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Feedback jeder Art auf der anderen seite

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  • Perry
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auf der anderen seite

der tag bröselt als körner vom dünenkamm
rollt von einer böe getrieben in die arme der
ebbe die ihn schwebend ins wellenbett legt

strandhaferhalme senken in winterlicher
erwartung die rispen ihr lebenssaft sickert
ins wurzelnde sehnt sich nach regentropfen

als fisch suche ich träumend hinterm
aquariumglas nach brechenden lichtstrahlen
sehe wie du augenlos auf mich wartest
 

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Lieber Perry,

wie oft bei dir wird der Strand als Grenze zwischen Bereichen genutzt, aus denen heraus die Wesen ihre Trennung erleben und zu überwinden versuchen.

So wird der Tag auf Land zerrieben und abwärts getrieben, im Meer aber in ruhiges Schweben versetzt.

Strandhafer dagegen ist fest festgewachsen und kann die Abwärtsbewegung nur an Ort und Stelle vollziehen, um Schutz in sich selbst zu finden.

Der Fisch, der eigentlich schon im Meer und erlöst sein könnte, fristet sein Dasein im Aquarium und muss den Traum nutzen, um Lichtstrahlen – allerdings nur brechende – zu finden und sie einer augenlos Wartenden zu bringen. Angesichts aller Paradoxie leuchtet das Licht von verzweifelter Sehnsucht und märchenhafter Zuversicht hier umso heller.

Sehr gern gelesen.

LG g
 
Hallo Perry,
da ist dir wieder ein kleines Meisterwerk gelungen. Du kannst wirklich mit Worten Bilder zaubern. Wie leise und zurückhaltend dein Gedicht die Themen : Vergänglichkeit, Rückzug, Sehnsucht ohne Erfüllung, Wahrnehmen ohne Gegenseitigkeit, Nähe hinter Glas ..... behandelt , ist bemerkenswert. Besonders die traurige Begegnung des Fisches im Aquarium und des "augenlosen", aber wartenden Dus , das zwar präsent ist, aber nicht sehend und nicht antwortend, haben es mir sehr angetan.Dieser verstörend ,schöne Schluss hält die Spannung bis zuletzt.
Danke, dass ich dieses Gedicht von dir lesen durfte.

Lieber Gruß
Chandrika
 
Lieber Perry,

dein Gedicht lässt Raum für verschiedene Interpretationen. Dabei sprechen mich die Bilder, die du mit deinen Worten zeichnest, sehr an.
Ich meine, dass es sich hier um die Gedanken handeln könnte, die bei einem winterlichen Spaziergang am Meer so aufkommen, bis hin zu den Gedanken, was nach dem Tod sein könnte. Zum Beispiel könnte man als Fisch wiedergeboren in einem Aquarium auf seine Liebste warten, die sich vielleicht noch augenlos in einem Seelenzustand befindet. Vielleicht trifft man sich ja in einem späteren Leben tatsächlich wieder, wer weiß das schon?

Sehr gern gelesen
LG Wilde Rose
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo gummibaum,
es gibt sicher viele Möglichkeiten Grenzen zu bebildern. Für mich sind Küsten eine der malerischten, weil hier sehr unterschiedliche Elemente mit einer großen Bandbreite von Szenarien aufeinandertreffen.
Deine Interpretation trifft meine Intention beim Schreiben gut, wobei bei mir die "Verzweiflung" längst der "märchenhaften Zuversicht" gewichen ist!. Was wäre das Dasein ohne Grenzen, die zwar trennen aber auch den Reiz des Überwindens wecken!
Danke fürs Reflektieren und LG
Perry

Hallo Chandrika,
freut mich, dass Dich die Bilder ansprechen konnten. Es gibt viel Arten der Trennung, besonders schlimm sind jene, die man mit irdischen Mitteln nicht überwinden kann. Der Fisch bräuchte die Hand einens "Menschengottes" um seiner "augenlosen" Sehnucht wieder nahe sein zu können. Wir Menschen können nur hoffen, dass uns der Tod eine Tür zu denen öffnet, die vorausgegangen sind.
Danke fürs wertschätzende Hineinfühlen und
LG
Perry

Hallo Wilde Rose,
winterliche Spaziergänge am Meer können auch im Winter faszinieren, gerade gleicht die Nordseeküste an manchen Stellen einer arktischen Landschaft.
Fische im Aquarium können uns den Blick in die Schönheit der Unterwasserwelt schenken, sind aber auch Sinnbild dafür, dass wir hinter Grenzen leben, die unüberwindlich scheinen.
Danke für intensive Hineinspüren in die Wortbilder und LG
Perry
 
Moin @Perry,

das ist ein leiser, dichter Text – und er arbeitet fast nur mit Übergängen:
Tag wird Korn, Korn wird Ebbe, Ebbe wird Wellenbett. Dieses „bröselt“ am Anfang ist stark,
weil es Zeit nicht als Uhr zeigt, sondern als Material, das zerfällt und weitergetragen wird.

Auch der Strandhafer sitzt: Winterliche Erwartung, Lebenssaft, der nach unten zieht –
das ist Natur als stilles Ausharren, ohne Pathos.

Und dann der Sprung ins Aquarium: „als fisch“ hinter Glas, suchend nach Lichtstrahlen –
und am Ende dieses verstörende Bild: „du augenlos auf mich wartest“.
Da kippt es von Landschaft in Beziehung, von Außenraum in Innenraum.
Genau da bleibt der Text hängen.

Sehr stimmig – wie eine kleine Ebbe im Kopf.

LG, Driekes
 
Hallo Driekes,
danke fürs tiefe Eintauchen in die Wortbilder. Als "Naturlyriker" folge Ich gerne den Spuren des Lebens im Gezeitenlauf, um vielleicht einen Weg für mich bzw. die Menschen zu finden. Aber mit "Ebbe" im Kopf bleibt es wohl schwer! 😉
LG Perry
 
  • Perry
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