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Feedback jeder Art Die versperrte Tür (1968)

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Ein Sommer in Unruhe, die Welt stand in Brand,
der Prager Frühling erschütterte fern jedes Land.
Er war neunzehn Jahre, ein Talent ohne Maß,
doch in der grauen Kaserne herrschte Befehl – ohne Rast.

Ein Ausgang verboten, die Vorschriften waren klar,
doch Funktionäre drängten: „Das Spiel ist heut’ da.“
Er ging und er spielte, vom Jubel umweht,
kehrte nachts in die Stille, von niemandem erspäht.

Am Morgen die Zeitung, gedruckt schwarz auf weiß,
sein Name in Reihen — der Anfang vom Preis.
Was heimlich geschehen, lag offen im Licht
und Neid wurde Ankläger, die Pflicht vorm Gericht.

Das Urteil fiel hart, man nannte es Verrat,
sie nannten es Fahnenflucht, Vergehen am Staat.
Die Herren im Hintergrund kauften sich frei —
er zahlte den Preis – und zerbrach dabei.

Ein Stempel im Register, ein Makel im Recht,
fortan galt er amtlich als politisch zu schlecht.
Der Radikalenerlass verschloss jede Tür,
kein Dienst für den Staat war vorgesehen für ihn hier.

An den Walzen der Presse, im Rhythmus der Zeit,
druckte er Nachrichten, Hoffnung und Leid.
Der Buchstabe einst, der ihn schmerzlich traf,
wurde Arbeit und Alltag in schweigendem Schlaf.

Der Ball auf den Plätzen, einst Ruhm und Talent,
blieb später nur Freizeit, die kaum einer kennt.
Kein Rasen der Liga, nur Asche im Wind —
ein Leben am Rand, das im Schweigen verrinnt.

Die Tür blieb verschlossen, der Schlüssel verwehrt,
doch leise blieb aufrecht, was tief in ihm nährt.
Im Takt seiner Schritte, im Druck jeder Zeil’
bewahrte er Würde — unsichtbar und heil.
 
Lieber Max,
ein Beitrag zur Geschichte der BRD und der persönlichen Standhaftigkeit eines vom System gebrochenen Menschen. So lese ich das.

Die russische Niederschlagung der Demokratisierung in der CSSR (Prager Frühling, 1968) verschärft die Disziplinierung in westdeutschen Kasernen. Ein Soldat entfernt sich dennoch auf Betreiben von Funktionären unerlaubt vom Dienst und nimmt an einem wichtigen (Fußball)spiel teil. Das wird ihm zum Verhängnis (Vorwurf Fahnenflucht). Menschen, die ihm sein Sportlertalent neiden, ruinieren seine Karriere. Er ist aktenkundig..... Bis dahin alles klar.

Was ich nun nicht verstehe:
Durch den Radikalenerlass (1972) wird er offensichtlich als linksextrem eingestuft und durch Berufsverbot vom Staatsdienst ausgeschlossen. Wieso macht ihn die Fahnenflucht zum angeblich politisch Radikalen?

Mit Interesse gelesen.
LG g
 
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Hallo Gummibaum,

nach seinen Erzählungen war damals ein ganz anderes Empfinden für die Bundeswehr und Bedrohung der BRD vorhanden, das ich noch Mitte der 70ziger bis in die 80ziger Jahre selbst noch am Rande miterlebt habe. Zuerst wurde er durch das Militärgericht u.a. wegen Fahnenflucht verurteilt, was natürlich zivilrechtlich ebenfalls als vorbestraft gilt. Es wurde so hingedreht, dass er sich gegen die Grundordnung der Bundesrepublik und gegen das Grundgesetz gestellt hat. Definitiv wurde er für die bei einer späteren Bewerbung für die Beamtenlaufbahn wegen den Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis abgelehnt. Wieweit der Radikalenerlass dabei eine Rolle gespielt hat, ist schwer nachvollziehbar. Die Ironie des Schicksals ist, dass er später bei einer Zeitung als Drucker gearbeitet hat, obwohl Zeitungen seinen Namen veröffentlichten.

Liebe Grüße
Max
 
Danke für die Erklärung, lieber Max.
Das mit der Zeitung (Ironie des Schicksals) hatte ich verstanden, aber nicht erwähnt. Es ist natürlich wichtig für sein Leben, für der Doppelrolle der Medien und für das Gedicht.

LG g
 
Hallo Max
Ich habe einen sehr interessanten Film in arte gesehen
Wie die ukrainischen Kinder in den annektierten Gebieten zu guten Russen erzogen werden sollen. Kulturkampf pur. Sie schrecken nicht mal davor zurück Kinder an Waffen auszubilden um gegen ihre eigenen Landsleute in Zukunft anzutreten
Hier werden Weltanschauungen geschaffen
Spannung Ost-West
Menschen werden ihrer eigentlichen Bestimmung beraubt
Fremdgesteuert ist wohl in
 
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