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LYRIK



Herbstregen

Zwei Gedichte








Daniil Lazko







2. Mai 2026





D E U T S C H

I. Im Herbstregen

Die Gassen glänzen schwarz und naß,

Laternen flackern müd';

Der Regen singt ans Fensterglas

Sein altvertrautes Lied.



Ich wandre ohne Ziel und Zweck,

Den Mantel fest gehüllt;

Ein jeder Tropfen weiß den Fleck,

Wo mir das Herz verstummt.



Die Stadt liegt wie ein dunkles Buch

Vor mir auf nassem Stein;

Ich les' darin nach Trost und Spruch –

Die Schrift ist nicht für mich.



In jeder Pfütze schwimmt ein Stern,

Den keiner mehr begehrt;

Die Häuser stehn so stumm, so fern,

Als hätten sie sich abgekehrt.



Ein Schatten huscht, ein Fenster glüht,

Wo jemand drinnen ruht;

Mein Herz, das längst nicht mehr erblüht,

Geht weiter, wie es muß.



Ich frug die Stadt nach einem Wort,

Nach einer kleinen Tür –

Sie sah mich kurz, sie sah dann fort,

Wie man's mit Fremden tut.



So geh' ich weiter, leis' und matt,

Den Hut tief in der Stirn;

Es regnet auf die ganze Stadt

Und auch in mein Gehirn.



Und denk' mir, halb mit feinem Spott:

Wie hübsch, daß niemand sieht,

Wie hier ein wohlgekleid'ter Gott

Durch seine Pfützen zieht.

· · ·

II. Verwandtschaft

Der Regen schreibt auf nasse Steine

Ein Lied, das keiner hören will;

Die Stadt wird klein, die Nacht wird meine,

Und alles, alles wird so still.



Die Lampen schwanken wie Gedanken,

Verirrt im gelben, müden Licht;

Ich zähle Schritte, die versanken,

Und finde meinen Weg doch nicht.



Ein Fenster lacht – dort wohnt das Leben,

Warm eingehüllt in Glas und Schein;

Ich bleibe draußen, ungeladen,

Und friere mich gemütlich ein.



Der Herbst hat mich sehr gut verstanden:

Er leert die Bäume, Blatt für Blatt.

Wir sind einander nah verwandt –

Auch ich weiß kaum, was ich noch hab'.​





Anmerkung des Autors

Diese beiden Gedichte gehören zusammen wie zwei Atemzüge desselben Abends. Das erste — »Im Herbstregen« — ist Bewegung: ein Gang durch die regennasse Stadt, beobachtend, leise spöttisch, mit jenem Mantel der Ironie, den man sich überwirft, wenn das Herz friert. Das zweite — »Verwandtschaft« — ist Stillstand: derselbe Spaziergänger bleibt stehen, hört auf zu spotten und gesteht sich die Verwandtschaft mit dem Herbst ein.

Geschrieben in der Tonart Heinrich Heines, doch ohne ihn zu zitieren. Was bleibt, ist die Haltung: lyrisch, klar, mit einem Lächeln, das die Tränen nicht verbirgt, sondern höflich daneben stellt.


© Daniil Lazko 2026

Erstveröffentlichung : 2. Mai 2026

Alle Rechte vorbehalten

Anmerkung

Der vorliegende Text stammt inhaltlich und gestalterisch vollständig von mir. KI diente mir ausschließlich als unterstützendes Instrument bei der Reflexion und sprachlichen Präzisierung. Die beigefügten zwei Bilder wurden ebenfalls mithilfe eines KI‑Modells erzeugt.
 

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