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  • gummibaum
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Es wohnt ein Bild aus längst vergangnen Zeiten
noch immer hier und hält sich an mir fest,
mir scheint, als möcht' es mich dazu verleiten,
zu halten, was sich doch nicht halten lässt.

Verblasst ist auch die Schrift in alten Briefen,
ein Echo, das noch in den Wänden hängt,
und langsam schwindet es in jene Tiefen,
in denen keine Wehmut mehr bedrängt.

Das Damals liegt in weit entfernten Stunden,
die Dämmerung hat manches überdeckt,
in all den Jahren hab' ich überwunden,
was einst den Schmerz in mir hat aufgeweckt.

Und dieses Bild, ich darf es nun verschenken,
damit die Ruhe sich entfalten kann,
ein letztes Mal werd' ich noch daran denken;
das neue Leben fing schon damals an.


02.02.2026
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Chilicat,
es ist sicher gut, wenn man ein schmerzhaftes Erinnerungsbild loslassen kann. Bleibt die Frage, wer würde so ein Bild als "Geschenk" annehmen?
Gern hineingespürt und LG
Perry
 
Hallo Perry,
es ist ein Bild einer in Ölfarben gemalten Frau, deren Haare im Wind wehen, was für mich damals ein Sinnbild für frei sein bzw. akzeptieren war. Vielleicht hilft es jetzt ja jemand anderem.
Danke für Deine Gedanken dazu und liebe Grüße
Chilicat
 
liebe chilicat,

das ist für mein empfinden ein sehr reifes gebaren, welches das LI in deinem sprachlich und inhaltlich gelungenem gedicht zeigt. etwas vergangenes loszulassen und sich nicht daran festzuhalten und auch nicht festhalten zu lassen, zeugt von emotionaler größe und ausgewogenheit. das schafft man nur, wenn man mit sich im reinen und im einklang ist. die erste strophe hat es mir besonders angetan, wunderschön ausgedrückt die vergänglichkeit der zeit.

danke fürs teilen. ein lesegenuss! 😊

liebe grüße
sofakatze
 
Liebe sofakatze,
ich bedanke mich herzlich für das große Kompliment.
Zu meinem Gedicht muss ich etwas aus dem Nähkästchen plaudern. Ich hatte Krebs, Brustkrebs, zweimal. Ich habe überlebt (und könnte einen Fortsetzungsroman darüber schreiben...).
Beim ersten Mal wollte ich dagegen ankämpfen. Ich wollte dieses Ding in meinem Körper nicht. Erst nach ein paar Jahren, als die zweite Diagnose kam, wurde mir bewusst, das geht nicht, so komme ich nicht weiter Ich musste lernen, den Krebs zu akzeptieren, aufzustehen und meinen eigenen Weg finden. Es war nicht einfach, im Gegenteil, und dieser Prozess dauerte sehr lange. Inzwischen weiß ich wie wertvoll ein geschenktes Leben ist und sehe alles mit anderen, offeneren Augen. Ich glaube, es ist wichtig, dass man Menschen um sich herum hat, die zuhören und wirklich verstehen können. Was einen belastet und bedrängt, was man nicht selber möchte, muss man versuchen loszulassen, auch wenn es schwer fällt.

Das hier hat mich die ganzen Jahre hindurch begleitet:
"Gott gebe mir die Kraft, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden."
Friedrich Christoph Oetinger

Liebe Grüße
Chilicat
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Chilicat,
ein sehr schönes Gedicht über das Loslassen von Bildern, die festhalten wollen. Die innere Reife, die hinter dieser befreienden Entscheidung steht, kommt in der Ebenmäßigkeit des Textes gut zum Ausdruck.

Den Kommentarteil habe ich auch mit viel Sympathie gelesen.
LG g
 
  • gummibaum
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