Drei Abschiede vom Bahnhof
Daniil Lazko
28. April 2026
I
nach der Art Heinrich Heines
Bahnhof um Mitternacht
Das Pflaster glänzt vom Regen,
Die Lampen flackern müd';
Ein Zug steht da und athmet,
Indeß der Mond verglüht.
Wir stehn an seinem Fenster,
Die Koffer stumm zur Hand,
Und sprechen von dem Wetter,
Als wär' uns nichts verwandt.
Ein Pfiff. Die Räder seufzen,
Dein Antlitz gleitet sacht –
Du winkst, ich heb' die Hand noch,
Und habe schon gelacht.
Es zieht der Rauch nach Norden,
Die Schienen ruhn im Licht,
Und mit dir fährt ein Sommer,
Der wiederkehret nicht.
Ich geh' durch leere Gassen,
Im Pfützenglas der Mond,
Der lächelt wie ein Spötter,
Der lang' im Herzen wohnt.
II
nach der Art Rainer Maria Rilkes
Der Bahnhof, spät
Die Lampen sind aus Regen,
und jeder Tropfen weiß,
daß unter ihm ein Pflaster
sich selber nicht mehr heiß
genug ist, um zu glänzen –
es spiegelt nur und schweigt.
Ein Zug, der nicht mehr unser,
hat sich zu uns geneigt.
Wir halten, was zu halten
in diesen Händen war:
ein wenig Stoff, ein Lederngriff,
ein angefangnes Jahr.
Du sprichst, und deine Stimme
geht schon den Schienen nach,
als wäre sie das Bleiben
nicht mehr in mir, nur Sprach'.
Dann jenes leise Wachsen
der Räder, das geschieht
nicht außen, sondern drinnen,
wo etwas sich verzieht
wie Wasser unter Glase,
das langsam anders steht –
und plötzlich ist das Ferne
das, was durch mich geht.
Ich bleibe wie ein Bahnhof,
durch den die Stunden gehn,
mit Rauch in allen Hallen
und keinem mehr zum Sehn.
In einer Pfütze trägt
der Mond ein fremdes Kleid –
und lernt, daß auch das Spiegeln
ein Tun ist mit der Zeit.
III
neutrale Moderne
Bahnhof, 23:47
Der Regen hat aufgehört,
nur das Pflaster weiß es noch nicht.
Ein Zug steht da, wie Züge stehen:
geduldig, mit laufendem Motor.
Wir reden über das Umsteigen.
Du fragst, ob die Heizung im Wagen geht.
Ich sage, sie wird wohl gehen.
Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Dann der übliche Ablauf:
Türen, Pfiff, das langsame Anfahren,
das man nicht bemerkt,
solange man noch winkt.
Was abfährt, ist ein Zug.
Was bleibt, ist ein Mensch auf einem Bahnsteig,
der gelernt hat,
daß manche Sätze sich nicht zu Ende sagen lassen,
weil der Andere
schon nicht mehr in Hörweite ist.
Ich gehe zum Ausgang.
Die Anzeigetafel
listet weiter Verbindungen auf,
als ginge das jemanden an.
Drei Register, eine Szene · 2026
Anmerkung
Der vorliegende Text stammt inhaltlich und gestalterisch vollständig von mir. KI diente mir ausschließlich als unterstützendes Instrument bei der Reflexion und sprachlichen Präzisierung. Die beigefügten zwei Bilder wurden ebenfalls mithilfe eines KI‑Modells erzeugt.
Daniil Lazko
28. April 2026
I
nach der Art Heinrich Heines
Bahnhof um Mitternacht
Das Pflaster glänzt vom Regen,
Die Lampen flackern müd';
Ein Zug steht da und athmet,
Indeß der Mond verglüht.
Wir stehn an seinem Fenster,
Die Koffer stumm zur Hand,
Und sprechen von dem Wetter,
Als wär' uns nichts verwandt.
Ein Pfiff. Die Räder seufzen,
Dein Antlitz gleitet sacht –
Du winkst, ich heb' die Hand noch,
Und habe schon gelacht.
Es zieht der Rauch nach Norden,
Die Schienen ruhn im Licht,
Und mit dir fährt ein Sommer,
Der wiederkehret nicht.
Ich geh' durch leere Gassen,
Im Pfützenglas der Mond,
Der lächelt wie ein Spötter,
Der lang' im Herzen wohnt.
II
nach der Art Rainer Maria Rilkes
Der Bahnhof, spät
Die Lampen sind aus Regen,
und jeder Tropfen weiß,
daß unter ihm ein Pflaster
sich selber nicht mehr heiß
genug ist, um zu glänzen –
es spiegelt nur und schweigt.
Ein Zug, der nicht mehr unser,
hat sich zu uns geneigt.
Wir halten, was zu halten
in diesen Händen war:
ein wenig Stoff, ein Lederngriff,
ein angefangnes Jahr.
Du sprichst, und deine Stimme
geht schon den Schienen nach,
als wäre sie das Bleiben
nicht mehr in mir, nur Sprach'.
Dann jenes leise Wachsen
der Räder, das geschieht
nicht außen, sondern drinnen,
wo etwas sich verzieht
wie Wasser unter Glase,
das langsam anders steht –
und plötzlich ist das Ferne
das, was durch mich geht.
Ich bleibe wie ein Bahnhof,
durch den die Stunden gehn,
mit Rauch in allen Hallen
und keinem mehr zum Sehn.
In einer Pfütze trägt
der Mond ein fremdes Kleid –
und lernt, daß auch das Spiegeln
ein Tun ist mit der Zeit.
III
neutrale Moderne
Bahnhof, 23:47
Der Regen hat aufgehört,
nur das Pflaster weiß es noch nicht.
Ein Zug steht da, wie Züge stehen:
geduldig, mit laufendem Motor.
Wir reden über das Umsteigen.
Du fragst, ob die Heizung im Wagen geht.
Ich sage, sie wird wohl gehen.
Mehr ist dazu nicht zu sagen.
Dann der übliche Ablauf:
Türen, Pfiff, das langsame Anfahren,
das man nicht bemerkt,
solange man noch winkt.
Was abfährt, ist ein Zug.
Was bleibt, ist ein Mensch auf einem Bahnsteig,
der gelernt hat,
daß manche Sätze sich nicht zu Ende sagen lassen,
weil der Andere
schon nicht mehr in Hörweite ist.
Ich gehe zum Ausgang.
Die Anzeigetafel
listet weiter Verbindungen auf,
als ginge das jemanden an.
Drei Register, eine Szene · 2026
Anmerkung
Der vorliegende Text stammt inhaltlich und gestalterisch vollständig von mir. KI diente mir ausschließlich als unterstützendes Instrument bei der Reflexion und sprachlichen Präzisierung. Die beigefügten zwei Bilder wurden ebenfalls mithilfe eines KI‑Modells erzeugt.