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Feedback jeder Art Die Zimmer, die still geworden sind

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  • Sam de Wenah
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Die Zimmer, die still geworden sind​

II. Gedicht aus dem Zyklus "Leere Arme"
von den kleinen Herzen, die gingen und der Liebe, die geblieben ist


Es gibt Wohnungen,
in denen die Zeit nicht mehr weitergeht.

Von außen
sehen sie aus wie alle anderen.

Fenster.
Licht.
Menschen,
die einkaufen gehen,
lachen,
irgendwie funktionieren.

Doch hinter manchen Türen
lebt noch immer
ein ungelebtes Leben.

Ein kleines Bett.

Winzige Kleidung,
sauber gefaltet.

Eine Spieluhr,
die niemand mehr aufziehen wird,
weil ihre Melodie
zu viel zerstören würde.

Und manchmal betreten Eltern
diese Zimmer nur noch langsam,
als könnten hastige Bewegungen
auch die letzten Spuren vertreiben.

Denn irgendwann
beginnt die größte Angst nicht mehr beim Tod.

Sondern beim Vergessen.

Dann sitzen zwei Menschen nachts wach
und versuchen festzuhalten,
wie viel Liebe bereits existieren konnte,
bevor ein gemeinsames Leben überhaupt beginnen durfte.

Wie sehr ein kleines Herz
schon vermisst werden kann,
obwohl die Welt es niemals kennenlernen durfte.

Und manchmal
geschieht das Unfassbare:

Dass man plötzlich Angst bekommt,
selbst die kleinsten Augenblicke
nicht mehr vollständig im Herzen zu tragen.

Das ist der Zeitpunkt,
an dem Trauer keine Emotion mehr ist.

Sondern ein Abgrund.

Wenn Menschen anfangen,
selbst kleinste Erinnerungen
vor dem Vergessen zu schützen.

Und draußen
geht das Leben weiter.

Leute beschweren sich über Belanglosigkeiten.
Autos fahren durch Regen.
Irgendwo lacht jemand laut.
Irgendwo wird Zukunft geplant.

Während in manchen Häusern
noch immer Eltern sitzen,
die lernen müssen,
mit einem fehlenden Herzschlag zu leben.

Und dennoch -

gibt es diese stillen Augenblicke,
über die kaum jemand spricht.

Wenn plötzlich ein Windzug
durch einen Raum streift.

Wenn ein vertrauter Geruch auftaucht,
ohne Erklärung.

Wenn zwei erschöpfte Menschen
für einen einzigen Atemzug spüren,
dass Liebe vielleicht schwerer ist als der Tod.

Vielleicht endet ein Herzschlag -
aber niemals das, was er berührt hat.

Sternenkinder hinterlassen
nicht nur Trauer.

Sondern eine Liebe,
die bleibt -
obwohl das gemeinsame Leben
nie beginnen durfte.

Und die wahre Tragödie besteht womöglich nicht darin,
dass diese kleinen Herzen aufgehört haben zu schlagen.

Sondern darin,
dass so viel Liebe zurückbleibt,
für ein Leben ,
das niemals wirklich begonnen durfte.
 
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