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Feedback jeder Art Der alte Indianer betreibt einen Tabakladen

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  • Joshua Coan
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Manchmal grüßt er mich mit „Hau!“, der alte Indianer vom Volk der Houma von Louisiana. Ich bin dann jedes Mal überrascht und lächle grüßend zurück. Sonst spricht er kaum ein Wort, außer wenn er Preise nennt. Er hat einen Tabakladen am Rande der Bayous. Verkauft auch jede Menge Anglerzeugs. Ob er merkt dass ich sein Gesicht studiere? Die Augen kaum mehr als Schlitze. Das Lächeln auf den dicken Lippen eingefroren, stets mit Kippe im Maul. So markante Wangenknochen! Steht er da und angelt mit mir in Harmonie, im trüben Wasser am Sumpfrande. Auf der blauen Fransenweste, ein Paar Kriegsorden. Mir war mal zu Ohren gekommen, irgendwer hätte im Nachbarort, Orden aus dem Museum gestohlen.
An einem Morgen spazierte ich mit der Angel auf der Schulter zu seinem Laden hinunter. Ein gelber Holzwagen mit rotem Dach. „Lobelie & Fish“ stand auf dem Schild über der Tür. Verdammt stark, der Indianer-Tabak, denke ich mir. Ihn und seine Cousins macht das Schnupfen und Rauchen wach, mich und meines Gleichen boxt es mit Hallus in den Schlaf. Ich hab mal dran gezogen, an seinen selbstgedrehten Zigaretten. Nie wieder spirituelle Ahnenkunde! Nur noch die des Weißen Mannes für meine Lunge. Er war nicht da.
Aber die Tür stand offen. Das alte Grammophon im Eingang spielte träge Trompetenmusik und eine dicke schwarze Frau sang. „Hallo?“ Keiner da. Ich wollte ein paar Schlammkrebse als Fischköder kaufen. Der Alte hatte ein Talent sie aus den Matschlöchern im Sumpf zu fischen. Manchmal versank sein ganzer Arm bis zur Schulter im Schlamm. Und Alligatoreneier verstand er zu stehlen. Hab ihn mal verdammt schnell durch den Sumpf rennen sehen.
Ich setzte mich auf den Schaukelstuhl neben der Tür und wartete bis er zurück kam. Die Mücken summten, ich fluchte, meine Hand klatschte mir selbst ins Gesicht. Die Zeit verstrich. Er kam einfach nicht. Ich ging in den Laden. Bediente mich selbst. Stopfte mir die kleinen Krebse in die Taschen und legte das Geld in die leere Kasse. Als ich wieder hinauf wollte, fiel mir plötzlich etwas auf. Sein Rangerhut mit der geknickten Feder lag am Steg. Ich spazierte ans Wasser, schaute mich um und hob ihn auf. Merkwürdig… Ich spazierte an giftigen Oleanderbüschen mit rosa Blüten vorbei, sah mich bei den Schilfpflanzen weiter um. Keine Spuren im Schlamm. War er etwa Schwimmen gegangen? In dem stinkenden Wasser? Es blieb ein Rätsel. Ich spazierte wieder heim.
Am Abend unter tausend Sternen, zwischen den mit Moosgirlanden behangenen Bäumen, spazierte ich nochmal zu seinem Laden. Erleichtert sah ich das Licht brennen. Doch heraus kamen nur seine Cousins aus dem Laden. Diskutierten laut in ihrer Sprache. Ich kam dazu und fragte nach ihm. Sie zeigten mir seine gebrochene Angel. Später erzählte man sich, er hätte den großen weißen Wels gefangen und sei in den Fluss gezogen worden. Mitgezogen und auf nimmer Wiedersehen im Sumpf verloren. Ich kratzte mir die Schläfe und dachte eher an Raub und Mord. Sein Laden wurde geschlossen. Die Fenster eingeschlagen, die Tür zugenagelt. Ich saß da auf meiner Veranda und starrte in die Nacht im Sumpf.
Der faulige Gestank wehte mir entgegen, während Frösche sich die Kehlsäcke wund quakten. Nichts war da außer Dunkelheit. Ich entspannte Großvaters Flinte wieder, pustete die Handlaterne aus und ging wieder ins Haus.​
 
  • Joshua Coan
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