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Feedback jeder Art Lass mal los

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  • Lucie von Havelland
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Lass mal los

Ich erinnere mich an Harold and Maude –
Mutter hatte 'nen Stock verschluckt,
rutschte rein in den Fragebogen der Partnervermittlung
als wär's ihr eigener, verdammt verrückt.

Nur ist es hier nicht die Upper Class,
sondern Mutti mit Sudetenwurzeln, zäh wie Gras.
Und Harold? Der ist größer,
Beamter der Justiz, hat sein Leben, seine Welt.

Lass mal los, Mutti –
er ist schon groß!


Er kommt mit Mutti, nicht
mit seiner Verlobten –
die hätte widersprochen, die hätte Nein gesagt.
Die Mutter vergleicht das neue Haus
mit ihrem eigenen, ungefragt:

„Ja, die Küche, die ist so wie meine –
fast..."

Lass mal los, Mutti –
er ist schon groß!


Aber was ist denn mit Gardinen?
Und mit 'nem Spiegelschrank im Bad?
Und 'nem Gerätehaus im Garten, bitte sehr!
Sie würde auch den Garten pflegen,
hat so gern die Hortensien – ach je, oh weh!

Lass mal los, Mutti –
er ist schon groß!


Ich krieg grad keine Luft,
bin allergisch gegen Pampasgras und gerüschten Gardinen-Duft.
Erzähle ihr vom Vorteil der freien Sicht in die Hügel:
„Hier kann man nicht reinschauen in die Fenster" –
keine Spießer, keine Schnüffler, keine Flügel.

Lass mal los, Mutti –
er ist schon groß!


Er mag das Moonlight Grey,
und auch sonst das Grau – okay?
Ein Home Office, ja, das wär fein.
Er spricht nicht vom Kinderzimmer,
aber ein Zimmer für seine Frau?
Das soll dann doch nicht sein.

Lass mal los, Sohnemann –
sie ist schon groß!


Lass mal los
und lass mal Licht rein,
Bambus vielleicht im Garten,
genieß den Blick in die Weite – allein.
Mal sehen, was kommt,
mal sehen, wer bleibt,
wenn man nicht mehr klammert,
wenn man nicht mehr treibt.


Ich bin gespannt auf deine Frau,
die in der Großstadt aufgewachsen ist
und keinen Garten braucht – genau!
Vielleicht hat sie ein Rennrad,
fährt den gerüschten Gardinen davon,
und du findest es eigentlich gut – Verrat? Nein, Lohn.

Lass mal los, Sohnemann –
sie ist schon groß!




Hier seid ihr in guten Händen,
euer Ding zu machen.
Lasst mal los –
hier könntet ihr es.

Ich red` euch nicht rein-

Nur bei gerüschten Gardinen.
 
Liebe @Lucie von Havelland,

das ist ein herrlich szenisches Stück – wie ein kleiner Bühnenabend mit Refrain.
Der Einstieg mit Harold and Maude setzt sofort den Ton: schwarzhumorig,
schräg, aber mit echter Familien-Wucht darunter.
Der „Lass mal los“-Chor trägt das wunderbar: erst Mutti, dann Sohnemann,
und plötzlich merkt man, dass Klammern nicht nur „die Mutter“ kann.
Genau dieser Perspektivwechsel macht den Text mehr als Schwiegermutter-Satire.

Die Details sitzen: Küche „fast…“, Gardinen/Spiegelschrank/Gerätehaus –
so klingt ungefragtes Einmischen in echt. Und „Pampasgras und gerüschter Gardinen-Duft“
ist Milieu in einem Atemzug.

Luxusproblem: so viele Treffer, dass es stellenweise etwas atemlos wird –
mit einem Tick mehr Luft vor dem Refrain würde der noch stärker schlagen.

Der Schluss ist dafür perfekt trocken:
„Ich red euch nicht rein— / Nur bei gerüschten Gardinen.“


LG, Driekes
 
  • Lucie von Havelland
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