Даниил Лазько
Два стихотворения (диптих)
I. Nächtlicher Gang
(Hommage / стилизация в манере Генриха Гейне)
Die Gassen schlafen, naß und stumm,
Ein Hund bellt fern im Hof;
Laternen tragen, krank und krumm,
Ihr Licht wie einen Stoff.
Ich wandle wie ein alter Brief,
Den niemand mehr begehrt;
Mit einer Unterschrift so tief,
Daß sie das Blatt versehrt.
Der Wind, der Schalk, zupft mir am Rock
Und raunt mir ihren Namen vor;
Ich lächle, ziehe weiter stock-
Verliebt, und schweige: Tor.
Ein Fenster glüht, ein Vorhang weht,
Ein fremdes Lachen fällt
Wie Münze, die zu Boden geht
In einer andern Welt.
Ich grüße still, ich gehe sacht,
Wie man an Gräbern geht;
Was einst geblüht in einer Nacht,
Ist morgens schon verweht.
Die Pflastersteine glänzen blind,
Der Mond hält stumm die Wacht;
Ich gehe heim, ein müdes Kind,
Und etwas reicher – Nacht.
II. Nach Mitternacht
(авторский текст)
Die Stadt ist leer.
Der letzte Wagen
schiebt Licht durch Glas.
Ich geh nach Haus.
Ich kann nichts sagen.
Ich weiß nicht, was.
Sie hatte oft
den obersten Knopf
offen –
das war alles. Das.
Daran, daran
zerbricht man. Ich
zerbrach. Ich geh.
Ich grinse. Geh.
Mein Mantel trieft.
Ein Hund bellt fern.
Ein Mann, der ich
einmal gewesen,
kommt mir entgegen,
nimmt nicht den Hut.
Wir kennen uns
nicht mehr so gut.
Geh weiter, sag ich.
Schließ ab. Mach Tee.
Lass ihn stehn.
Примечание автора
Первый текст — сознательная стилизация и оммаж: работа с формой и интонацией в манере Гейне. Второй — мой собственный голос: та же ночная траектория, но без маски и без жанровых ограничений. Неравномерность строф во втором тексте намеренна.
Даниил Лазько, 2026
Anmerkung des Autors
Der erste Text ist eine bewusste Stilisierung und Hommage: eine Arbeit mit Form und Intonation in der Manier Heines.Der zweite ist meine eigene Stimme: dieselbe nächtliche Bahn, jedoch ohne Maske und ohne genrebedingte Einschränkungen.Die ungleichmäßige Strophenbildung im zweiten Text ist beabsichtigt.
© Daniil Lazko, 2026
Wenn jemand Lust auf eine bestimmte Form, ein Metrum oder eine Stilisierung hat – ich schreibe gern etwas auf Anfrage.
Два стихотворения (диптих)
I. Nächtlicher Gang
(Hommage / стилизация в манере Генриха Гейне)
Die Gassen schlafen, naß und stumm,
Ein Hund bellt fern im Hof;
Laternen tragen, krank und krumm,
Ihr Licht wie einen Stoff.
Ich wandle wie ein alter Brief,
Den niemand mehr begehrt;
Mit einer Unterschrift so tief,
Daß sie das Blatt versehrt.
Der Wind, der Schalk, zupft mir am Rock
Und raunt mir ihren Namen vor;
Ich lächle, ziehe weiter stock-
Verliebt, und schweige: Tor.
Ein Fenster glüht, ein Vorhang weht,
Ein fremdes Lachen fällt
Wie Münze, die zu Boden geht
In einer andern Welt.
Ich grüße still, ich gehe sacht,
Wie man an Gräbern geht;
Was einst geblüht in einer Nacht,
Ist morgens schon verweht.
Die Pflastersteine glänzen blind,
Der Mond hält stumm die Wacht;
Ich gehe heim, ein müdes Kind,
Und etwas reicher – Nacht.
II. Nach Mitternacht
(авторский текст)
Die Stadt ist leer.
Der letzte Wagen
schiebt Licht durch Glas.
Ich geh nach Haus.
Ich kann nichts sagen.
Ich weiß nicht, was.
Sie hatte oft
den obersten Knopf
offen –
das war alles. Das.
Daran, daran
zerbricht man. Ich
zerbrach. Ich geh.
Ich grinse. Geh.
Mein Mantel trieft.
Ein Hund bellt fern.
Ein Mann, der ich
einmal gewesen,
kommt mir entgegen,
nimmt nicht den Hut.
Wir kennen uns
nicht mehr so gut.
Geh weiter, sag ich.
Schließ ab. Mach Tee.
Lass ihn stehn.
Примечание автора
Первый текст — сознательная стилизация и оммаж: работа с формой и интонацией в манере Гейне. Второй — мой собственный голос: та же ночная траектория, но без маски и без жанровых ограничений. Неравномерность строф во втором тексте намеренна.
Anmerkung des Autors
Der erste Text ist eine bewusste Stilisierung und Hommage: eine Arbeit mit Form und Intonation in der Manier Heines.Der zweite ist meine eigene Stimme: dieselbe nächtliche Bahn, jedoch ohne Maske und ohne genrebedingte Einschränkungen.Die ungleichmäßige Strophenbildung im zweiten Text ist beabsichtigt.
© Daniil Lazko, 2026
Wenn jemand Lust auf eine bestimmte Form, ein Metrum oder eine Stilisierung hat – ich schreibe gern etwas auf Anfrage.