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Feedback jeder Art Winterlich

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  • gummibaum
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Der Schnee fiel heimlich. Draußen kauert
ein blindes Weiß, das Farben schluckt,
und eine wüste Stille lauert,
sodass kein Mund mehr Töne spuckt.

Nur eine große Schaufel hört
man kratzend immer näherkommen,
als ob sie wegreißt, was sie stört,
was ihr zu frei ist und verschwommen.

Wir halten still, von Angst durchschauert,
bis Frühling in die Fenster guckt,
und wissen doch, die Herrschaft dauert,
die alle Hoffnung eisern duckt…
 
Hallo gummibaum,
Angst vorm Winter braucht hierzulande wohl kaum einer haben und die kratzende Schaufel räumt nur die Straße frei. Fürchten sollten wir dagegen die zunehmende (Gefühls)Kälte in den Herzen mancher Despoten, denen Menschenleben nichts Wert sind.
Dein Text bietet noch viel mehr Ansätze für übertragene Bedeutungen, Ich hab nur ein wenig an der Oberfläche gekratzt. 😉
LG
Perry
 
lieber gummibaum,

ich gehe da mit perry, das gedicht ist definitiv mehrdeutig. und dazu noch ausgesprochen stimmungsvoll (in die düstere richtung) geschrieben. sehr gut gefallen hat mir auch das reimschema und wie die beiden äußeren angststrophen die innere zerstörungsstrophe einklammern. bravo!

liebe grüße
sofakatze
 
Hallo, gummibaum,

wieder mal ein Meisterwerk von dir, rundum stimmig, ein wundervolles Gedicht, über dem ich lange sitzen könnte ...!

Bei der ersten Strophe habe ich nur den Winter gesehen, die geheimnisvollen Metaphern, ihnen in die Tiefe nachgespürt und versucht, sie zu deuten:

Unlängst fiel auch bei uns der Schnee über Nacht - war überraschend da; es schneite am Morgen noch mächtig, in großen Flocken; alles vollzog sich fast heimlich und still. Ich kann das "heimlich" sehr gut nachfühlen!

Ein "blindes Weiß", die "wüste Stille" - andachtsvoll genieße ich sie! Und dann, etwas heiterer: Ja, vor all der weißen, überwältigenden Pracht schweigen selbst die losesten Mundwerke, die sonst Töne "spucken". Recht so! Erst beim erneuten Lesen dachte ich über das Mundwerk differenzierter.

Die "große" Schaufel ist auch verdächtig, etwas Gewichtigeres zu sein. Sie kommt näher - das macht angst! Über das "frei" und "verschwommen" dachte ich länger nach und versuchte ein Bild zu bekommen. Aber auch das ließe sich vorerst einfach mit etwas eigenwilligem Schneeschippen deuten.

Die erwähnte Angst in der letzten Strophe ließ sich mir nur mit den Unfällen (auch zu Fuß) erklären.
bis Frühling in die Fenster guckt,
... ist fast zu niedlich ausgedrückt, um wahr zu sein! Es wird so bald nicht kommen!
Der Ton im Gedicht wird immer bedrohlicher, bis ans Ende, über die "Herrschaft" und das Eiserne! Es bekommt eine andere Bedeutung, eine Botschaft, wie auch Perry und sofakatze sagen.

Lieber gummibaum, es war mir ein Genuss (verzeih die vielen Worte angesichts der weißen Pracht)!

Danke und liebe Grüße
Nesselröschen
 
Vielen Dank für eure Likes.

Lieber Perry,
hab Dank für deine vorsichtige Sichtung der Bilder, die ihre metaphorische Bedeutung zeigt und den Winter in der von mir gemeinten Richtung verorten.

Schön, liebe sofakatze,
dass du dich Perrys Deutung anschließt und außerdem die Stimmung und Gestaltung des Textes genauso wahrnimmst, wie ich sie beabsichtigt hatte. Danke für dein positives Urteil.

Danke, liebes Nesselröschen,
dass du das Gedicht lobst und dein Leseerlebnis mitteilst: die Entwicklung, die deine Deutung schrittweise durchwandert hat.
Ich finde mich darin wieder, zumal ich selbst vom Winter und seiner, die Bewegung (vor allem älterer Menschen) lähmenden Seite ausging und diese Empfindung mich einmal mehr in die Lage einer überfallenen, durch Verhaftungen eingeschüchterten und mundtot gemachten Bevölkerung versetzte.

Euch liebe von gummibaum
 
  • gummibaum
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