Aktuelles
Gedichte lesen und kostenlos veröffentlichen auf Poeten.de

Poeten.de ist ein kreatives Forum und ein Treffpunkt für alle, die gerne schreiben – ob Gedichte, Geschichten oder andere literarische Werke. Hier kannst du deine Texte mit anderen teilen, Feedback erhalten und dich inspirieren lassen. Um eigene Beiträge zu veröffentlichen und aktiv mitzudiskutieren, ist eine Registrierung erforderlich. Doch auch als Gast kannst du bereits viele Werke entdecken. Tauche ein in die Welt der Poesie und des Schreibens – wir freuen uns auf dich! 🚀

Nur Kommentar AUFGEBEN

Der/die Autor/in wünscht sich Rückmeldungen zum Inhalt des Textes und möchte keine Textkritik.
  • F
    letzte Antwort
  • 3
    Antworten
  • 103
    Aufrufe
  • Teilnehmer
Weil wir uns irgendwie gut missverstanden, folgte ich ihm eines Tages in den kleinen Raum seines verwesenden Ichs hinab.
Dort kauerte er in der Ecke und sprach vom Maß der Dinge, von Vektoren und Winkel.
Ich roch nur faule Eier in einer trüben Schwefelluft.
Er zeigte mir wie gut er gelernt hatte, sich in seiner Hölle zu organisieren.
Gedanken geordnet, still und verstaubt in den Regalen.
Als er mir dasselbe Gift anbot, sagte ich Nein Danke, Feind der Sonne!
Ich will zurück in den Wald wo alles liegt wie es gefallen ist.
Ich muss dich verneinen und meiden, weil es gegen meine Natur ist. Weil es gegen Natürlichkeit ist.
Er zeigte mir den Rücken und auch ich machte kehrt.
Ich hoffte diese Begegnung schnell dem Vergessen schenken zu dürfen.
Hinabgeworfen in den bodenlosen Brunnen, bestimmt für alle wertlosen Gedanken.
 
Hallo @Joshua Coan…

Ja, das ist so eine „Begegnung der besonderen Art“ die niemand sucht.
Ich hoffe, dass ich nie so „gut missverstanden“ werde!

Aber wie du andeutest, kommt man aus dem ‚tiefen Brunnen’ wieder raus…!

LG Guenk
 
Hallo Guenk.

Also ich gedenke in jenen Brunnen des Vergessens ohne Boden alle Gedanken zu versenken die mir nicht dienlich sind. Weil Gedanken die einem nicht dienen, keine Bedeutung oder gar Hoheitsrechte im eigenen Kopf zugesprochen werden sollten. Sonst wird der Meister zum Diener gemacht. Das sagen zumindest die Weisen aus dem Osten. Gehe ich gerne mit.
Solchen Gestalten wie im Text beschrieben wird man immer irgendwann über den Weg laufen. Ich denke es ist unvermeidbar. Die Frage ist, wie viel Platz wir ihnen in unseren Köpfen einräumen wollen. Besser gar keinen. Wenn keine emotionale Bindung dabei ist, sollte es problemlos klappen. Da genügt meist Ablenkung. Für den anderen Fall habe ich gemerkt, darf man aktiv vergessen lernen. Ein kleiner feiner Unterschied der ironischerweise widerrum mehr mit Akzeptanz, Vergebung und inklusion eben solcher Situationen zu tun hat.
Aber gut ich will ich keinen Vortrag halten...

Danke fürs Vorbeischauen und kommentieren.

LG JC
 
Lieber Joshua,

dein Text ist ein poetischer, stark metaphorischer Prosatext, nahe am freien Gedicht. Inhaltlich schildert er eine Begegnung zwischen dem Erzähler und einer Person, deren inneres Wesen als kalt, giftig und lebensfeindlich dargestellt wird. Die Begegnung zwischen einem Ich und einem Er könnte weniger realistisch als innerpsychisch oder weltanschaulich gelesen werden. Diese Figur steht symbolisch für Rationalität, Ordnung und geistige Erstarrung: Vektoren und Winkeln, Gedanken geordnet, still und verstaubt in den Regalen, während der Erzähler ein natürliches, freies und lebendiges Leben sucht:
Ich will zurück in den Wald, wo alles liegt wie es gefallen ist.
Schließlich wenden sich beide voneinander ab. Die Begegnung soll verdrängt und als wertloser Gedanke vergessen werden. Der Text überzeugt durch eine starke, dichte Bildsprache und eine klar spürbare Atmosphäre.

Sehr gern gelesen.

Liebe Grüße
Fehyla
 
  • F
    letzte Antwort
  • 3
    Antworten
  • 103
    Aufrufe
  • Teilnehmer
Zurück
Oben