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Feedback jeder Art Botschaft an die Buddha-Statue

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  • Driekes
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Ein Gedicht in der Tradition der singhalesischen Sandesha-kāvya –
der Stein bewahrt, was Worte nicht halten.


Du stille Statue im Tempel,
die Tag und Nacht im Frieden sitzt,
du siehst die Schritte, siehst das Zögern,
und bleibst doch ohne Urteil hier.

Du kennst die Bitten ohne Worte,
die Hände, die sich falten, bebn,
die Augen, die sich senken müssen,
wenn innen etwas nicht mehr hält.

Wenn draußen Lärm die Gassen füllt
und innen Unruhe sich dreht,
dann nimm mein Rufen ohne Stimme
und halte es in deinem Stein.

Wo sie an deiner Schwelle steht,
nur kurz, als wäre es zu viel,
lass deine Ruhe auf sie fallen,
wie Schatten, der nichts fordert, schützt.

Und muss sie weiter durch den Tag,
durch Stunden, die zu schnell vergeh’n,
so gib ihr dieses kleine Maß:

Von Atem.
Von Klarheit.
Vom Schweigen, das nicht wehtut.
 
Moin @EndiansLied,

danke dir für deine Rückmeldung.
Dass du eine kleine Buddha-Statue auf deinem Schreibtisch hast und sie dich
im Alltag begleitet, passt sehr gut zu dem, was ich hier im Gedicht zeigen wollte:
keine große Geste, sondern eine stille Erinnerung an das Wesentliche.

LG Driekes
 
Innehalten im Moment
wo nichts mehr zweifelt
nichts mehr trennt
man nur diese Stille spürt
die zusammenführt

Lieber Driekes
in der Hektik der heutigen Zeit geht vieles verloren und vergessen, was wichtig ist bzw. sein sollte.
Danke, dass Du daran erinnert hast.
Liebe Grüße
Chilicat
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe @Chilicat,

danke dir für deine Zeilen und dein Innehalten.
Genau diesen kleinen Zwischenraum wollte ich öffnen:
einen Moment, in dem nichts drängt, nichts trennt –
nur ein stilles Dasein, das wieder zusammenführt.

In der Hektik des Alltags gehen solche stillen Punkte schnell verloren.
Wenn das Gedicht beim Lesen kurz wie ein Atemholen wirkt,
dann hat es für mich seinen Platz gefunden.

Liebe Grüße
Driekes
 

Claudis Themen
Moin Driekes,

eigentlich bin ich noch mit deiner "Autopsie" beschäftigt. Da muss ich viel denken. Jetzt hat mich dieses feine Werk eingefangen und lässt meine Gedanken zur Ruhe kommen. Wunderbar!

Gerade die Reimlosigkeit gibt dem Gedicht viel Raum zur Entspannung. Einen Vers möchte ich herausstellen:

und innen Unruhe sich dreht,
Hier zeigst du die innere Unruhe auch in der Versbewegung, die sich in dem etwas sperrigen Wort "Unruhe" (wegen der starken Nebenbetonung auf der zweiten Silbe) staut und somit den jambischen Fluss unruhig macht. Das finde ich recht wirkungsvoll. Vor allem auch, weil alle anderen Verse so schön fließen.

Ich liebe es!

LG Claudi
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin @Claudi,


danke dir – das freut mich sehr,
besonders weil du die beiden Texte so unterschiedlich wahrnimmst.
Ja, „Autopsie“ ist ein ganz anderer Ton und ein anderes Messer.
Umso schöner, wenn dieses Gedicht dir eher Ruhe gibt.

Deine Beobachtung zu
„und innen Unruhe sich dreht“
trifft es genau. Dieses kleine Stocken im Fluss ist dort tatsächlich gewollt –
als innere Gegenbewegung zum sonst ruhigeren Lauf.

Ich habe den Text insgesamt eher auf einen ruhigen vierhebigen Zug hin gebaut,
mit einer Art kehrversartiger Wiederkehr (für mich auch ein Sandesha-Nachhall).
Gerade deshalb war mir diese kleine Reibung an der Stelle wichtig.

Danke dir fürs genaue "Hinhören" und Mitdenken.

LG; Driekes
 
  • Driekes
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