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Feedback jeder Art Autopsie

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Aus der Serie Gedankensalat (XXV)


Keine Tatwaffe.
Nur Alltag.

Blick: stumpf, trainiert auf Reize.
Pupillen reagieren auf Rabatt
nicht auf Schmerz.

Haut: dünn.
Überzogen mit Ironie,
als Schutzlack gegen Nähe.

Hände: beschäftigt.
Greifen nach Glas,
nach Zustimmung,
nach dem nächsten Klick.
Nichts bleibt darin.

Verlauf: Katastrophen werden seriell konsumiert.
Staffel 1: Krieg.
Staffel 2: Klima.
Staffel 3: Empörung über Staffel 2.

Mund: voll.
Nicht mit Essen –
mit Positionen.
Gekaut.
Unverdaut.
Ausgekotzt.

Herz: vorhanden.
Aber gedrosselt.
Im Energiesparmodus
für schlechte Zeiten,
die längst laufen.

Gewissen: kurz aufblinkend.
Dann weggewischt.
Wie Werbung.

Sprache: überhitzt.
Viel Temperatur,
wenig Bedeutung.
Wörter als Munition,
nicht als Brücke.

Erinnerung: lückenhaft.
Gestern zu weit weg.
Morgen nicht zuständig.

Beziehungen: modulartig.
Abwählbar.
Stumm schaltbar.
Ersetzbar.

Gemeinschaft: Kulisse.
Für Selfies.
Für Sätze mit „wir“,
die nie jemand trägt.

Fundstück:
ein kleiner, unbeschädigter Rest
von Scham.
Er liegt still,
wie ein Organ,
das niemand mehr benutzt.

Und irgendwo,
zwischen Rabattcode
und Weltuntergang,
liegt der Mensch –
nicht tot,
nur abgestellt.

Befund:
Organ Mensch vorhanden.
Gebrauch eingestellt.
 
Moin @Guenk
danke dir – der Bypass-Gedanke trifft genau meinen Standby-Ton.
Und der Masken-Hinweis als „Probelauf“ für Gesichtslosigkeit:
stark, weil er nicht moralisiert, sondern beobachtet.
Das nehme ich gern als kalten Nachhall zum Text.

LG
Driekes

Moin auch @Rudolf Fritz-Roessle

danke dir fürs Mitlesen. Ja, diese Blasen-Geschichten können einen schnell verkleben –
und Abschottung ist dann die naheliegende Reaktion, wenn alles zu viel wird.
„Autopsie“ ist bei mir eher Bestandsaufnahme als Empfehlung,
aber dein Hinweis bleibt im Kopf.

Herzliche Grüße
Driekes
 
Lieber Driekes,

das gefällt mir ausgezeichnet, hast du hier doch in aller Kürze und Schärfe das abgeflachte Dasein eines modernen Durchschnittsmenschen beschrieben, der widerstandslos durch den Werteverfall im hektischen Alltag driftet, und von ihm vereinnahmt und geformt wird.

Sehr gern gelesen
LG Wilde Rose
 
Liebe @Wilde Rose,

hab vielen Dank für das genaue Lesen und deine Worte.
Ja, „in aller Kürze“ ist im Ergebnis richtig – der Weg dorthin war deutlich länger.
Vielleicht muss man manches lange abtragen, damit es am Ende so karg stehen kann.

Freut mich sehr, dass der Text bei dir angekommen ist.

LG
Driekes
 
  • Driekes
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