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Feedback jeder Art Die toten Augen

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  • Dawid A. Kowalski Faerber
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Er sah ihn an. Studierte jeden Zentimeter seiner Kehle. Hier war die Halsschlagader gut zu sehen, sie wölbte sich durch seine Anstrengungen weit nach vorne.
Er bewegte sich, aber er konnte sich nicht wehren.
Gefesselt an einem Rohr mit Gaffer-Tape.
Ein Knebel aus Silikon im Mund.
Er roch die Angst, er sah die Schweißspur zunächst unter seinen Achselhöhlen,
dann in seinem Gesicht. Die Schweißperlen liefen die Wangen hinunter.
„Tränen in den Augen machen ihn so schön“ dachte er.
Die Augen waren weit aufgerissen und seine Pupillen geweitet.
In seinen Augen konnte er es sehen – ein stummer Schrei!
‚Ja zeig mir deinen Schmerz – wie du für mich leidest.

Voller Hingabe ließ er den Gedanken in sich wachsen.
Das Skalpell sollte langsam und liebevoll die Kehle aufschneiden.
Er würde dabei nur seine Augen beobachten, damit er es genau sehen kann. Jede einzelne Bewegung, jedes Zucken. Dieser eine Moment, der Übergang vom nutzlosen schmerzvollen Leben zum erlösenden Tod. In der Starre der toten Augen festgehalten wie in einer Fotografie.

Sein Atem ging schwerer, er spürte die aufsteigende Lust.
Sein Herz schlug bis zum Hals.
Schweiß lief ihm vom geröteten Kopf.
„Es ist so schön. Mein Moment - für immer“, stöhnte er.

Das Skalpell setzte er mit zarter Hand, fast leise, direkt an dessen Kehle - leicht zitterte die Hand, er lachte …

Eine Hupe, gefolgt von Schreien. ‚Etwas stimmt nicht“, dachte er. Unruhe kam auf.
Er öffnete seine Augen und sein Blick fiel auf die verschmutzte Zimmerdecke.
Kurze Erinnerungsfragmente blitzen vor seinen Augen auf: das glänzende Skalpell, die Starre der Augen.
Doch die Bilder wurden schnell immer schwächer und verblassten zur Unkenntlichkeit.
Zu abrupt war dieser Traum zu Ende gegangen.

„Wie schade, es war so groß in mir“, dachte er.
Verwirrt schleppte er sich in das Badezimmer, schaute in den Spiegel.
„Leblose Augen“, dachte er, während er sich anzog.
Er entschied sich für eine Bluejeans, kombiniert mit einem roten Hemd. Rot war seine Lieblingsfarbe.

Zehn Minuten später saß er in der U-Bahn. Er musste nicht weit fahren.
Dann angekommen, schnell noch eine Zigarette rauchen. Er dachte wieder an die „toten Augen“ – den Moment.

Er ging ins Gebäude. Man grüßte ihn, er lächelte zurück.
„Heute schon so früh?“, fragte die Schwester aus der Nachtschicht.
„Ja, ich konnte nicht schlafen. Was soll ich zuhause, da wartet niemand auf mich. Hier fühle ich mich doch am wohlsten“, sagte er zu ihr.

Auf dem Flur traf er auf einen Kollegen. „Hey lange nicht gesehen, ich wünsche dir eine angenehme Schicht“.
Pünktlich um 7:00 betrat er die Intensivstation. Zimmer 512.
„Guten Morgen Herr Reinhold ich messe jetzt ihre Temperatur und gebe ihnen dann eine kleine Spritze“.
Herr Reinhold öffnete die Augen. ‚Wie schön seine Augen sind‘, dachte er.
Mit der Spritze zwischen seinen Fingern suchte er eine geeignete Vene.
Langsam drückte er den Inhalt der Spritze in den Arm.
 
  • Dawid A. Kowalski Faerber
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