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Textarbeit erwünscht Mutter Vernunft

Der/die Autor/in wünscht sich konkrete Rückmeldungen zur Textgestaltung.
  • Claudi
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Hallo Claudi,

wieder eine schöne Bewegung, die im Hexameter keine zwei gleichen Füße hintereinander duldet. Den Hiat im Pentameter kann man erwähnen, muss man aber nicht. Ansonsten dominieren in der zweiten Hälfte des Verses die nahezu gleich schweren Silben, die sowohl betont als auch unbetont daherkommen, was mich an den Link der Moritz-Liste erinnert, der bei mir, glaube ich, zu keiner Liste führte.

Ebenfalls an Moritz bzw. seinen Anton Reiser erinnernd der Gegensatz Vernunft/Spaß, wenngleich die Vernunft damals noch Gottgefälligkeit hieß und inzwischen leichter mit etwas wie Spaß unter einen Hut zu kriegen sein dürfte. Indes die Anlage machts nicht nur möglich, sondern auch nötig, sich augenzwinkernd dergestalt freizuschwimmen.

Kurz: Ein Epigramm nach meinem Geschmack.

Gruß

E.
 
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Claudis Themen
Hallo Endeavour,

wieder eine schöne Bewegung, die im Hexameter keine zwei gleichen Füße hintereinander duldet.
das freut mich!

Den Hiat im Pentameter kann man erwähnen, muss man aber nicht.
Doch, doch, kann man ruhig. Du weißt ja, dass ich da ganz bei Schiller bin und verschiedene Vokale nicht als verwerflich ansehe. Dennoch versuche ich den Hiat im antiken Vers zu vermeiden. Hier hatte ich allerdings eine etwas unorthodoxe Idee:

Das Kind sollte sich, solange es in Obhut der Mutter war (also im Hexameter) der mütterlichen Sprache bedienen und dann, als es vom Spaß gerufen wird, in die sehr einfache kindliche Sprache wechseln.

Ansonsten dominieren in der zweiten Hälfte des Verses die nahezu gleich schweren Silben,
Ja, einen derart lappigen Vers würde ich sonst nicht schreiben. Ehrlich gesagt hatte ich mir dich hier als Testleser gewünscht. Wenn du keine Absicht dahinter erkennst, kann es keiner. Ich war aber auch ohne deine Rückmeldung nicht mehr überzeugt, zugunsten eines Stilmittels auf einen gut gebauten Vers zu verzichten. Das Experiment hat Spaß gemacht, ist aber gescheitert.

Ein weiteres Experiment war der Stabreim vor und nach der Zäsur im Pentameter. Das ließe sich leicht ändern, ich bin mir aber noch nicht sicher und will es noch eine Weile wirken lassen. Was ich erst nach dem Einstellen bemerkt habe, war der seltsame Gleichklang von "weiß" und "reiße". Das war ein Versehen und ich habe den ersten Entwurf inzwischen durch einen neuen Favoriten ersetzt:

Mutter Vernunft, was du rätst, ist klug und ich lausche dir folgsam;
doch wenn der Spaß mich ruft, reiß ich mich los und bin taub.


Hier wären die Unschönheiten beseitigt und ich habe (zunächst rein zufällig) mit "und ich lausche dir" diesen schönen Mesomacer erhalten, den ich jetzt nicht wieder hergebe. Den Pentameter werde ich vielleicht nochmal ändern. Mal sehen, wie ich ihn nächste Woche finde.

Ebenfalls an Moritz bzw. seinen Anton Reiser erinnernd der Gegensatz Vernunft/Spaß, wenngleich die Vernunft damals noch Gottgefälligkeit hieß
Ja, unter der damaligen Bedeutung passt das sogar. Über den Bedeutungswechsel des Begriffs hatte ich übrigens auch nachgedacht und kurz sogar "Vater Verstand" in Erwägung gezogen. Aber die erste Eingabe in moderner Lesart hat sich durchgesetzt.

Besten Dank für deinen kritischen Blick mit dennoch erfreulichem Ergebnis. Ich denke, du weißt, dass ich dir ebenso dankbar für einen ehrlichen Totalverriss wäre.

Hier noch der Link zu meiner Inspirationsquelle.

LG Claudi
 
Hallo Claudi,

bin nicht sicher, ob hier das Experiment oder der Testleser gescheitert ist. Aber selbst Richard Strauss ließ verlauten, dass er in der Lage wäre, ein Schnitzel zu komponieren, vorausgesetzt, die Leute wüssten, dass ein solches gemeint ist. Vielleicht hätte ein kursiv gesetzter Pentameter geholfen, vielleicht ein Maximum an zusätzlichen Informationen, wie die Kenntnis der vorausgegangenen Debatte, die mir tatsächlich entgangen war. Indes wolltest auch Du möglicherweise zu viel von einem einzelnen Distichon, und die (treffliche) Alternative war nicht von ungefähr sogleich zur Hand. Ansonsten wurde die Situation in der zweiten Pentameterhälfte ja lediglich erwähnt, und also meine Unsicherheit in Bezug darauf, was diese (Situation) zu bedeuten hat.

Darüber hinaus sind wir uns in unserem Wollen, glaube ich, zu ähnlich, als dass Verrisse irgendwie anstünden.

Gruß

E.
 

Claudis Themen
bin nicht sicher, ob hier das Experiment oder der Testleser gescheitert ist. Aber selbst Richard Strauss ließ verlauten, dass er in der Lage wäre, ein Schnitzel zu komponieren, vorausgesetzt, die Leute wüssten, dass ein solches gemeint ist.
Ja, ich bin auch gar nicht enttäuscht, dass das Schnitzel offenbar nicht herauszuschmecken war. Aber ich fand es spannend und erst im Nachhinein fiel mir auf, wie gut das Experiment zum Inhalt des Epigamms passt. Ich bereue den Spaß jedenfalls nicht und Mama freut sich, dass das Kind wieder zuhause ist. 😀

LG Claudi
 
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