Vorwort
Seit vielen Jahren fasziniert mich die singhalesische Lyrik.
Auf meinen zahlreichen Aufenthalten in Sri Lanka habe ich nicht nur Land und Menschen,
sondern auch die Sprache und ihre Dichtung lieben gelernt. Besonders die Sandesha Kavya –
klassische Botschaftsdichtungen, in denen ein Vogel oder ein Tier eine Nachricht über Landschaften
und Zeiten trägt – haben mich fasziniert.
Traditionelle singhalesische Kavi folgen oft einer strengen Silbenordnung,
zum Beispiel vierzeilige Strophen im 4 / 8 / 8 / 4-Schema oder anderen festen Rhythmen.
Viele werden nicht nur gelesen, sondern gesungen oder rezitiert, begleitet von Trommeln.
Ein Echo der Tradition –
nur die Trommeln, doch ihr Herzschlag trägt den Rhythmus.
Mein Versuch hier: ein modernes Sandesha-Lied mit Refrain,
das an diese Strukturen erinnert und zugleich in deutscher Sprache nachklingen soll.
Refrain
(kehrt nach jeder Strophe wieder, meist gesungen und von Trommelrhythmen begleitet)
O Kranich, trag mein Wort davon,
durch Dämmerland und Zeitenfluss –
bis ihre Seele es vernimmt,
und ihre Stille meinen Ruf.
vom Morgenwind berührt,
der über lichte Hügel fährt
und alle Namen führt.
O Kranich, trag mein Wort davon …
Die Blicke, die einst Sprache waren,
verweben sich zu Licht.
Sie flimmern zwischen Raum und Zeit
und tragen mein Gedicht.
O Kranich, trag mein Wort davon …
Die Worte, die in Ästen schliefen,
verirren sich im Wind.
Sie fragen nicht – sie schwingen fort,
wo neue Lieder sind.
O Kranich, trag mein Wort davon …
Die Schritte, die kein Ziel mehr kennen,
versickern in der Flur.
Der Abend hat sie aufgenommen,
sie wandern nur, nur nur …
O Kranich, trag mein Wort davon …
Und wenn du sie am Fenster siehst,
im Zwielicht, unbewegt –
dann senk dich sanft, und sing ihr vor,
was deine Reise trägt:
„Ich kam aus jenem stillen Land,
wo Sehnsucht Schatten wirft –
und Liebe, die nicht aussprach, blieb,
damit sie sich verzehrt.“
O Kranich, trag mein Wort davon,
durch Dämmerland und Zeitenfluss –
bis ihre Seele es vernimmt,
und ihre Stille meinen Ruf.
In der Tradition der singhalesischen Sandesha-Dichtung bilden die letzten Verse
die eigentliche Botschaft – der innere Kern, auf den alle Strophen hinarbeiten.
Seit vielen Jahren fasziniert mich die singhalesische Lyrik.
Auf meinen zahlreichen Aufenthalten in Sri Lanka habe ich nicht nur Land und Menschen,
sondern auch die Sprache und ihre Dichtung lieben gelernt. Besonders die Sandesha Kavya –
klassische Botschaftsdichtungen, in denen ein Vogel oder ein Tier eine Nachricht über Landschaften
und Zeiten trägt – haben mich fasziniert.
Traditionelle singhalesische Kavi folgen oft einer strengen Silbenordnung,
zum Beispiel vierzeilige Strophen im 4 / 8 / 8 / 4-Schema oder anderen festen Rhythmen.
Viele werden nicht nur gelesen, sondern gesungen oder rezitiert, begleitet von Trommeln.
Ein Echo der Tradition –
nur die Trommeln, doch ihr Herzschlag trägt den Rhythmus.
Mein Versuch hier: ein modernes Sandesha-Lied mit Refrain,
das an diese Strukturen erinnert und zugleich in deutscher Sprache nachklingen soll.
🕊️ Botschaft an den KranichRefrain
(kehrt nach jeder Strophe wieder, meist gesungen und von Trommelrhythmen begleitet)
O Kranich, trag mein Wort davon,
durch Dämmerland und Zeitenfluss –
bis ihre Seele es vernimmt,
und ihre Stille meinen Ruf.
Du steigst aus Nebeln, weiß und fern,vom Morgenwind berührt,
der über lichte Hügel fährt
und alle Namen führt.
O Kranich, trag mein Wort davon …
Die Blicke, die einst Sprache waren,
verweben sich zu Licht.
Sie flimmern zwischen Raum und Zeit
und tragen mein Gedicht.
O Kranich, trag mein Wort davon …
Die Worte, die in Ästen schliefen,
verirren sich im Wind.
Sie fragen nicht – sie schwingen fort,
wo neue Lieder sind.
O Kranich, trag mein Wort davon …
Die Schritte, die kein Ziel mehr kennen,
versickern in der Flur.
Der Abend hat sie aufgenommen,
sie wandern nur, nur nur …
O Kranich, trag mein Wort davon …
Und wenn du sie am Fenster siehst,
im Zwielicht, unbewegt –
dann senk dich sanft, und sing ihr vor,
was deine Reise trägt:
„Ich kam aus jenem stillen Land,
wo Sehnsucht Schatten wirft –
und Liebe, die nicht aussprach, blieb,
damit sie sich verzehrt.“
O Kranich, trag mein Wort davon,
durch Dämmerland und Zeitenfluss –
bis ihre Seele es vernimmt,
und ihre Stille meinen Ruf.
NB:In der Tradition der singhalesischen Sandesha-Dichtung bilden die letzten Verse
die eigentliche Botschaft – der innere Kern, auf den alle Strophen hinarbeiten.
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