Macht euch bereit
Die Eltern zeigen tief berührt, von der Nachricht ihre Gefühle. Die Tochter galt, lang schon verirrt´, vermisst, der Tage, viel zu viele.
Aus der Gefangenschaft von weit, erklärt man sich nun doch bereit, es wär´ erlaubt, zu Hause anzurufen. Welch´ große Hoffnung diese Zeilen schufen!
Nun warten Mutter, Vater, täglich. Die Qual des Wartens wird unsäglich, weiß nicht genau, steht im Bericht sobald ich darf, ich melde mich.
Die Wache hält am Telefon, der Eltern Augen, Ohren, schon tagsüber und auch in der Nacht, ob ihnen nicht ein Lichtblick lacht.
Da! Jetzt endlich, das Geläut! Der Freudenmoment, grade heut! Bloß ist er nicht von langer Dauer, knapp vier Minuten. Wieder Trauer.
Doch immerhin, ihr wurd´ versprochen, sie kommt nach Haus, wird´s nicht gebrochen. schon bald im Mai. Dann ist sie frei!
Sie klang so fröhlich, sagt der Vater, macht euch bereit, ich hab´ euch lieb. Davor so stand´s im Brief, sie schrieb.
Dann seufzt die Mutter, schwer, doch leise, sie hat niemandem von ihrer Reise auch nur aufs Leiseste erwähnt. Obwohl, da wir ihr Dasein heiß ersehnt.
Es erreichen die Regionen keine Organisationen. Aus Kerkern, meist improvisierten, dringen Nachrichten. Kursierten, dass fast jeder, der dort inhaftiert, gefoltert und getötet wird.
Es verschwinden täglich Leute, gestern, vorgestern und heute, offiziell ist nichts bekannt Stille quält das ganze Land.
Das Mädchen galt als unerschocken, hartnäckig, mit schwarzen Locken. Eigensinnig fuhr sie hin, furchtlos, Alleinegängerin.
Dies sei ihre verdammte Pflicht, obwohl, schon einmal festgenommen, hielt man über sie Gericht. Dem war sie gerade noch entkommen.
Wenn wir dich hier vergraben, hieß es, dann findet dich wohl keiner mehr. Wir haben für dich kein Verständnis. Doch kam sie frei, durch ein erzwungenes Geständnis.
So großartig ihr Einsatz war, ihr Risiko zu hoch, wohl gar. Hätt´ man ihr nicht den Preis verliehen! Alle hätten ihr verziehen, nicht noch einmal dorthin zu reisen, um abermals Mut zu beweisen.
Nach ihrer Ankunft, ein paar Tag, bricht der Kontakt auf einmal ab. Nach Hinweisen, in Richtung Norden, wär´ sie festgenommen worden.
Das Ministerium wird tätig, schickt einen Brief, der das bestätigt. Satelliten zeigen Mauern, mit Stacheldraht, rundum verhauen.
Ein Mithäftling erinnert sich, das Trinkwasser, das stinkt nach Fisch. Schmutzige Kleidung. Ganz benommen, vom Schlafentzug, Wachleut´, die kommen beinah´ minütlich in die feuchten, hellen, schimmligen Gefängniszellen. Elektroschockverhör an Fingern, an Genitalien verringern, das Gefühl, noch Mensch zu sein. Mit diesem Schicksal ganz allein.
Köpfe unter Wasser stecken, mit der Angst, gleich zu verrecken macht die Härtesten schnell weich, und man ist bereit´ zur Beicht´. Fängt sofort zu reden an, bestätigt, was man nicht getan.
Denn wer schweigt, dem drohen Schläge, Hand und Fuß ab, mit der Säge.
Dieses Mädchen, kluges Wesen, sagt man, sei sehr laut gewesen. Die Folterknechte hat´s gestört, dass sie sich so heftig wehrt.
Wunden hatte sie, und Narben, kauerte am Boden, darben, und auch große Schmerzen. Keine Nachricht, bang im Herzen.
In die Hoffnung, unverdorben, kommt ein Brief, sie sei verstorben, schreibt das Ministerium. Wie? Wodurch? Mysterium.
Boten karren Leichensäcke an aus dieser dunklen Ecke.
Der Körper hier, als namenlos markiert, entpuppt sich rasch, man hat geirrt. In diesem Sack liegt, ganz entstellt, das gute Kind. Oh diese Welt!
Am Körper schlimme Folterspuren, Blutergüsse die hin führen bis dorthin, wo Rippen und die Nase waren. Augenäpfel weg. Weh´ euch, Barbaren!
Es beweist die DNA, das ist eure Tochter da. Und die Eltern seh´n im nu, auf dem Rücken das Tattoo. Versteckt, am Schienbein dran, ein Schild, mit ihrem Namen, und ein Bild.
Die Eltern zeigen tief berührt, von der Nachricht ihre Gefühle. Die Tochter galt, lang schon verirrt´, vermisst, der Tage, viel zu viele.
Aus der Gefangenschaft von weit, erklärt man sich nun doch bereit, es wär´ erlaubt, zu Hause anzurufen. Welch´ große Hoffnung diese Zeilen schufen!
Nun warten Mutter, Vater, täglich. Die Qual des Wartens wird unsäglich, weiß nicht genau, steht im Bericht sobald ich darf, ich melde mich.
Die Wache hält am Telefon, der Eltern Augen, Ohren, schon tagsüber und auch in der Nacht, ob ihnen nicht ein Lichtblick lacht.
Da! Jetzt endlich, das Geläut! Der Freudenmoment, grade heut! Bloß ist er nicht von langer Dauer, knapp vier Minuten. Wieder Trauer.
Doch immerhin, ihr wurd´ versprochen, sie kommt nach Haus, wird´s nicht gebrochen. schon bald im Mai. Dann ist sie frei!
Sie klang so fröhlich, sagt der Vater, macht euch bereit, ich hab´ euch lieb. Davor so stand´s im Brief, sie schrieb.
Dann seufzt die Mutter, schwer, doch leise, sie hat niemandem von ihrer Reise auch nur aufs Leiseste erwähnt. Obwohl, da wir ihr Dasein heiß ersehnt.
Es erreichen die Regionen keine Organisationen. Aus Kerkern, meist improvisierten, dringen Nachrichten. Kursierten, dass fast jeder, der dort inhaftiert, gefoltert und getötet wird.
Es verschwinden täglich Leute, gestern, vorgestern und heute, offiziell ist nichts bekannt Stille quält das ganze Land.
Das Mädchen galt als unerschocken, hartnäckig, mit schwarzen Locken. Eigensinnig fuhr sie hin, furchtlos, Alleinegängerin.
Dies sei ihre verdammte Pflicht, obwohl, schon einmal festgenommen, hielt man über sie Gericht. Dem war sie gerade noch entkommen.
Wenn wir dich hier vergraben, hieß es, dann findet dich wohl keiner mehr. Wir haben für dich kein Verständnis. Doch kam sie frei, durch ein erzwungenes Geständnis.
So großartig ihr Einsatz war, ihr Risiko zu hoch, wohl gar. Hätt´ man ihr nicht den Preis verliehen! Alle hätten ihr verziehen, nicht noch einmal dorthin zu reisen, um abermals Mut zu beweisen.
Nach ihrer Ankunft, ein paar Tag, bricht der Kontakt auf einmal ab. Nach Hinweisen, in Richtung Norden, wär´ sie festgenommen worden.
Das Ministerium wird tätig, schickt einen Brief, der das bestätigt. Satelliten zeigen Mauern, mit Stacheldraht, rundum verhauen.
Ein Mithäftling erinnert sich, das Trinkwasser, das stinkt nach Fisch. Schmutzige Kleidung. Ganz benommen, vom Schlafentzug, Wachleut´, die kommen beinah´ minütlich in die feuchten, hellen, schimmligen Gefängniszellen. Elektroschockverhör an Fingern, an Genitalien verringern, das Gefühl, noch Mensch zu sein. Mit diesem Schicksal ganz allein.
Köpfe unter Wasser stecken, mit der Angst, gleich zu verrecken macht die Härtesten schnell weich, und man ist bereit´ zur Beicht´. Fängt sofort zu reden an, bestätigt, was man nicht getan.
Denn wer schweigt, dem drohen Schläge, Hand und Fuß ab, mit der Säge.
Dieses Mädchen, kluges Wesen, sagt man, sei sehr laut gewesen. Die Folterknechte hat´s gestört, dass sie sich so heftig wehrt.
Wunden hatte sie, und Narben, kauerte am Boden, darben, und auch große Schmerzen. Keine Nachricht, bang im Herzen.
In die Hoffnung, unverdorben, kommt ein Brief, sie sei verstorben, schreibt das Ministerium. Wie? Wodurch? Mysterium.
Boten karren Leichensäcke an aus dieser dunklen Ecke.
Der Körper hier, als namenlos markiert, entpuppt sich rasch, man hat geirrt. In diesem Sack liegt, ganz entstellt, das gute Kind. Oh diese Welt!
Am Körper schlimme Folterspuren, Blutergüsse die hin führen bis dorthin, wo Rippen und die Nase waren. Augenäpfel weg. Weh´ euch, Barbaren!
Es beweist die DNA, das ist eure Tochter da. Und die Eltern seh´n im nu, auf dem Rücken das Tattoo. Versteckt, am Schienbein dran, ein Schild, mit ihrem Namen, und ein Bild.