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Feedback jeder Art Die Häuser der Vergangenheit

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  • Sam de Wenah
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Die Häuser der Vergangenheit
III. Gedicht aus dem Zyklus "Die Träume, die wir zurückließen"
von Sam de Wenah


Es gibt eine Stadt,
die auf keiner Karte steht.

Wir betreten sie
nur in stillen Nächten

oder wenn ein Geruch
aus vergangenen Sommern
uns plötzlich zurückholt
in ein Leben,
das noch offen war.

Dort stehen sie noch.

Die Häuser
unserer Vergangenheit.

Ihre Türen
sind nicht verschlossen.

Wir haben nur verlernt,
wie man sie öffnet.

In einem Haus
liegt noch das Zimmer
unserer Kindheit.

Das Fenster offen.

Der Wind darin
kennt noch unseren Namen.

Die Luft
schmeckt nach Tagen,
die nichts von morgen wussten.

Auf dem Tisch
liegen Pläne,

so groß,
als hätte die Welt
kein Ende.

Im nächsten Haus
sitzt jemand
auf einer schmalen Treppe.

Er sieht auf,

als würden wir gleich
zu ihm zurückkehren.

Er ist
wer wir waren.

Und er glaubt noch,

dass das Leben
ein weites Land ist,

dass Wege
nicht verloren gehen,

nur weil man sie verlässt.

Manchmal
gehen wir durch diese Straßen.

Langsam.

Wie Fremde
in den Räumen
unseres eigenen Mutes.

Wir sehen Türen,
die wir nie geöffnet haben.

Und Wege,
die immer noch auf uns warten.

Und irgendwo
in dieser stillen Stadt

stehen wir uns selbst gegenüber.

Jung.
Unerschrocken.

Mit einem Herzen,
das noch nicht gelernt hatte,
sich zu erklären.

Dann gehen wir wieder.

Zurück
in unsere Gegenwart.

In Tage,
die enger sind
als wir selbst.

Doch wenn wir uns
noch einmal umdrehen,

liegt diese Stadt
noch immer hinter uns.

Still.
Geduldig.

Wie ein Leben,
das wir nicht gelebt haben.

Und sie wartet nicht darauf,
dass wir anklopfen.

Sondern darauf,
dass wir begreifen,

dass ihre Türen
nie verschlossen waren.
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin @Sam de Wenah

dieser Text hat etwas seltsam Helles und Trauriges zugleich.
Die Stadt als Ort der Vergangenheit ist ein starkes Bild –
nicht museal, nicht verklärt, sondern bewohnbar im Innern.
Man geht beim Lesen tatsächlich durch diese Straßen mit.

Schön finde ich, dass die Vergangenheit hier nicht als bloßer Verlust erscheint.
Sie ist nicht einfach „weg“, sondern weiterhin da – nur unser Zugang zu ihr hat sich verändert.
Genau darin liegt für mich die Tiefe des Gedichts: Nicht die Häuser haben sich verschlossen,
sondern etwas in uns ist stiller, vorsichtiger, fremder geworden.

Sehr stark ist auch diese Begegnung mit dem früheren Selbst auf der Treppe.
Das hat etwas Schmerzhaftes, aber nichts Sentimentales.
Eher die stille Erkenntnis, dass in uns noch immer jemand lebt,
der weiter war als wir dachten.

Und der Schlusssatz trägt den ganzen Text noch einmal auf eine größere Ebene:
Manchmal sind es nicht die verlorenen Möglichkeiten, die uns verfolgen,
sondern die Einsicht, dass manches noch immer da ist –
und wir selbst es sind, die vor der Schwelle stehen.

Ein sehr schönes Gedicht über Erinnerung,
innere Räume und die Frage, was in uns nicht verloren geht.

Ein Text wie ein durchschrittener Erinnerungsraum.

Gern gelesen

LG Driekes
 
  • Sam de Wenah
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