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Feedback jeder Art Altes Herz (Elegie noir)

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Altes Herz, nie geliebt,
gabst aus leeren Händen,
um dich zu verlieren.

Kälte zog herauf.
Das Lächeln, starr wie Glas,
schob dich durch die Gasse.

Stunden schlossen ihre Türen.
Abende wurden schwer.
Nächte zogen Fäden
durch das dunkle Haus.

Ein feiner Hunger brannte,
doch für den Durst blieb nur
das Salz der Tränen.

Leichenfledderer kamen,
nahmen das Brot,
stahlen den Rest von Nähe
bis auf die bloße Haut.

Keine Rechnung wurde aufgemacht.
Der Befund
lag längst vor.

Die Worte wurden schwer.
Sie sanken
in fremde Gräber.

Was blieb, war ein Echo,
ein hohler Klang
im leeren Raum.

Das Schweigen,
mühsam auswendig gelernt,
bis selbst die Stille zurückwich.

Altes Herz, nie geliebt,
gabst,
um zu verschwinden.

Nun liegst du
still.

Keine Liebe deckt dich zu.

Die Gasse verliert sich
in dem Grau,
das du zu Ende gestarrt hast.
 
Lieber Driekes,

was für eindringliche Worte. Dieses Wortbild finde ich besonders beeindruckend:
Das Schweigen,
mühsam auswendig gelernt,
bis selbst die Stille zurückwich.
Beim Lesen verspüre ich eine Betroffenheit und Mitgefühl für das "alte Herz".

Altes Herz, nie geliebt,
gabst aus leeren Händen,
um dich zu verlieren.
So richtig kann ich mir auf den Anfang keinen Reim machen. Hat das alte Herz nie geliebt oder wurde es nie geliebt? Gabst aus leeren Händen, um dich zu verlieren? Ich denke, das Herz hielt sich zurück, vielleicht aus Angst vor Nähe?

"Keine Liebe deckt dich zu", das finde ich ebenfalls sehr traurig.

Liebe Grüße Juls
 
@Darkjuls

Liebe Juls,
auf den Anfang lässt sich kein ganz sauberer Reim machen. Das ist gewollt.

Für mich ist es eher ein Porträt der Erstarrung. Ein Herz, das nicht genug geliebt wurde und irgendwann selbst nur noch aus Mangel geben konnte. „Aus leeren Händen“ heißt für mich:
noch geben wollen, obwohl kaum etwas übrig war.

Angst vor Nähe spielt sicher mit hinein. Aber eher als Folge, nicht als Ursprung.
Das Herz schützt sich nicht mehr wirklich. Es verschwindet schon.

An der Stelle mit dem Schweigen sollte das Schweigen selbst erschrecken.
Nicht trösten. Nicht auffangen. Nur zurückweichen.

@Rudolf Fritz-Roessle

Moin Rudolf
ja, genau dort sitzt der Text:
zwischen Weite und fehlender Nähe.

„Kurz ist der Weg
von der Hand in den Mund“
trifft es gut.

Da wird nicht aus Fülle gegeben,
sondern aus dem letzten Rest.


LG Driekes
 
Liebe @Chilicat,

ja, genau dort sitzt der Schmerz:
Der Hunger ist noch da, aber nichts stillt ihn mehr.
Wenn selbst die letzte Träne verdunstet, bleibt nur Salz. Ein Rest ohne Trost.

Manchmal ist Schmerz das Letzte, was noch antwortet.

Liebe Grüße
Driekes
 
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