich.
Trotzig baute er aus Sachen,
die Adelshäuser protzig machen,
sich ein schmuckes Gipfelkreuz.
In Seide und in Nerz gewandet
war er hier oben zwar gestrandet,
aber Einsicht ist nicht leicht,
wenn die Aussicht so weit reicht.
Es kümmerte ihn keinen Deutz.

"Von hier an geht es nur bergab.",
erkannte der Herzog zwar richtig,
doch hielt er sich für viel zu wichtig,
um den nächsten Schritt zu tun,
er würde sich lieber ausruhen,
womit die Chance auf gutes Ende
er damit für sich vergab.
Er wollte nach der Sänfte rufen
und klatschte zweimal in die Hände,
doch nur das Echo kam zurück.
Er befand, zumindest Stufen
wären hier schon angebracht.
Nur für ihn und seine Fracht.
Zumindest für das steile Stück
zwischen Tal und Bergesspitze.
Trotz Kälte kam er in die Hitze.

Wer von seinen Untertanen,
bei den Asen und den Wanen,
hat sich in diesem Unterfangen
so an seinem Land vergangen?
Wolperstein, der richtig kochte
und wandern wirklich gar nicht mochte,
glaubte allen Ernstes nun,
die Berge wären böses Tun.
Ein Protestberg von den Leuten
mit ihren alten Rinderhäuten.
Er würde ihnen allen zeigen,
was er von ihren Bergen hielte.
Mal richtig seine Meinung geigen,
selbst wenn das Widerstand erzielte.

Schließlich fing er an zu glühen,
Funken rund um sich zu sprühen.
Sein Mobiliar, so schön und teuer,
fing ganz brav und artig Feuer.
In heißen Strömen, Pyroklasten,
entlud der Berg dann seine Lasten.
Und Wolperstein floss Richtung Tal
stufenlos und ohne Qual.

So kam's am Berg zum heißen Ende
dieser Vulkanurlegende.
Ein Hitzkopf durch und durch im Sein,
Herzog Franz von Wolperstein.
 
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