Das leise Archiv
Manchmal denke ich, dass Lesen heute wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Epoche,
ein stilles Gerät aus Holz und Papier, das man nur noch in Museen erwartet,
zwischen verstaubten Landkarten und Geräten, deren Zweck niemand mehr kennt.
Ich sehe die Menschen um mich herum, wie sie ihre Bildschirme streicheln,
als wären diese kleinen Glasflächen die letzten warmen Körper,
und ein Buch in einer Hand wirkt inzwischen wie ein Irrtum der Evolution,
ein Zeichen dafür, dass jemand die Richtung verwechselt hat.
Vielleicht ist Lesen deshalb nicht mehr zeitgemäß,
weil es eine Bewegung verlangt, die nach innen führt,
und diese Richtung ist gefährlich geworden.
Sie ist zu langsam, zu tief, zu wenig kompatibel
mit einer Welt, die nur noch in Sekunden misst.
Warum sollte man sich durch Seiten arbeiten,
wenn ein Video alles in fünf Atemzügen erledigt
und dabei noch bunte Geräusche macht.
Die Fantasie wird nicht mehr gebraucht,
sie ist ein Muskel, der verkümmert,
weil niemand ihn benutzt.
Und doch frage ich mich, ob es wirklich nur Bequemlichkeit ist
oder ob die Wahrheit selbst unmodern geworden ist.
Nicht die große, glänzende Wahrheit,
die man auf Plakate druckt,
sondern die leise, innere,
die sich erst zeigt, wenn man lange genug
in einen Satz hineinhorcht.
Diese Art Wahrheit verkauft sich schlecht,
sie ist zu schwer, zu langsam,
und sie verlangt, dass man sich selbst aushält.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund,
warum die Welt lieber flimmert als spricht.
Ich lese Studien, die behaupten,
dass die Menschheit verdummt,
aber ich glaube, es ist komplizierter.
Wir verlernen nicht das Denken,
wir verlernen nur die Geduld,
die nötig wäre, um Gedanken zu Ende zu führen.
Wir erschaffen uns Realitäten,
die leicht genug sind,
um sie mit einer Hand zu halten.
Und die Medien folgen dieser Bewegung,
als hätten sie Angst,
dass ein zu langer Satz
die Menschen vertreibt.
Trotzdem schreibe ich.
Vielleicht aus Trotz,
vielleicht aus einer alten Gewohnheit,
vielleicht, weil ich spüre,
dass irgendwo zwischen den Zeilen
noch etwas lebt,
das sich nicht in fünf Sekunden
erklären lässt.
Etwas, das sich weigert,
in die neue Ordnung zu passen.
Ein Rest von Tiefe,
ein schwacher Funken,
der nur sichtbar wird,
wenn man lange genug hinsieht.
Und vielleicht ist genau das
der Grund, warum Schreiben
nicht unnötig wird.
Weil es Räume öffnet,
die sonst niemand mehr betritt.
Weil es eine Art leises Archiv ist
für all das,
was die Welt zu schnell vergisst.
Und weil irgendwo,
vielleicht nur ein einzelner Mensch,
doch noch liest
und in diesen Sätzen
eine Schwingung findet,
die ihn daran erinnert,
dass er mehr ist
als ein Daumen auf einem Bildschirm.
Manchmal denke ich, dass Lesen heute wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Epoche,
ein stilles Gerät aus Holz und Papier, das man nur noch in Museen erwartet,
zwischen verstaubten Landkarten und Geräten, deren Zweck niemand mehr kennt.
Ich sehe die Menschen um mich herum, wie sie ihre Bildschirme streicheln,
als wären diese kleinen Glasflächen die letzten warmen Körper,
und ein Buch in einer Hand wirkt inzwischen wie ein Irrtum der Evolution,
ein Zeichen dafür, dass jemand die Richtung verwechselt hat.
Vielleicht ist Lesen deshalb nicht mehr zeitgemäß,
weil es eine Bewegung verlangt, die nach innen führt,
und diese Richtung ist gefährlich geworden.
Sie ist zu langsam, zu tief, zu wenig kompatibel
mit einer Welt, die nur noch in Sekunden misst.
Warum sollte man sich durch Seiten arbeiten,
wenn ein Video alles in fünf Atemzügen erledigt
und dabei noch bunte Geräusche macht.
Die Fantasie wird nicht mehr gebraucht,
sie ist ein Muskel, der verkümmert,
weil niemand ihn benutzt.
Und doch frage ich mich, ob es wirklich nur Bequemlichkeit ist
oder ob die Wahrheit selbst unmodern geworden ist.
Nicht die große, glänzende Wahrheit,
die man auf Plakate druckt,
sondern die leise, innere,
die sich erst zeigt, wenn man lange genug
in einen Satz hineinhorcht.
Diese Art Wahrheit verkauft sich schlecht,
sie ist zu schwer, zu langsam,
und sie verlangt, dass man sich selbst aushält.
Vielleicht ist das der eigentliche Grund,
warum die Welt lieber flimmert als spricht.
Ich lese Studien, die behaupten,
dass die Menschheit verdummt,
aber ich glaube, es ist komplizierter.
Wir verlernen nicht das Denken,
wir verlernen nur die Geduld,
die nötig wäre, um Gedanken zu Ende zu führen.
Wir erschaffen uns Realitäten,
die leicht genug sind,
um sie mit einer Hand zu halten.
Und die Medien folgen dieser Bewegung,
als hätten sie Angst,
dass ein zu langer Satz
die Menschen vertreibt.
Trotzdem schreibe ich.
Vielleicht aus Trotz,
vielleicht aus einer alten Gewohnheit,
vielleicht, weil ich spüre,
dass irgendwo zwischen den Zeilen
noch etwas lebt,
das sich nicht in fünf Sekunden
erklären lässt.
Etwas, das sich weigert,
in die neue Ordnung zu passen.
Ein Rest von Tiefe,
ein schwacher Funken,
der nur sichtbar wird,
wenn man lange genug hinsieht.
Und vielleicht ist genau das
der Grund, warum Schreiben
nicht unnötig wird.
Weil es Räume öffnet,
die sonst niemand mehr betritt.
Weil es eine Art leises Archiv ist
für all das,
was die Welt zu schnell vergisst.
Und weil irgendwo,
vielleicht nur ein einzelner Mensch,
doch noch liest
und in diesen Sätzen
eine Schwingung findet,
die ihn daran erinnert,
dass er mehr ist
als ein Daumen auf einem Bildschirm.