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Feedback jeder Art Botschaft an den Kranich

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  • Driekes
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Vorwort
Seit vielen Jahren fasziniert mich die singhalesische Lyrik.
Auf meinen zahlreichen Aufenthalten in Sri Lanka habe ich nicht nur Land und Menschen,
sondern auch die Sprache und ihre Dichtung lieben gelernt. Besonders die Sandesha Kavya
klassische Botschaftsdichtungen, in denen ein Vogel oder ein Tier eine Nachricht über Landschaften
und Zeiten trägt – haben mich fasziniert.

Traditionelle singhalesische Kavi folgen oft einer strengen Silbenordnung,
zum Beispiel vierzeilige Strophen im 4 / 8 / 8 / 4-Schema oder anderen festen Rhythmen.
Viele werden nicht nur gelesen, sondern gesungen oder rezitiert, begleitet von Trommeln.

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Ein Echo der Tradition –
nur die Trommeln, doch ihr Herzschlag trägt den Rhythmus.


Mein Versuch hier: ein modernes Sandesha-Lied mit Refrain,
das an diese Strukturen erinnert und zugleich in deutscher Sprache nachklingen soll.




🕊️ Botschaft an den Kranich

Refrain

(kehrt nach jeder Strophe wieder, meist gesungen und von Trommelrhythmen begleitet)

O Kranich, trag mein Wort davon,
durch Dämmerland und Zeitenfluss –
bis ihre Seele es vernimmt,
und ihre Stille meinen Ruf.




Du steigst aus Nebeln, weiß und fern,
vom Morgenwind berührt,
der über lichte Hügel fährt
und alle Namen führt.

O Kranich, trag mein Wort davon …

Die Blicke, die einst Sprache waren,
verweben sich zu Licht.
Sie flimmern zwischen Raum und Zeit
und tragen mein Gedicht.

O Kranich, trag mein Wort davon …

Die Worte, die in Ästen schliefen,
verirren sich im Wind.
Sie fragen nicht – sie schwingen fort,
wo neue Lieder sind.

O Kranich, trag mein Wort davon …

Die Schritte, die kein Ziel mehr kennen,
versickern in der Flur.
Der Abend hat sie aufgenommen,
sie wandern nur, nur nur …

O Kranich, trag mein Wort davon …

Und wenn du sie am Fenster siehst,
im Zwielicht, unbewegt –
dann senk dich sanft, und sing ihr vor,
was deine Reise trägt:

„Ich kam aus jenem stillen Land,
wo Sehnsucht Schatten wirft –
und Liebe, die nicht aussprach, blieb,
damit sie sich verzehrt.“


O Kranich, trag mein Wort davon,
durch Dämmerland und Zeitenfluss –
bis ihre Seele es vernimmt,
und ihre Stille meinen Ruf.




NB:
In der Tradition der singhalesischen Sandesha-Dichtung bilden die letzten Verse
die eigentliche Botschaft –
der innere Kern, auf den alle Strophen hinarbeiten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Driekes,

ich finde Dein Gedicht ausgesprochen schön, vor allem Vergleiche wie: Blicke, die einst Sprache waren oder Worte, die in Ästen schliefen…. das nimmt mich mit in ein mystisches, fernes Land, nur durch den Vogelflug der Seele erreichbar!
Wenn ich das nächste Mal im Qigong die Kranichübung mache, werde ich daran denken!
Das Trommeln passt auch wunderbar dazu!

Liebe Grüße, Lizzy
 
Hallo Driekes,

leider habe ich von singhalesischer Lyrik gar keine Ahnung, aber deine kleine Einführung macht Lust, dieses unbekannte Feld näher zu erkunden.

Daher kann ich nicht beurteilen, wie gut es dir gelungen ist, die Dichtkunst der Trauminsel Sri Lanka (wer wäre nicht gerne mal dort) nachzuempfinden. Ich kann nur sagen, dass ich die Lektüre deiner Zeilen sehr genossen habe. Sie verströmen wirklich einen leicht exotischen Duft, wirken formvollendet und einfach schön.

Danke ...

Gruß
Cornelius
 
@Driekes


Moin.

Habe einmal die Silbenzahlen der Verse gezählt.
8 und 6 meistens, einmal 9. Ist die Silbenzahl immer gleich, oder ist es nur hier so gewollt? Oder ist es egal, wie viel Silben pro Vers aufgeführt werden?
Und alles im Jambus?


Die 6. Strophe (ich kam aus jenem stillen Land.......)

Anfangs dachte ich, sie trägt positives, aber ich glaube so ist es nicht.

Das beste, hier die Fantasie.


Die eingeflossenen Metaphern, in den Versen, sind ausgesprochen originell.

Tschüss.
 
@ manchmallyrik,
Moin Wolfgang,
herzlichen Dank für dein Feedback –
manchmal braucht es nur ein „wunderschön“, um mich sehr zu freuen.

Liebe Lizzy
dein Bezug zur Qigong-Kranichübung hat mich gefreut –
genau das liebe ich an Lyrik: dass sie ihren Weg ins eigene Tun und Empfinden findet.

Liebe Wilde Rose,
danke dir! Es bedeutet mir viel, dass gerade der Refrain dich angesprochen hat –
er ist ja das tragende Herzstück dieses Sandesha-Lieds. Und dass die Trommel
dabei für dich mitschwingt, macht es rund.

Moin Teddybär,​

deine Worte habe ich genossen wie die Bonbons, von denen du schreibst.
So wünsche ich mir, dass Lyrik wirkt: langsam im Mund der Gedanken,
bis sie süß und klar wird. Vielleicht lege ich beim nächsten Mal noch ein
Stück Pol Toffee dazu – Kokoskaramell aus Sri Lanka, das Herz und Zunge wärmt 😉.

Moin Cornelius,
es freut mich, dass dir meine kleine Einführung Lust gemacht hat,
singhalesische Lyrik näher kennenzulernen. Wenn meine Zeilen dir einen
„exotischen Duft“ vermitteln konnten, ist das schon ein guter Anfang.
Besonders schätze ich, dass du dich auf etwas Unbekanntes eingelassen hast –
genau daraus entsteht oft die schönste Resonanz.


Moin gummibaum,
danke dir – es freut mich, wenn ich mit meinem Kranich
einen kleinen Einblick in diese Tradition geben konnte.
Für mich war es ein spannendes Experiment, sie in deutscher Sprache nachklingen zu lassen.

Moin horstgrosse2,
danke für deine genaue Lektüre!
Du hast recht: im Original sind die Silbenzahlen oft streng, zum Beispiel 4 / 8 / 8 / 4.
Ich habe mich hier nur locker daran angelehnt, damit der Text im Deutschen fließen kann.
Auch der Jambus blitzt auf, aber nicht durchgängig – die Melodie war mir wichtiger als das Zählen.
Außerdem lässt sich Sinhala kaum 1:1 ins Deutsche übertragen, weil Klang, Rhythmus und Silbenstruktur
ganz anders angelegt sind.

Nach meiner Meinung darf man ruhig einmal aus dem starren Käfig der Jamben ausbrechen –
und sehen, wohin der Vogel der Lyrik dann fliegt 😉.

Wie im Vorwort angedeutet: Mein Versuch bleibt ein modernes Sandesha-Lied mit Refrain –
eine alte Tradition, die in unserer Sprache nachklingen darf.

Deine Beobachtung zur Botschaft am Ende trifft es sehr:
Sie trägt keine Leichtigkeit, sondern eher eine dunkle Tiefe.

LG Driekes


@all​

Vielen Dank auch für eure stillen Likes und Mitlesungen –
es freut mich sehr, dass der Kranich so viele Flügel bekommen durfte.

 
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