Ballade vom Schweigen unter den Ästen
Im frühen Grau, wenn die Welt noch nicht atmet,geht er den Pfad, der sich wie Erinnerung biegt.
Die Stille hängt schwer, als hätte die Nacht etwas hinterlassen,
und jeder Schritt trägt den Abdruck dessen, was ihn wie Schatten besiegt.
Ein Laut im Geäst, kaum mehr als ein Zittern,
ein Flüstern aus Räumen, die niemand betritt.
Er bleibt stehen, als würde die Dunkelheit flimmern,
und spürt, wie ein alter Schmerz in ihm leise aufbricht.
Der Wind trägt ein Wispern, kalt wie ein Schattenschnitt,
ein Wort, das nicht gesprochen wird, nur fällt.
Er folgt ihm, obwohl er weiß, dass nichts zurücktritt,
wenn man einmal zu tief in die eigene Stille fällt.
Der Pfad wird enger, die Luft wird schwerer,
ein Nachtgrat zieht sich durch sein Inneres wie ein Riss.
Er geht weiter, obwohl jeder Atemzug leerer,
und spürt, dass er längst Teil dieses Dunkels ist.
Ein Licht erscheint, fern, wie ein Flurbrand,
doch es wärmt nicht, es ruft nicht, es bleibt nur bestehen.
Er streckt die Hand aus, doch sie bleibt unbekannt
ein Zeichen, das kommt, ohne je zu vergehen.
So wandert er weiter, durch Räume, die flüstern,
durch Schatten, die wachsen, durch Stille, die bricht.
Und niemand weiß, ob die Äste ihn schützen
oder ob er längst verloren ist im eigenen Seelengewicht.