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Feedback jeder Art Gleis 7.

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  • Biermann Christine
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Gleis 7.


Frankfurt - Hauptbahnhof.
Ein bisschen Zeit ist ihnen noch geblieben.
Abfahrt: Frankfurt-Hamburg auf Gleis 7.
Ein Pärchen sitzt auf der Bank eng beieinander.
Er fragt sie: “Noch Proviant und Getränke in Dosen?“
Nein, sie hat noch trockenes Brot und Aprikosen.
Und einen Apfel.

Er streichelt zärtlich ihre Hände,
sie denkt sich Rosen an die verrußten Bahnhofswände.
Sie scheinen unzertrennlich.
Trotzdem. Der Zug rollt ein….
geschieden muss sein.

Der ICE setzt an die lange Strecke -
er weint in einer Bahnhofsecke.
Sie schiebt sich durch die langen Gänge,
findet ihren Sitzplatz im Gedränge;
tapfer behält sie die Tränen in der Kehle.

Eine Mutter und ihre Tochter laden sie zum Kartenspielen ein;
sie macht eine Runde mit und lässt es dann sein.
Sie muss denken.
Denken an drei Tage und Nächte und an das Pärchen,
das den Traum tanzen ließ, wie im Märchen…

Die Realität ausprobiert,
macht sprachlos und fasziniert.
Versichert die Echtheit der Gefühle.
Sie nimmt das Brot heraus, kostet die Aprikosen,
doch ihre Hände den Apfel nur liebkosen.

Zu Hause hat er ihr dann telefoniert,
dass er den Apfel auch nicht angerührt.
Viel zu schön, auch wenn er welkt.

Zwei Träumer, zwei Freunde…und noch viel, viel mehr…
Am Frankfurter Bahnhof saßen sie in einem Menschenmeer
von der Außenwelt ausgeschlossen.

Eine Woche später wurde dort ein Mann erschossen.



Worte: (c) Christine Biermann


...ist unten auch vertont zu hören.


Anhang anzeigen Gleis 7.mp3
 
Zuletzt bearbeitet:
Liebe Jillian,
was für ein schöner Name-,
ich danke dir herzlich für deinen emotionalen Kommentar, über den ich mich sehr gefreut habe.
Ich sehe in dein junges hübsches Gesicht; du könntest meine Enkelin sein.
Das Gedicht habe ich für meinen Freund Ralph geschrieben, es ist so wahr, wie unsere besondere Liebe im Alter.
Schreibst du auch? Kann ich dich finden?
Ganz lieb, Christine und Ralph.
 
@Biermann Christine,

Liebe Christine,
dein Text hat etwas sehr Echtes. Gerade weil er nicht auf große Worte setzt,
sondern auf kleine Dinge: die Bank, das Brot, die Aprikosen, den Apfel.
Genau dadurch bekommt diese Begegnung Wärme und Gewicht.

Der Apfel ist für mich dabei der eigentliche Kern.
Dass ihn am Ende keiner anrührt, sagt mehr als viele Liebesschwüre.
Da bleibt etwas unversehrt, weil es mehr ist als bloßer Proviant.

Man spürt in dem Ganzen gelebte Nähe. Das macht den Text still und schön.
Der letzte Satz kommt dann wie ein kalter Windstoß. Auch das sitzt.

Zärtlichkeit wird nicht kleiner, nur weil die Welt grob bleibt.

Liebe Grüße
Driekes
 
  • Biermann Christine
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