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Feedback jeder Art Der Baum

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Aus der Reihe Gedankensalat (XXX) in Form einer Prosopopöie


Ich stehe lange genug,
um den Irrtum der Bewegung zu kennen.
Alles, was sich beeilt,
verschwindet früher, als es glaubt.
Blätter, Tiere, Stimmen, Sommer –
sie kommen mit dem Anspruch auf Dauer
und enden wenig später im Dreck.

Der Morgen hängt mir Tau in die Krone,
als wäre Frische ein Versprechen.
Dann kommt die Sonne
und nimmt ihn fort.
So geht das hier:
erst Glanz, dann Verdunstung.

Zwischen meinen Zweigen
spannt einer sein Netz.
Ein anderer fliegt hinein.
Auch das gehört zur Ordnung.
Nicht gerecht, nicht grausam –
nur gründlich.

Meine Früchte fallen nicht aus Übermut.
Sie fallen,
weil Halten keine Lösung ist.
Unten wird gefressen,
vergraben, vergessen.
Manches kehrt zurück.
Das meiste nicht.

Ich trage Wunden im Stamm.
Käfer lesen darin,
was die Jahre hineingekerbt haben.
Harz schließt,
was offenblieb.
Langsam.
Zäh.
Ohne Trost.

Unter mir singt ein Vogel,
als gäbe es keinen Verlust.
Auf der Lichtung stirbt etwas,
das eben noch Sprünge war.
Der Wind geht hindurch,
ohne einzugreifen.

Ich habe nie verstanden,
warum der Mensch
aus allem eine Botschaft machen will.
Ein Fall ist ein Fall.
Eine Wunde ist eine Wunde.

Meine Wurzeln greifen tiefer,
je länger ich stehen muss.
Vielleicht ist das Würde:
nicht unversehrt zu bleiben,
sondern trotz allem
nicht umzufallen.
 
@Tanqueray

Lieber T.,
das musste jetzt rasch zurück: Danke dir.
So ein Lunchtime-Lob nimmt man sehr gern mit.

@Cornelius

Moin Cornelius,
ganz herzlichen Dank dir – „baumstark“ nehme ich natürlich gern mit.
Dass du dem Text noch ein paar weitere Lesedurchgänge gönnen willst, freut mich besonders.

@Windo

Hallo Windo,
danke dir.
Die Stelle ist bewusst offen gehalten – gemeint ist ein eben noch lebendes,
springendes Wesen, ohne es genauer festzulegen.
Der Text soll da eher Raum für Vorstellung lassen als alles ausformulieren.

@Rudolf Fritz-Roessle

Lieber Rudolf,
danke dir – kurz kann manchmal genau richtig sein.
Es freut mich sehr, wenn der Text dir so gut gefallen hat.

LG @ all
Driekes
 
Hallo Driekes,

auch die stärksten Wurzeln können das Fallen am Ende nicht aufhalten!"
Die Sicht auf das Leben aus der Perspektive eines Baums gefällt mir gut."
Falls Du noch am Text arbeiten möchtest hätte ich folgende Anregungen:
und enden wenig später im Dreck.
"Dreck" ist mir zu menschlich, denn ein Baum lebt vom Verwesenden!

spannt einer sein Netz.
Ich würde "eine" vorschlagen, denn es ist wohl eine Spinne gemeint?

was die Jahre hineingekerbt haben.
Mir würde da "eingekerbt" reichen, denn hinein steht mehr für bohren!

das eben noch Sprünge war.
Statt "war" könnte Ich mir "machte" oder "im Springen war" vorstellen!

LG
Perry
 
Moin @Perry

danke dir fürs genaue Lesen und deine Anmerkungen.
Einige der von dir genannten Stellen sind bewusst so gesetzt.
Der Baum spricht hier nicht als botanisches Fachbuch,
sondern in einer Prosopopöie – also mit menschlicher Stimme.
Deshalb wollte ich nicht alles naturkundlich oder wörtlich auflösen.

LG
Driekes
 
Sehr schön, lieber Driekes,

Wer lang genug lebt, weiß, dass Vergänglichkeit ein nicht hinterfragbares Fakt ist, nur umso schneller kommt, je mehr man an der Gegenwart festhält. Wer Veränderungen an sich selbst zulässt, kann ein würdiges Altern erreichen.

Zustimmend gelesen.
LG g
 
Hallo lieber Driekes, so ein Baum kann viel erzählen ebenso wie ein älterer Mensch. Mir gefällt Deine Beschreibung aus der Sicht eines Baumes sehr gut. Und ja, auch ein Baum hat meines Erachtens Würde. Ich habe Achtung vor der Natur und bestaune gern alte riesige Bäume.

Es grüßt Juls
 
@gummibaum

Lieber g,
danke dir.
Ja, das Festhalten ist oft der eigentliche Schmerz –
nicht die Vergänglichkeit selbst.
Dass du den Gedanken des würdigen Alterns
darin mitliest, freut mich sehr.


@Darkjuls

Hallo liebe Juls,
danke dir für deine schöne Rückmeldung.
Ja, alte Bäume haben etwas, das man fast nur mit Würde benennen kann.
Dass du genau das im Text wiederfindest, freut mich sehr.


Es grüßt
Driekes
 
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