Es war in meiner frühen Jugendzeit. Mein Name ist Anna Höglinger, ich bin 1936 in Mondsee geboren und bin verwitwet. Wir waren acht Kinder und unser Daheim war ein Bergbauernhof. In den Kriegsjahren lebten wir sehr bescheiden, ja, es grenzte fast an Armut, aber in Demut und großem Respekt vor der Schöpfung. Wir hatten sehr liebevolle Eltern und ihr leben bestand aus Gebet, Arbeit und Entbehrung...
Mein Vater war ein leidenschaftlicher Pfeifenraucher, hatte in den Kriegs- und Nachkriegsjahren aber oft nicht das nötige Geld, um sich Tabak kaufen zu können. Oftmals hatte Vater die Tabakpfeife im Mund - aber ohne Rauch! Aber es war einmal und ist schon sehr lange her. In den Jahren 1946 bis -47 ging ich in die erste Klasse der Hauptschule. Das Schulhaus war eine große, an die Klosterschule angebaute Baracke. Man musste erst durch die Klosterschule gehen um in die Hauptschule zu kommen. Die Klassenzimmer waren sehr groß und schön... für damalige Verhältnisse schön! Das Klassenzimmer wurde mit einem Holzkohleofen geheizt. Ein langes Blechofenrohr schmückte den großen Raum. In der Nähe des Ofens stand eine Kiste mit Kohlen.
Ich hatte einen langen und steinigen Weg zur Schule, fast eine Stunde.
Die Straße führte bei einer großen Kapelle vorbei. Diese Kapelle steht auch heute noch. So oft ich vorbeigehe, muss ich immer wieder an meine Jugend= erlebnisse denken. Die Kapelle ist vorne offen. Ein großes, vorstehendes Dach schützt sie vor Wind und Wetter. Will man für ein Gebet innehalten, gelangt man über ein paar Stufen in die Kapelle hinein. In der Besatzungszeit diente Sie als Schutz für die Soldaten. Meistens standen zwei amerikanische Besatzungssoldaten in der Kapelle. Ich sehe sie noch heute in meinen Gedanken. Der Stahlschutzhelm und das große Gewehr machten mir immer Angst. Die "Amis", so wurden sie genannt, wechselten sich ab. Sie beschützten unser schönes Mondseeland. An manche Gesichter kann ich mich noch erinnern. Da ich täglich in der Früh zur Schule und nachmittags nach Hause an der Kapelle vorbeigehen musste, machte ich mir immer und immer wieder Gedanken: "Was wäre, wenn....?" Ich sah die Soldaten meistens mit einer Zigarette in der Hand. Da hatte ich eine Idee, wie ich meinem Vater helfen könnte, Tabak zu bekommen. Vielleicht mit Zigaretten von den Amis ?
Meine Kusine ging mit mir in dieselbe Klasse. Wir waren auch in der Freizeit oft beisammen.
Eines Tages sagte ich zu ihr: "Glaubst du, dass die Amis in der Kapelle mir für meinen Vater ein paar Zigaretten schenken würden? Vater könnte ja den Zigarettentabak in die Pfeife stopfen, um zu rauchen." Meine Cousine meinte, ich könnte es ja einmal versuchen. Ja, versuchen, aber wie ? Die Amis Konnten sicher nicht Deutsch sprechen, und mein Englisch war auch noch nicht so gut. Erst musste ich zu den Soldaten Vertrauen aufbauen. Aber wie? Freundlich grüßen? Ob sie das verstünden? Wenn ich sie anlacht, so wüsste ich ja nicht, was die von mir denken würden. Mich zermürbte mein Gedankengang.
Monate meiner Schulzeit vergingen, und ich lernte die Besatzungssoldaten immer besser kennen. Sie lachten mir manchmal zu, und ich lachte freundlich zurück. Ich fasste meinen ganzen Mut zusammen. Aber wann würde ich um Zigaretten bitten können? Die würden dann doch wohl nicht glauben, dass ich die Zigaretten selber rauchen wollte? Aber nein, so dachten die Soldaten sicher nicht von mir !
Langsam baute sich ein inneres Verhältnis auf. Als ich am Morgen aufwachte, stand der Entschluss fest, heute beim Heimgehen einfach an der Kapelle stehen zu bleiben und sie um Zigaretten für meinen Vater zu bitten.
In der Schule konnte ich nicht mehr Lernen, denn mein Vorhaben spukte in meinen Gedanken herum.
Heute wird mir noch bewusst, wie nervös ich war. Mein Wunsch war, dass Soldaten in der Kapelle stünden, die mich durch das gegenseitige Zunicken und
-lächeln schon kannten, denn es kamen auch immer wieder fremde dazu.
Zum Glück sah ich von Weitem schon bekannte Gesichter. Vor den Dunkelhäutigen hatte ich großen Respekt. Ich wusste nicht, warum. Aber es war nun mal so. Meine Zigarettenbitte hatte ich auswendig gelernt. Ich dachte, nun konnte nichts mehr schiefgehen. Nun trennten mich nur mehr ein paar Meter von meinem Ziel. Ich stieg geradewegs die Stufen zur Kapelle hinauf, stellte mich vor die Soldaten und sagte: " Please! Cigarettes für my father". Nun war es herausgenommen. Sie schauten mich erst einmal groß an, nahmen aber beide die Zigarettenpackungen in die Hand und gaben mir davon ein paar Zigaretten. Trotz meines schlechten Englisch verstand ich, dass " Not for you !" "Wirklich nur für deinen Vater und nicht für dich !" bedeutete. So was hätte ich auch nie gemacht. Voll Freude packte ich die Zigaretten in meine hölzerne Federschachtel, denn ich wollte meinem Vater nicht die abgebrochenen Zigaretten bringen. Dann steckte ich sie hinein in meinen Schulpack. Heute würden die Kinder verspottet werden, gingen Sie mit so einer Schultasche in die Schule.
Aber zu dieser Zeit war man damit zufrieden . Es war eben so, und wir kannten es nicht anders.
Meine Eltern waren gerade bei der Feldarbeit, als ich voll Freude dem Vater die Zigaretten gab. Ja, er war erstaunt und fragte, wo ich sie her hätte?
"Vielleicht kann ich dir noch mal welche bringen ! Lieber Vater, schimpf mich nicht, aber ich hab Sie von den Ami-Besatzungssoldaten in der großen Kapelle erbettelt." "Mein Gott, Kind, was dir nicht alles einfällt !" ,sagte er nur. Als er nach der schweren Arbeit in die Stube ging, holte er seine Pfeife vom Pfeifenständer, entfernte Papier und Filter von den Zigaretten und stopfte den Tabak in die Pfeife. Ich sehe noch heute das glückliche Gesicht, als der Rauch aus der Pfeife qualmte.
Am nächsten Tag standen andere Soldaten in der Kapelle. Sollte ich es wieder wagen? Aber Ja, wenn ich nichts bekäme, dann eben nicht. Ich grüßte höflich und lachte Sie an. Sie erwiderten mein Lächeln, und ich hatte das Gefühl, die Soldaten wüssten schon davon. Ich ging wieder die Treppen hinauf, stand vor ihnen, teils mutig, teils ängstlich, und sagte abermals: " Please, Cigarettes für my father". Einer der beiden lachte und sagte in Deutsch : "Nicht DU rauchen ! Nur für Vater !"
Nach einiger Zeit musste ich nicht mehr betteln, denn wenn mich die Soldaten von Weitem sahen, stiegen Sie schon die Treppen von der Kapelle herunter und gaben mir die paar Zigaretten. Ich bedankte mich und ging wie jeden Tag frohen Mutes eine Stunde nach Hause. Meinem Vater machte ich immer eine große Freude. Kam ich einmal ohne Zigaretten heim, fragte Vater: " Hast du heute nichts für mich? "
So war es , und es war wirklich eine schwere, arme Zeit. Und trotzdem waren wir im Herzen glücklich und sind anständige und tüchtige Menschen geworden.
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Mein Vater war ein leidenschaftlicher Pfeifenraucher, hatte in den Kriegs- und Nachkriegsjahren aber oft nicht das nötige Geld, um sich Tabak kaufen zu können. Oftmals hatte Vater die Tabakpfeife im Mund - aber ohne Rauch! Aber es war einmal und ist schon sehr lange her. In den Jahren 1946 bis -47 ging ich in die erste Klasse der Hauptschule. Das Schulhaus war eine große, an die Klosterschule angebaute Baracke. Man musste erst durch die Klosterschule gehen um in die Hauptschule zu kommen. Die Klassenzimmer waren sehr groß und schön... für damalige Verhältnisse schön! Das Klassenzimmer wurde mit einem Holzkohleofen geheizt. Ein langes Blechofenrohr schmückte den großen Raum. In der Nähe des Ofens stand eine Kiste mit Kohlen.
Ich hatte einen langen und steinigen Weg zur Schule, fast eine Stunde.
Die Straße führte bei einer großen Kapelle vorbei. Diese Kapelle steht auch heute noch. So oft ich vorbeigehe, muss ich immer wieder an meine Jugend= erlebnisse denken. Die Kapelle ist vorne offen. Ein großes, vorstehendes Dach schützt sie vor Wind und Wetter. Will man für ein Gebet innehalten, gelangt man über ein paar Stufen in die Kapelle hinein. In der Besatzungszeit diente Sie als Schutz für die Soldaten. Meistens standen zwei amerikanische Besatzungssoldaten in der Kapelle. Ich sehe sie noch heute in meinen Gedanken. Der Stahlschutzhelm und das große Gewehr machten mir immer Angst. Die "Amis", so wurden sie genannt, wechselten sich ab. Sie beschützten unser schönes Mondseeland. An manche Gesichter kann ich mich noch erinnern. Da ich täglich in der Früh zur Schule und nachmittags nach Hause an der Kapelle vorbeigehen musste, machte ich mir immer und immer wieder Gedanken: "Was wäre, wenn....?" Ich sah die Soldaten meistens mit einer Zigarette in der Hand. Da hatte ich eine Idee, wie ich meinem Vater helfen könnte, Tabak zu bekommen. Vielleicht mit Zigaretten von den Amis ?
Meine Kusine ging mit mir in dieselbe Klasse. Wir waren auch in der Freizeit oft beisammen.
Eines Tages sagte ich zu ihr: "Glaubst du, dass die Amis in der Kapelle mir für meinen Vater ein paar Zigaretten schenken würden? Vater könnte ja den Zigarettentabak in die Pfeife stopfen, um zu rauchen." Meine Cousine meinte, ich könnte es ja einmal versuchen. Ja, versuchen, aber wie ? Die Amis Konnten sicher nicht Deutsch sprechen, und mein Englisch war auch noch nicht so gut. Erst musste ich zu den Soldaten Vertrauen aufbauen. Aber wie? Freundlich grüßen? Ob sie das verstünden? Wenn ich sie anlacht, so wüsste ich ja nicht, was die von mir denken würden. Mich zermürbte mein Gedankengang.
Monate meiner Schulzeit vergingen, und ich lernte die Besatzungssoldaten immer besser kennen. Sie lachten mir manchmal zu, und ich lachte freundlich zurück. Ich fasste meinen ganzen Mut zusammen. Aber wann würde ich um Zigaretten bitten können? Die würden dann doch wohl nicht glauben, dass ich die Zigaretten selber rauchen wollte? Aber nein, so dachten die Soldaten sicher nicht von mir !
Langsam baute sich ein inneres Verhältnis auf. Als ich am Morgen aufwachte, stand der Entschluss fest, heute beim Heimgehen einfach an der Kapelle stehen zu bleiben und sie um Zigaretten für meinen Vater zu bitten.
In der Schule konnte ich nicht mehr Lernen, denn mein Vorhaben spukte in meinen Gedanken herum.
Heute wird mir noch bewusst, wie nervös ich war. Mein Wunsch war, dass Soldaten in der Kapelle stünden, die mich durch das gegenseitige Zunicken und
-lächeln schon kannten, denn es kamen auch immer wieder fremde dazu.
Zum Glück sah ich von Weitem schon bekannte Gesichter. Vor den Dunkelhäutigen hatte ich großen Respekt. Ich wusste nicht, warum. Aber es war nun mal so. Meine Zigarettenbitte hatte ich auswendig gelernt. Ich dachte, nun konnte nichts mehr schiefgehen. Nun trennten mich nur mehr ein paar Meter von meinem Ziel. Ich stieg geradewegs die Stufen zur Kapelle hinauf, stellte mich vor die Soldaten und sagte: " Please! Cigarettes für my father". Nun war es herausgenommen. Sie schauten mich erst einmal groß an, nahmen aber beide die Zigarettenpackungen in die Hand und gaben mir davon ein paar Zigaretten. Trotz meines schlechten Englisch verstand ich, dass " Not for you !" "Wirklich nur für deinen Vater und nicht für dich !" bedeutete. So was hätte ich auch nie gemacht. Voll Freude packte ich die Zigaretten in meine hölzerne Federschachtel, denn ich wollte meinem Vater nicht die abgebrochenen Zigaretten bringen. Dann steckte ich sie hinein in meinen Schulpack. Heute würden die Kinder verspottet werden, gingen Sie mit so einer Schultasche in die Schule.
Aber zu dieser Zeit war man damit zufrieden . Es war eben so, und wir kannten es nicht anders.
Meine Eltern waren gerade bei der Feldarbeit, als ich voll Freude dem Vater die Zigaretten gab. Ja, er war erstaunt und fragte, wo ich sie her hätte?
"Vielleicht kann ich dir noch mal welche bringen ! Lieber Vater, schimpf mich nicht, aber ich hab Sie von den Ami-Besatzungssoldaten in der großen Kapelle erbettelt." "Mein Gott, Kind, was dir nicht alles einfällt !" ,sagte er nur. Als er nach der schweren Arbeit in die Stube ging, holte er seine Pfeife vom Pfeifenständer, entfernte Papier und Filter von den Zigaretten und stopfte den Tabak in die Pfeife. Ich sehe noch heute das glückliche Gesicht, als der Rauch aus der Pfeife qualmte.
Am nächsten Tag standen andere Soldaten in der Kapelle. Sollte ich es wieder wagen? Aber Ja, wenn ich nichts bekäme, dann eben nicht. Ich grüßte höflich und lachte Sie an. Sie erwiderten mein Lächeln, und ich hatte das Gefühl, die Soldaten wüssten schon davon. Ich ging wieder die Treppen hinauf, stand vor ihnen, teils mutig, teils ängstlich, und sagte abermals: " Please, Cigarettes für my father". Einer der beiden lachte und sagte in Deutsch : "Nicht DU rauchen ! Nur für Vater !"
Nach einiger Zeit musste ich nicht mehr betteln, denn wenn mich die Soldaten von Weitem sahen, stiegen Sie schon die Treppen von der Kapelle herunter und gaben mir die paar Zigaretten. Ich bedankte mich und ging wie jeden Tag frohen Mutes eine Stunde nach Hause. Meinem Vater machte ich immer eine große Freude. Kam ich einmal ohne Zigaretten heim, fragte Vater: " Hast du heute nichts für mich? "
So war es , und es war wirklich eine schwere, arme Zeit. Und trotzdem waren wir im Herzen glücklich und sind anständige und tüchtige Menschen geworden.
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