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Feedback jeder Art Freuds Fischsuppe

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Als Wachtmeister Janus Krohl
träumte, fühlte er sich wohl.
In seinem Bettgestell aus Zedern
mit Pölstern voller Vogelfedern,
lag er bedeckt bis auf die Zehen.
Die er gern ließ vom Wind umwehen.

In seinem Traum war alles richtig,
ohne Menschen, das war wichtig.
Denn er fand die Menschen bloß
grenzen-, scham- und rücksichtslos.
Er nannte es Berufskrankheit.
Es sorgte oft für etwas Streit
oder, und das bestenfalls,
für einen Kloß in seinem Hals.

Als er dann heut früh erwachte
und sein Gebiss zum Strahlen brachte,
sah er was im Spiegelbild,
was ihn zunächst noch unbebrillt,
nicht erschrak, sondern verdutzte,
worauf er seine Brille putzte
und statt sich zu echauffieren,
beschloss den Spiegel zu polieren.

Dann erst wurden weich die Knie,
was im Beruf geschah ihm nie.
Er spuckte rasch die Bürste fort
und sah voller Entsetzen dort
keine Zunge oder Zähne,
sondern eine Netzmuräne.

Die fauchte derart wortgewandt,
dass selbst Herr Krohl den Sinn verstand.
Hygiene fand sie höchstpersönlich
in Eigenregie ungewöhnlich.
"Warum selbst die Zähne wischen?
Überlässt man's Putzerfischen,
macht die Arbeit sich von selber.
Nur die Zähne bleiben gelber."

Gymnothorax favagineus
blockierte seinen Redefluss.
So konnte er rein gar nichts sagen.
Im Kopf, da tanzten tausend Fragen,
doch die Muräne zischte keck
und bestellte Ei mit Speck.

Bald lernte Janus die Lektion,
und das empörte ihn dann schon:
Muränen sitzen immer dort,
wo sie haben das letzte Wort.
Und jene, die in Hälsen weilen
würden nie das Frühstück teilen.

Entmündigt von dem Untermieter
ging hinaus der Ordnungshüter.
Stumm, die Stirn von Schweiß bedeckt,
hielt er seinen Fisch versteckt.
Der ganze Tag war reine Qual.
Er durchlebte nonverbal
wie andere muränenlos
ihr Leben leben und das bloß,
weil er mal nicht zum Reden kam.
Sonst sprach er oft die Leute an,
belehrte sie über die Pflichten,
die viele Menschen nicht verrichten,
und wie Recht und Ordnung sprießt,
wo Janus Krohl die Predigt liest.

Doch heute war sein Recht zu Schweigen
der einz'ge Weg nicht herzuzeigen,
dass so etwas wie ein Aal
saß ihm im Hals ösophagal.
Wie lässt sich auch galant erwähnen,
ein Futteral für Netzmuränen
über Nacht und ohne Grund
zu werden, ohne eig'nen Mund?

Sein Schweigen merkten die Kollegen,
die auf wichtigen Dienstwegen
zum Mittagessen und für Spuren
mit Herrn Krohl zum Billa fuhren.
Spuren fanden sie zwar nicht,
doch war das heutige Gericht
von Janus Krohl
verdächtig voll
von Pikantkäsleberkäse,
der Höhe nach ein Pekinese.

Als sie fragten, wie das geht,
war er nicht auf einer Diät?
verzog er stolz sein Angesicht,
doch eine Antwort gab er nicht.
Dann schlang er mit schlechtem Gewissen
alles in nur einem Bissen
rasend schnell in sich hinein
und klappte seine Kiefer ein.
Sekundenlang blieb alles stumm.
Dann klatschten alle rundherum.

Einer, den Krohl nicht so mochte,
weil er Dienstbriefe schief lochte,
lachte laut und gleichdrauf sorgte,
weil kein Fisch diesen verkorkte,
jener für Krawall am Platz:

"Der heilige Sankt Krohlifaz
hört endlich auf zu missionieren
und zeigt uns seine Tischmanieren.
Heute bei der Mittagsschicht
trägt Janus mal sein Zweitgesicht.
In einer kurzen Semmelpause
isst er die ganze Brettljause.
Willkommen in der Menschenwelt,
wo jeder sich verrückt verhält.
Wir alle sind nun sehr erleichtert,
weil dein Makel dich bereichert."

Völlig baff, aber gerührt,
wurde Krohl nach Haus chauffiert.
Die Muräne war verschwunden,
womöglich zu dem nächsten Kunden,
vielleicht war sie auch abgetaucht,
bis Janus sie mal wieder braucht.

Der legte sich ins Zedernbett
und träumte von einem Bankett
mit drei Menschen oder vieren.
Er konnte es nun tolerieren.

6.5.26
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo Troubadour,
manchmal braucht es eben Hilfe um festgefahrene Verhaltensweisen zu lockern. Eine "Netzmuräne" ist allerdings etwas skurril, mir hätte auch ein Frosch im Hals genügt, aber meine Vorurteile sitzen ja auch nicht so fest wie die von Janus Krohl! 😉
Die satirische Verpackung gefällt mir gut und Ich habs mir "Freud" gelesen!
LG
Perry
 
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