Aktuelles
Gedichte lesen und kostenlos veröffentlichen auf Poeten.de

Poeten.de ist ein kreatives Forum und ein Treffpunkt für alle, die gerne schreiben – ob Gedichte, Geschichten oder andere literarische Werke. Hier kannst du deine Texte mit anderen teilen, Feedback erhalten und dich inspirieren lassen. Um eigene Beiträge zu veröffentlichen und aktiv mitzudiskutieren, ist eine Registrierung erforderlich. Doch auch als Gast kannst du bereits viele Werke entdecken. Tauche ein in die Welt der Poesie und des Schreibens – wir freuen uns auf dich! 🚀

Textarbeit erwünscht Entgegnung

Der/die Autor/in wünscht sich konkrete Rückmeldungen zur Textgestaltung.
  • Claudi
    letzte Antwort
  • 2
    Antworten
  • 36
    Aufrufe
  • Teilnehmer
Entgegnung

Nicht vergangen, nicht verwandelt ist, was war.
Als Schicht des Alten wurzelt es unwandelbar
in einer tiefengrenzenlosen Gegenwart.
Es ist lebendig in dem großen Geist bewahrt.

So sind alle früheren Menschen und Dinge
am Leben wie die inneren Jahresringe
alter Bäume. Und ist der letzte Sommerwald
noch da. Als Schicht. Nur übermalt.

Wie ein Pinselstrich den letzten bedeckt,
ist das alte Bild noch im neuen versteckt.
Es leuchtet hervor mit feinem Schimmer
und raunt verstohlen: Jetzt ist immer.


(HL)

--------------------------------------------------------


"Vergangen nicht, verwandelt ist, was war."
Rainer Maria Rilke


-------------------------------------------------------

Die Strophen zwei und drei meines Gedichts sind für mich noch nicht rund. Ich hoffe, ich habe das Label richtig verstanden – und lade alle herzlich zu Vorschlägen ein! Vielen Dank!
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Zaungast,

keine Sorge, ich verstehe das Label auch nie.
Mir fällt erst mal auf, dass die Zeilen ziemlich verschieden lang sind, was sie fürgewöhnlich nicht sein sollen.
Und meinem Empfinden nach ist "Gegenwart / bewahrt" kein Reim.
Mal so auf den ersten Blick.

Schönen Gruß!
Uwe
 

Claudis Themen
Hallo Zaungast,

willkommen in unserer Runde!

Dein Gedicht läuft auch in der ersten Strophe noch nicht ganz rund. Ich zeige dir mal am Beispiel von Rilkes Versen, wie es eigentlich bei Reimgdichten gedacht ist. Damit die Reime gut klingen, sollten die Verse einem bestimmten Muster von unbetonten und betonten Silben folgen. Dieses Muster nennt man Versmaß (Metrum). Dadurch bekommt das Gedicht einen schönen Rhythmus.

Ich mach mal alle betonten Silben fett:

Vergangen nicht, verwandelt ist was war.
(O wie unsäglich selig kehrt es wieder.)
Einst war es Fest und Andacht und Gefahr,
dann ging es langsam wie ein Abend nieder
und ist jetzt Angesicht und Hand und Haar:
O wie unsäglich selig kehrt es wieder.

In Rilkes Versen siehst du also, dass sie immer unbetont beginnen und sich dann immer genau eine betonte mit einer unbetonten Silbe abwechselt, und zwar genau fünfmal in jedem Vers. Man nennt das fünfhebig.

Jetzt zu deinen Versen:

Sprachlich finde ich sie gelungen. Du hast den erhabenen Stil gut getroffen. Die alternierende Betonung hast du auch gut hinbekommen, aber da du den Anfang des ersten Verses verdreht hast, beginnt dein erster Vers betont.

Danach stimmen die unbetonten Versanfänge, deine Verse sind allerdings sechshebig. Mich stört das nicht. Der Rhythmus ist ja trotzdem da. Ich wollte es nur erwähnen. Wenn du die drei Folgeverse aber so lässt, passt der erste natürlich nicht dazu (mich stört es auch nicht sonderlich, du solltest dir nur dessen bewusst sein):

Nicht vergangen, nicht verwandelt ist, was war.
Als Schicht des Alten wurzelt es unwandelbar
in einer tiefengrenzenlosen Gegenwart.
Es ist lebendig in dem großen Geist bewahrt.

Wie Uwe schon sagte, hast du in V3 und V4 beide Male den gleichen Klang im Endreim. Dass die Endungen unterschiedlich geschrieben werden, hört man ja nicht und Reime sind nicht fürs Auge, sondern nur fürs Ohr gedacht. Man nennt das einen rührenden Reim. Man kann es machen, schöner klingen für mich reine Reime wie Rilke sie verwendet hat.

Du hattest es ja schon im Gefühl: Die anderen beiden Strophen sind nicht im alternierenden Metrum. Hier hast du manchmal zwei unbetonte Silben zwischen die betonten gemischt, die Verse haben teilweise unterschiedliche Längen und beginnen mal betont, mal unbetont. Deswegen klingt es anders. Möchtest du selbst mal herausfinden, wo die Betonungen liegen? Oder soll ich es dir zeigen?

LG Claudi
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Claudi
    letzte Antwort
  • 2
    Antworten
  • 36
    Aufrufe
  • Teilnehmer

Themen Besucher

Zurück
Oben