PAN DZIADEKS BRIEFE (ODER: DER SLAWIST)
Dla mojej ukochanej Sary | Der erste Rohentwurf
VORWORT DES AUTORS
Ehrlich gesagt hegte ich lange Zweifel, ob ich dieses Gedicht überhaupt veröffentlichen sollte. Es ist nicht aus dem Wunsch heraus entstanden, zu gefallen oder Anerkennung zu finden. Sein Anliegen liegt an anderer Stelle: im Bewahren, im Schützen und im erneuten Zugänglichmachen einer Sprache, die längst aus dem lebendigen Gebrauch verschwunden ist.
Die slowinzische Sprache, die auch slovjĩnsħï ją̃zĕk beziehungsweise slovjĩnsħė gådą̃ńė genannt wird, gehört zu jenen Stimmen Europas, die im Laufe der Zeit verstummt sind und deren Echo heute nur noch schwach vernehmbar ist. Was von ihr geblieben ist, existiert nicht mehr im gesprochenen Wort, sondern fast ausschließlich in den stillen Archiven der Sprachwissenschaft: In Wörterbüchern, handschriftlichen Notizen und Transkriptionen, die festhalten, was einst lebendige Rede war.
In diesem Werk erscheinen die Wörter in der Transkription von Dr. Friedrich Lorentz, so, wie er sie aufgezeichnet hat, soweit es mir möglich war, diese Form zu bewahren. Ich habe bewusst darauf verzichtet, sie zu modernisieren oder anzupassen. Nicht aus philologischer Strenge oder wissenschaftlichem Anspruch heraus, sondern aus Respekt vor dem Versuch, eine Sprache in dem Moment ihres Verschwindens festzuhalten.
Aus diesem Gedanken heraus bezeichne ich sie als eine Bernsteinsprache. Wie ein Insekt im Bernstein eingeschlossen wird und so den Augen späterer Zeiten erhalten bleibt, ohne jedoch weiterhin Teil der lebendigen Welt zu sein, so sind auch diese Wörter überliefert: Nicht mehr im täglichen Gebrauch, nicht mehr getragen von Stimmen und Atem, und doch bewahrt in ihrer Form, in ihren Lauten, in ihren Zeichen. Sie sind Überreste einer Wirklichkeit, die einst gesprochen wurde, Spuren einer Welt, die nicht mehr präsent ist.
Dieses Werk versteht sich daher nicht als Versuch einer Wiederbelebung im eigentlichen Sinne und auch nicht als Neuerfindung dieser Sprache. Es ist vielmehr als ein stilles Gefäß gedacht, das ihren Nachklang bewahrt. Die Wörter werden hier gesammelt, festgehalten und dem Leser zugänglich gemacht, nicht um sie in den Alltag zurückzuführen, sondern um zu verhindern, dass sie vollständig im Vergessen versinken.
Und sollte ich eines Tages selbst vergehen, so bleibt mir zumindest die Gewissheit, alles in meiner Macht Stehende getan zu haben, damit diese Sprache nicht in gleicher Weise verschwindet wie ich. Denn das Leben eines Menschen ist begrenzt und vergeht unausweichlich mit der Zeit. Ein Wort jedoch besitzt die eigentümliche Fähigkeit zu überdauern, solange es gelesen, ausgesprochen oder niedergeschrieben wird.
Die Arbeit an diesem Werk hat mir nicht selten den Schlaf geraubt. Zu groß war die Unsicherheit darüber, wie sich ein solches Vorhaben überhaupt angemessen umsetzen lässt, damit das Werk nicht zu sehr nach einem Wörterbuch klingt. Die vorliegende Fassung, die, ich unperfekt und unvollkommen finde, trägt daher noch immer Spuren dieses Ringens und ist in gewisser Weise eine Rohform geblieben. Vielleicht gehört sie nicht zu meinen besten Arbeiten, doch sie ist ein ernsthafter Versuch, sich einer Sprache zuzuwenden, die längst aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden ist.
Als Slawe empfinde ich dabei eine gewisse Verpflichtung, an jene slawischen Sprachen zu erinnern, die im Laufe der Geschichte verloren gegangen sind. Dieses Werk soll ein kleiner Beitrag dazu sein. Weitere Teile sind bereits angedacht, doch bedürfen sie noch sorgfältiger Überlegung, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können.
Ich werde diese sechsundzwanzig Seiten noch überarbeiten. Doch diese Überarbeitung wird nicht vollkommen sein, und sie soll es auch nicht sein. Denn Perfektion birgt die Gefahr, ein solches Werk zu erstarren zu lassen. Was zu glatt wird, verliert nicht selten jene Spuren des Suchens, des Zweifelns und des Ringens, die ihm erst seine Echtheit verleihen. In diesem Sinne bleibt auch die Unvollkommenheit ein Teil seines Wesens. Zugleich versuche ich, meine Texte so zu schreiben, dass sie nicht steif, nicht künstlich und nicht erzwungen wirken. Sprache ist für mich nichts vollkommen Geglättetes, nichts Reinpoliertes. Sie darf Brüche, Wiederholungen, kleine Umwege haben. Sie darf diese nicht nur haben, sie muss diese haben. Sie darf innehalten, sich selbst korrigieren, weitergehen. Und so finden sich auch hier einfache Verbindungen, wiederkehrende Worte, dieses leise und, so, nun, welche den Rhythmus des Alltäglichen tragen. Vielleicht ist es gerade das, was einer verschwundenen Sprache am ehesten gerecht wird, nicht ihre Glättung, sondern ihr Nachklang im Unvollkommenen.
Für einige Tage werde ich mich nun aus dem Forum zurückziehen, da ich die Osterzeit im tschechischen Karlsbad verbringen werde. Ich grüße euch alle herzlich und wünsche euch frohe Ostern, veselé Velikonoce, wie man in Tschechien sagt.
Viel Spaß beim Lesen und liebe Grüße aus Berlin
Marc
ANMERKUNG DES VERLEGERS
Bekam ich das Schreiben im Laufe der Tage.
Die Seiten zerrissen, der Einband beschmutzt.
Der Briefe war dreckig, verlor‘ er die Farbe.
Ich habe ihn trotzdem zum Drucken genutzt.
Die Zeichen, sie waren recht seltsam gelegen.
Die Tinte verschwommen, die Blätter gewellt.
Ich drucke den Briefe aus Gnade und Segen.
Verlang‘ ich für diesen als Händler kein Geld.
Der Dichter, er wollte die Sprache bewahren.
Und will ich dasselbe, ich laufe sein Weg.
Und jeder soll wirklich von dieser erfahren.
Sodass ich die Briefe, die kommen, verleg‘.
Ich habe die Wörter, die standen, belassen.
Ich tat es bei weitem, so gut es auch ging.
Ich hoffe, die Briefe, sie finden zu Massen.
Dann wäre die Sorge des Sterbens gering.
Verzogen sich Seiten alleine durch Wasser.
Ich nehme das Drucken als solches in Kauf.
Doch bange ich wirklich um jenen Verfasser.
Und hoffe mit Aufricht, dass ist er wohlauf.
Ich grüße den Leser mit Achtung und Gnade.
Wobei ich den Mangel der Arbeit nicht merk‘.
Das heimlich belassen, das wäre doch schade.
So gibt es ein Nachtrag am Ende zum Werk…
Karlsbad / Karlovy Vary,
der 12. August 1806
Dr. Karl Lukáš Kadlec
Hauptschriftleiter und Verleger
Königsdrucker Verlag Karlsbad
Abt. Belletristik und Lyrik
Ulice Lázeňská / Tržiště
BRIEF I
In unveränderter Form abgedruckt
Verleger! Ihr Freunde, mein Guter und Mäzen.
Erreicht Dich, ich hoffe, nun heile, der Brief.
Und ließ ihn, ich bitte. Das würd‘ ich ja schätzen.
Ich schreibe, weil ich halt paar Sorgen durchlief.
Nun hast Du das Schreiben nach Tagen erhalten.
Ich dachte, dass Preußen sich diesen nun nimmt.
Da leider die Deutschen mein Polen verwalten.
So wär‘ schon der Abfang des Briefes bestimmt.
Denn ist mir der Inhalt des Briefes recht teuer.
Und ist er auch wichtig, so wisse, mein Freund.
Und wehe, wenn fällt wohl nun dieser ins Feuer.
Sodass das Vergessen die Länder auch säumt.
Denn kommen Soldaten, die prägen die Länder.
So ist auch mein Kláhi durch diese bedroht.
Sie plündern die Kirchen und Haine und Felder.
Sie säen den Kummer. Und ernten den Tod.
Ich spüre ein Schlagen. Ein Lodern im Herzen!
So wehe, Slowinzisch, die Sprache, die stirbt.
Das Sterben der Sprache ist arger als Schmerzen.
Weil keiner die Wörter, kein Leben erwirbt.
Ich habe drei Punkte, die will ich hier wähnen.
Damit man rein gar nichts, für nimmer vergisst.
Ich spüre im Herzen ein Weichen und Sehnen.
Weil jede der Sprachen die Sterbliche ist…
[1]
Das Wahren ist nötig und wichtig und ethisch.
Damit auch für immer und immer was blieb‘.
Die Glyphen sind Laute, die bleiben phonetisch.
Phonetisch, wie jedoch Pan Lorentz sie schrieb‘.
So stehen die Wörter, bestehend aus Glyphen.
Und jeder der Glyphen enthält wohl sein Laut.
So muss man die Gebung der Laute nicht prüfen.
Sie ändern sich gar nicht. Sie bleiben hier traut.
Wir drucken halt anders, ich denke, die Blätter.
Bloß nutzen wir jedoch seit Jahren kein Blei.
Und waren beweglich Pan Lorentz‘ die Letter.
Er konnte sie setzen und schneiden ganz frei.
Doch ist das mit unser Methode nicht möglich.
Zusetzen die Punkte, Akzente wie er…
Veränder‘ ich diese, denn ist das hier nötig.
Sonst wäre das Drucken unmöglich zu schwer.
Ich wollte und musste Akzente schlicht setzen.
Denn ist es beim Wahren alleine die Pflicht.
So sind sie gestapelt, das möchte ich schätzen.
Sodass es bloß diesem Exempel entspricht:
ė́, ǻ, ȯ́ etc.
Denn kann ich die Zeichen mitnichten so setzen.
Wie tat es Pan Lorentz‘ im Laufe der Zeit.
Verleger! Ihr Freunde, mein Guter und Mäzen.
Verzeih‘ mir, denn spür‘ ich das Leiden so weit.
[2]
[ăfkáo̯ctvө, afkǻu̯ctvө, ăfkáo̯cħï, afkǻu̯cħï
ăfkáo̯t, afkǻu̯t, ăfkáo̯tkă, afkǻu̯ta]
Die Wörter, die scheinen und stehen wie oben.
Bedeuten sie schließlich, im Sinne ein Wort.
Denn will ich das Ganze der Sprache geloben.
Sonst wäre die Vielfalt für immer auch fort.
Die Schreibung ist jedoch ein wenig verschieden.
Sie ändert sich einfach vom Dorfe zum Dorf.
Wodurch sich die Glyphen verändern und schieben.
Bedeutet es trotzdem, noch trotzdem das Wort.
Ich werde die Namen der Dörfer nicht nennen.
Aus Vorsicht und Achtung, alleine aus Schutz.
Sonst werden die Preußen auch diese verbrennen.
So dient es nun wirklich als Wahrung und Trutz.
[3]
Ich nutzte paar Wörter zum Füllen beim Dichten.
Damit auch die Metrik und Syntax verbleibt.
Ich wollte die Handlung nicht einfach vernichten.
Verzeiht‘ mir, denn hab‘ ich nie wirklich gereimt.
So kommen die Wörter wohl wieder und wieder:
„So, schließlich, und, trotzdem, alleine, soweit…“
Verzeiht‘ mir, ich schrieb‘ ja Gedanken nur nieder.
Und hatte zum Ändern und prüfen kaum Zeit…
So hab‘ ich das Werke zum Wahren geschrieben.
Das Dichten, es war auch mein erster Versuch.
So hoff‘ ich, dass Wörter und Glyphen verblieben.
Vermächtnis ist alles. So wird das ein Buch…
Ich wünschte, ich könnte das alles verbessern.
Doch schrieb‘ ich nie wirklich Gedichte davor.
Sodass halt die Wörter zum Füllen verwässern.
Doch hab‘ ich das Ändern, Verleger, bald vor.
Kláhi / Klucken (Smołdzino),
der 23. Juni 1806
Euer Pan Dziadek
Przemësłôw Kaitsch
Postskriptum
Vòi̯čä nãš, χtùo̯rï jìe̯s vńìe̯bjä,
vòtpŭscä našė gřė̂χ̌ĭ…
Vater unser, der du bist im Himmel,
vergib‘ unsere Sünden…
PROLOG
Und spür‘ ich im Herzen ein wahres Gefilde.
Damit man die Wunder der Sprache bewahrt.
So scheint es, als wäre auch dieses eine Bilde.
Dass jedoch vergesslich im Menschen verharrt.
Inmitten den Dörfern, den Teichen und Huben.
Inmitten von Polen, so grüß‘ ich das Land.
Und sagt man, dort leben und lebten Kaschuben.
Entstanden die Häuser auf Torfen und Sand.
Inmitten den Ländern, den ganzen Provinzen.
Da keimte mal einmal die Rose empor.
Und lebten im Osten und Westen Slowinzen.
Und wuchs auch mit denen die Sprache hervor.
Mit Bräuchen und Wörtern, die bilden die Sitte.
Die jedoch man leider vergaß und verwarf.
Und trag‘ ich im Herzen, seit Tagen, die Bitte.
Dass niemals die Sprache verloren gehen darf.
So will ich, was war nun, für immer bewahren.
Damit es mitnichten, für immer vergeht.
So sollen die Menschen davon auch erfahren.
Und bleibt das für immer mein letztes Gebet.
Und spür‘ ich im Herzen mein wahres Gefilde.
So sei das Bewahren im Grunde mein Schutz.
So sei das mein Leben, das wahrlich ich bilde.
Ich mach‘ das aus Liebe. Ich tu‘ das aus Nutz‘.
Und spür‘ ich im Herzen ein wahres Bestreben.
So sei dies‘ mehr Verum als jedoch die Kunst.
Ich schenke der Sprache aufrichtig ein Leben.
Ich tu‘ das für Menschen. Ich tu‘ das für uns…
PAN DZIADEKS BRIEFE. INHALT DES BRIEFES I
Auf Bitten Pan Dziadeks veröffentlicht
I – DER DICHTER
Gesundheit dem Polen, den polnischen Ländern!
Die hab‘ ich einst wirklich als Junge gekannt.
Den Bergen und Felsen mit grauen Gewändern.
Den Dörfern, den Städten am slawischen Strand.
Die Eiben, die wuchsen, die Weiden, die hingen.
Sodass auch die Bläue im Himmel sanft wog.
Dass jedoch die Glocken im Abend verklingen.
Wodurch sich der Abend in Wolken verzog.
Und während sich Sterne wohlwollend erhoben.
Als wären das Engel, die schauten aufs Land.
Begangen selbst Schatten im Himmel zu toben.
Sodass nun der Monde in Schwärze verschwand.
Und standen die Wälder und wogen die Fichten.
Die Weiden, die standen am Flusse im Kreis.
Die Birken, die hingen, die kannten Geschichten.
Und glänzten im Lichte des Dorfes noch weiß.
Im Osten, da standen geschmiedet schon Kliffen.
Aus Sandstein geworden durch Mutter Natur.
Die wurden vom Oheim, dem Regen, geschliffen.
So findet kein Steiger, kein Sucher die Spur.
Und hingen recht mächtig an Zinnen die Föhren.
Die neigten sich nieder, ertragen von Hand.
Die Felsen, die standen und hielten die Höhen.
Als läge der Himmel auf Wipfeln gespannt.
Und standen im Westen auch Berge vor allem.
Die wurden errichtet, damit sie hier thront.
Hier stand mal die Feste mit Türmen und Hallen.
Die wurde von Reichen der Szlachta bewohnt.
Doch heute sind schließlich die Mauern zerfallen.
Vergessen, verloren. Przeklęty, wie’s heißt.
Denn hört‘ man vom Kerker ein Lachen erhallen.
So sagt man, da lebt schon seit Jahren ein Geist.
Und während die Efeu die Mauern verschlingen.
Zerfallen die Steine, die wurden gebracht.
Doch nutzten bloß Tauben die Fugen bei Dingen.
Denn schützen die Wände vor Regen und Nacht.
Und wehten seit Jahren die Fahnen mitnichten.
Zerrissen und fielen die Flaggen durch Pest.
Die ganzen Damaste mit wahren Geschichten.
Die hielten auch einst mal den Adel hier fest…
Befand‘ sich das Meere, das rauschte im Norden.
Das Dorfe im Süden, das Kláhi mal hieß.
Doch ist schon im Himmel der Morgen gekommen.
Der schließlich die Nächte und Sterne verließ.
Gediehen die Birken auch zwischen den Sommern.
Erwachte auch langsam, im Zagen das Dorf.
Die Wälder, die Wege. Die schliefen in Pommern.
Wie rochen die Orte nach Fichten und Torf...
Befand sich im Dorfe, ein Fremder, ein Manne.
Und nannte man diesen aus Achtung, Slawist.
Weil dieser Slowinzisch, die Sprache erahne.
Er schrieb‘ sie, damit sie auch keiner vergisst…
So saß er im Zimmer. Das Fenster stand offen.
Die Kerze, die brannte. Den Stifte zur Hand.
So schrieb‘ er die Wörter, die wusste er, nieder.
Und prägte er schließlich im Grunde sein Land.
Und will er die Zukunft den Leuten vermachen.
Sodass er die Sprache der Slawen beschrieb‘.
Ein ganzes Vermächtnis, das wollte er schaffen.
Damit auch sein Buche für immer hier blieb‘.
Und standen die Wörter in diesem geschrieben.
Begann er die Arbeit, man munkelt, heut‘ Nacht.
Damit auch die Wörter hier bleiben und blieben.
Und hat er den Anfang grundlegenden erdacht:
a – zur Verbindung von einzelnen Wörtern
ã! – ah! ach!
ãbө – oder
ãbө … ãbө – entweder … oder
ădjė́! – leb wohl!
ădjʉ̇dànt, -àntă, D. -tөjʉ̇, Pl. N. -tөvjä – der Adjutant
ădjʉ̇dànsħï, -kå, ħė adj. – den Adjutanten betreffend
ădjʉ̇dàntă, -tä, ădjʉ̇dànt
ădjʉ̇dàntȯu̯, -tөvï, -vå, vė adj. – dem Adjutanten gehörig
adrĕsėrãc – adressieren
Prs. ãdrĕsėrʉ̇ją, Prt. adrĕsėrȍʉ̯l, Imp. adrĕsė̂rөʉ̯
adrĕsėrùo̯văc – adressieren
Prt. adrĕsėrùo̯vөʉ̯l, adresėrãc
adrĕssùo̯vï, -vå, -vė adj. – die Adresse betreffend
adrèsã, -sä, -sï, -ès – die Adresse
ădvĕntùo̯vï, -vå, -vė adj. – die Adventszeit betreffend
ădvĕntùo̯vå ńeʒìe̯lă – der Adventssonntag
Er wirkte recht müde und schaute auch nieder.
Und blickte zum Fenster, er spürte den Zug.
Vergingen Minuten, beschrieb‘ er dann wieder.
Verschwammen die Stunden, die gingen im Flug.
Der Dichter und Schreiber und stockte er wieder.
Begrüßte der Sommer und Morgen den Greis.
Die Linden, die standen im schönsten Gefieder.
Verschlungen vom Nebel. Der wanderte weiß.
Die Vögel, die sangen seit Stunden die Lieder.
Die Bäche, die rannen und zogen geschwind.
Und keimte und blühte am Hause der Flieder.
Der leise im Grame des Morgens noch minnt.
Beschrieb‘ er dann weiter und dachte verlegen.
Wodurch er die Sprache auch sinnig beschrieb‘.
Ihn rührten auch Äcker. Die Weizen an Wegen.
Und tat es, damit auch die Sprache noch blieb‘:
ădvèntä, -tȯu̯, L. -cėχ́ – die Adventszeit, der Advent
ăfkåtөvǻu̯, -vė́ – die Frau des Anwalts
ăfkáo̯ctvө, afkǻu̯ctvө, ăfkáo̯cħï, afkǻu̯cħï
ăfkáo̯t, afkǻu̯t, ăfkáo̯tkă, afkǻu̯ta
ăfkáo̯tkă, afkǻu̯tka, ăfkáo̯tȯu̯, afkǻu̯tȯu̯
ăfkåtөváo̯, afkåtөvǻu̯
ăfkǻu̯ctvө, -vă – die Anwälte
ăfkǻu̯cħï, -kǻ, ħė adj. – den Anwalt betreffend
ăfkǻu̯t, -tă, D. -tөjʉ, Pl. N. -tөvjä – der Anwalt
ăfkǻu̯tă, -tä, afkǻu̯t
ăfkǻu̯tkă, -ħĭ – die Frau des Anwaltes, die Anwältin
ăfkǻu̯tȯu̯, -tөvï, -vå, -vė adj. – dem Anwalt gehörig
ãχ́ – ach!
ãχ́tĕl, -elă – das Achtel, Fass, das 20 Liter enthält
ãi̯! – ah!
Und wollte der Dichter die Sprache bewahren.
Denn wusste er leider, dass diese bald stirbt.
Die Preußen, die kämpften in Polen seit Jahren.
Um Einfluss und jedoch wer Sprachen bestimmt.
So wollten die Preußen ihr Wollen verbreiten.
Und folgte das Nutzen des Deutschen danach.
Verboten Gesetze Slowinzisch bei Zeiten.
Wobei man verborgen die Wörter hier sprach.
Man tat das, um ihnen die Sprache zu nehmen.
Aus Können und Streben, alleine nach Macht.
Aus Gieren und jedoch aus amtlichen Themen.
Die wurden wie Lügen von Fürsten erdacht.
So saß nun zu Hause der Dichter recht bieder.
Versunken ins Schreiben, die Feder noch fest.
Wie blühte belogen im Sommer der Flieder.
Bis jedoch der Kummer das Herze verlässt.
II – DER FREMDE JUNGE
Und gingen Minuten, die wurden zu Stunden.
Vertiefte sich dieser, indem er hier schrieb‘.
Wie hat er den Kummer mal wieder gefunden.
Damit wohl ein Stücken für immer verblieb‘…
Und spürte der Dichter das Rennen der Zeiten.
Das Treiben, das Lodern und bangen nach Zeit.
Er ahnte, Soldaten, die werden bald schreiten.
Die bringen nach Kláhi Verwüstung und Leid…
So rannte behände und schweigend die Feder.
Die hatte durch Tinte auch Tinte geweint.
Die Spitze, die kratzte und schleifte das Leder.
Sodass nun die Sprache recht langsam erscheint.
Und standen in Gärten selbst Rosen verdörrter.
Wobei sie die Sorgen auch gar nicht verstehen.
Es schien wohl, als fielen nun wieder die Wörter.
Die Wörter, von denen verfasste er zehn:
ajènt, -èntă, D. -tөjʉ̇, Pl. N. -tөvjä – der Agent
ajĕntʉ̇̂ră, -rä, Pl. G. -tʉ̇́r – die Agentur
ajèntă, -tä, ajènt
ãk – wie, siehe jãkө
akcïjȯ́u̯n, -nʉ̇ – die Auktion, die Versteigerung
akcïjȯ́u̯nă, -nä – die Auktion, die Versteigerung
akcïjȯu̯nùo̯vï, -vå, -vė adj. – die Auktion betreffend
akcïjȯ̀ų̯n, akcïjȯ̀u̯n, akcïjȯ̀ų̯nă, akcïjȯ̀u̯na
akcjȯ̀u̯n, akcïjȯ̀u̯n, akcjȯ̀u̯na, akcïjȯ̀u̯na
akcjȯu̯nėrãc – auktionieren, versteigern
Prs. akcjȯu̯nėrʉ̇ją, Prt. akcjȯu̯nėrȍu̯l, Imp. akcjȯu̯nė̂rөu̯
pөakcjȯu̯nėrãc – eine Versteigerung abhalten
vãakcjȯu̯nėra̋c – alles versteigern
zaakcjȯu̯nėrãc – zur Versteigerung bringen, versteigern
Beendet der Dichter das Schreiben und Ringen.
Das Blatte wurd‘ fertig, das lange er schrieb‘.
Und während die Stunden wie Leben vergingen.
Die Zeit ist nichts weiter als schließlich ein Dieb.
Erschafft sie halt Dinge, doch nimmt sie das Alte.
Die Tage, die sterben, die werden nicht schlicht.
Denn sind wir die Menschen, die müssen erhalten.
Bewahren und Schützen ist Ehre und Pflicht…
Die Augen des Dichters durchliefen den Raume.
Ein Tische im Zimmer, ein Schranke, ein Bett.
Und hingen Tapten, verschwanden die Farben.
So fraß sich der Schimmel vom Brette zum Brett.
Der Vorhang, der hatte den Eingang verschlungen.
Portière, die hing da. Aus Tissel und Lein‘.
Und plötzlich war draußen ein Aufstand erklungen.
Die Schreie, die rissen die Arbeit schnell ein…
„Wir brauchen den Doktor! Mit Eile und Hilfe!
Wir fanden ein‘ Jungen bewusstlos am Fluss!“
„Er trieb‘ dann ins Dorfe. Gefunden im Schilfe.“
„Verletzt ist der Junge. Man helfen ihm muss…“
Vernahm dann der Dichter die Schläge an Türen.
„Herr Doktor und Dichter, wir suchen den Rat!“
Der Junge, er wird hier das Sterben sonst spüren.
Wir brauchen Sie, Doktor! Wir brauchen die Tat…“
Verließ er im Zuge. Sein Zimmer durch Nöten.
Sein Hause, wodurch er im Hofe wohl stand.
„Beeilung, Herr Doktor! Sonst wird es ihn töten.“
„Wo ist nun der Bursche? Wo diesen man fand?“
„Er liegt hier ermüdet. Mit Blässe und Wunden.
„Ich sehe die Stellen. Ich hol‘ mal Karbol…“
„Herr Doktor. So wird er nun wieder gesunden?“
„Ich denke, das wird er. Das wird er sehr wohl…“
Zwei Männer, sie haben ins Haus ihn getragen.
Die Wunden gereinigt, mit Gaze bedeckt.
Begangen die Bauern, die schauten, zu klagen.
Denn waren die Leinen durchs Blute befleckt.
Wie lag auch im Bette der Junge durchzogen.
Er lag da. Und träumte, durch Äther betäubt.
Ihm wurden die Peine und Sorgen genommen.
So schlief er da friedlich. Von allen beäugt.
Verließ‘ auch der Dichter am Ende den Raume.
Wie fuhr‘ er das Schreiben gelassen auch fort.
Beließ er dem Jungen dann Ruhe, den Traume
Verließ‘ auch gedanklich der Dichter den Ort:
akcjȯu̯nėrùo̯văc, akcjȯu̯nėrãc
akcjȯu̯nùo̯vï, akcïjȯu̯nùo̯vï
akcjȯ́ų̯n, akcïjȯ́u̯n
akcjȯ́ų̯nă, akcïjȯ́u̯na
akŏrḍėrãc – einen Vertrag bezüglich einer Dienstleistung schließen
Prs. ãkŏrdėrʉ̇ją, Prt. akŏrḍėrȍʉ̯l, Imp. akŏrḍė̂rөʉ̯
pөakŏrḍėrãc – einen Preis abmachen
vʉakŏrḍėrãc – eine Arbeit in Auftrag oder Verding geben
zaakŏrḍėrãc – eine Arbeit in Verding geben
akŏrḍėrùo̯văc – einen Vertrag schließen, siehe: akŏrḍėrãc
Prs. akŏrḍėrùo̯vөʉ̯l
akòrṭ, -òrṭʉ̇ - der Lohnvertrag, der Akkord
ãkȯu̯š? – siehe: jãkȯu̯š
ãkө – siehe: jãkө
ãktä, ăktȯ́u̯, L. -cė́χ́ – die Akten
Ertönten Geschreie im Zimmer vom Dichter.
„Erwacht ist der Junge.“ „Er ist halt erwacht.“
Er blickte in fremde, doch traute Gesichter.
„Ich wurde verwundet, inmitten der Schlacht.“
„Sei ruhig, bleib‘ ruhig, mein Sohne und Kinde.
Hier bist du recht sicher, bewahrend vor Not.
Damit auch das Gute mitnichten verschwinde.
Wir schützen dich, Junge. Vor Fehden und Tod.“
„Es tobten die Leute und brannten die Eichen.“
So gab‘ nun der Junge die Wörter mild kund.
„Die Häuser, die fielen. Verbrannte man Leichen.
Ich wollte schon fliehen. Erlitt ich die Wund‘.“
Der Dichter, der’s hörte. Betrat‘ er sein Zimmer.
Er schaute zum Jungen mit Kühle und streng.
„Die Peine, die werden alleine noch schlimmer.
Verzeih‘ mir, wenn band ich die Gaze zu eng.“
„Wie heißt du? „Tobiôsz“ „Verstehe ich, danke.
So weißt du, Tobiôsz. Die Wunde war schwer.“
„Doch trotzdem ich Ihnen mein Leben verdanke.“
„Wo kommst du, mein Junge bloß eigentlich her?“
„Ich lebte in Łeba, doch komm‘ ich aus Danzig.
Mein Vater Slowinze, die Mutter starb früh…“
„Dein Alter, Tobiôsz?“ „Ich werde bald zwanzig.“
„Verstehst du die Sprache?“ „Ein wenig bemüht.“
III – DER VERDACHT
Und gingen die Stunden wie Blätter im Herbste.
Verfasste der Dichter, der Junge, der schlief.
So dachten Gedanken des Dichters das derbste.
Sodass er sich schließlich in Zweifel verlief‘.
Und spürte der Dichter mitnichten was reines.
Der Junge sprach wenig vom Grunde hinaus.
Die Zweifel des Dichters, sie taten gemeines.
Der Junge sprach Namen und Łeba falsch aus.
ăktävãrʉ̇s, -să, L. V. -sʉ̇ – der Aktuar
ăktùo̯vï, -vå, -vė adj. – die Akten betreffend
akʉ̇ráo̯t, akʉ̇rǻu̯t, akʉ̇ráo̯tnï, akʉ̇rǻu̯tnï
akʉ̇rǻu̯t adj. – genau, pünktlich, gewissenhaft
akʉ̇rǻu̯t adv. – genau, gewissenhaft
akʉ̇rǻu̯tnï, -nå, -nė adj. – genau, pünktlich
ãkʉ̇rȯtnөsc, -cä, L. akʉ̇rȯtnùo̯scï – Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit
ãkʉ̇rȯtńä adv. – genau, gewissenhaft
alàrm, -àrmʉ̇ – der Alarm
alărmėrãc – alarmieren
Prs. ãlărmėrʉ̇ją, Prt. alărmėrȍu̯l, Imp. alărmė̂rөʉ̯
alărmėrùo̯văc – siehe: alărmėrãc
Prt. alărmėrùo̯vөʉ̯l
Verlor‘ sich der Dichter allmählich im Denken.
Als sprachen die beiden Slowinzisch vorhin.
Die Zweifel, sie wollten den Dichter erlenken.
Ein Worte, das falsch war, erblickte sein Sinn.
Er dachte und blickte nun wieder zur Scheibe.
Denn hat ihn ein Fehler recht massig beplagt.
Und zog ihn den Fehler seit Abend beileibe.
Der Junge hat ħìe̯ř statt das tu̇́ wohl gesagt…
Der Frieden, der wollte in seiner nun brechen.
Bedeutet das ħìe̯ř halt nichts weiter als „Strauch“.
Zwei Wörter, die niemals sich beide entsprechen.
Sie ähneln sich beide. Doch fremd sind sie auch.
Der Dichter verspürte ein Unwohl durch Sorgen.
Bedeutet das tu̇́ halt nichts weiter als „hier“.
So saß er und fühlte sich schließlich betrogen.
Als wäre der Junge durch Absicht bloß hier…
Die Feder, die kratzte und schleifte die Häute.
Verewigt der Dichter zehn Wörter erneut.
Der Morgen, der endlich im Lande erbläute.
Ein Dichter ist jemand, der Arbeit nicht scheut:
alărmùo̯vï, -vå, -vė adj. – den Alarm betreffend
ãlä – aber
alé̇i̯, -lɛ͂jʉ̇, L. -jʉ̇ – die Allee
alɛ͂i̯nï, -nå, -nė adj. – die Allee betreffend
alɛ͂į̯nï, alɛ͂i̯nï
alʉ̇́n, -ʉ̇̂nʉ̇ – der Alaun, der Alaunstein, KAl(SO4)2
alų̇́n, alʉ̇́n
anḯs, -ï̂sʉ̇, L. -sʉ̇ – der Anis (Pimpinella anisum)
anïsùo̯vï, -vå, -vė adj. – den Anis betreffend
áo̯! – siehe: ǻu̯
áo̯gńä! – siehe: ǻu̯gńä
ao̯ɣʉ̇́st, -tʉ̇ – der August, achter Monat
IV – DAS GESPRÄCH
„Verstehe ich den Zweifel alleine am Knaben?
Verwechselt er Wörter, was gerne passiert…“
„Und darf ich die Zweifel nun gar nicht erhaben?
Verdammt doch, ich habe Slowinzisch studiert!
Ich denke, ich kenne den Satzbau der Sprache.
Grammatik und alles um Slawen herum...
Nun gut doch… Es ist ja mitnichten die Sache.
Denn hältst du mich wieder für eigen und dumm.“
„Ich möchte es wissen, bloß nenne die Gründe.
Ich nehme dich Guter, ich hoffe, dann ernst.
Damit auch die Wahrheit ein wenig bestünde.
Damit du dich endlich vom Denken entfernst.“
„Verwechselt er Wörter. Und tut er die Fehler.
Der Satzbau ist jedoch und seiner wohl fremd.“
Die Augen des Arztes, sie glänzten nun scheeler.
„Und hat auch der Junge ein‘ deutschen Akzent…“
Sein Freunde verfiel nun gelassen dem Lachen.
„Der Junge ein Deutscher? Das ist doch ein Witz?
Und macht er für Preußen Verbrechen und Sachen.
Wer nimmt schon den Burschen in seinen Besitz.“
„Er ist hier, um schließlich zu blicken und melden.
Sein Finden war Planung. Mitnichten ein Glück.
Denn gibt es in Kriegen, mein Guter, kaum Helden.
So hoff‘ ich, der Junge, der geht bald zurück…“
V – DER DIEBSTAHL
Befand‘ sich der Junge, Tobiôsz, im Zimmer.
Bemerkte er schließlich, der Dichter war fort.
Und lachte der Junge, verletzt war er nimmer.
Betrat er den Raume. Und schaute zum Ort.
Die Bücher, die lagen. Die Blätter daneben.
Die Stapel mit Zetteln und Tinte verteilt.
Und wollte der Junge wohl etwas bestreben.
Denn hat er beim Suchen sich etwas beeilt.
Die Blätter, die Bücher und jedoch die Listen.
Die hat er sich alle in Ruhe durchschaut.
Studierte er scheinbar die Arbeit beflissen.
Die Sprache war leider ihm gar nicht vertraut.
Begann er dann weiter und weiter zu wühlen.
Er brauchte die Liste, die endlich er fand.
Und sah er dann diese mit wahren Gefühlen.
Ergriff‘ er die Liste mit zitternder Hand:
ao̯ɣʉ̇stùo̯vï, -vå, -vė adj. – den August betreffend
áo̯χă! – siehe: ǻu̯χa
áo̯χăc – siehe: ǻu̯χac
áo̯χnȯu̯c – siehe: ǻu̯χnȯų̯c
áo̯lf – siehe: ǻu̯lf
áo̯mĕn* – Amen, siehe: ǻu̯men
áo̯pă – siehe: ǻu̯pa
áo̯pĕn – siehe: ǻu̯pen
áo̯pją – siehe: ǻu̯pją
áo̯pjï – siehe: ǻu̯pjï
Begann er das Blatte im Lachen zu falten.
Und hat er die Tasche mit diesem versehen.
Wodurch auch Gelächter im Raume erhallten.
Er rannte zum Fenster, denn wollte er gehen.
Und ist er durch dieses in Ruhe entkommen.
Verließ‘ er das Hause gelassen und leis‘.
Und diente die Liste, die hat er genommen.
Den Preußen bald jedoch als wahrer Beweis.
Wie rannte der Junge auch über die Felder.
Verließ‘ er nun Kláhi und jedoch das Land.
Erreichte er endlich und hoffend die Wälder.
Sodass er inmitten der Föhren verschwand‘.
VI – DER HERZSCHLAG
„Wo bist du, Tobiôsz?“ Erfragte der Dichter.
„Ich denke, der Junge ist leider schon fort…“
Und wurde die Stimme alleine nur schlichter.
Ersparte der Freunde dem Dichter ein Wort.
„So ist wohl der Junge für immer entkommen.
Verdammt ja, wie war ich alleinig und blind…“
Der Dichter erstarrte. „Er hat das genommen…
Bestahl‘ mich der Junge, Tobiôsz, das Kind.
Mir wurde ein Blatte, ein Blatte gestohlen...
Hier liegen die sechse, das siebte ist fort...
Das achte… Es liegt hier, gefallen auf Bohlen.
Ich hoffte, das Blatte, es liege noch dort…
Doch wurde das Blatte gestohlen, entrissen.“
Wodurch er in Tränen, der Arme, verfiel‘.
„Die Arbeit, die tat ich. Der war ich beflissen.
Doch ist es für viele, wohl leider, ein Spiel.“
Ergriff‘ er den Zettel, die Tränen, die rannen.
Wobei er die Seite im Zögern auch las.
Sein Herze, das wollte nur toben und ahnen.
Sodass er sein Freunde, der hier war, vergaß:
áo̯pjȯu̯tkө – siehe: ǻu̯pjȯų̯tkө
áo̯pkă – siehe: ǻu̯pka
áo̯pȯu̯ – siehe: ǻu̯pȯu̯
áo̯psħï – siehe: ǻu̯psħï
áo̯s – siehe: ǻu̯s
apèl, -èlʉ, L. -lʉ̇ – der Appell
apĕlėrãc – appellieren, Berufung einlegen
Prs. ãpĕlėrʉ̇ją, Prt. apĕlėrȍʉ̯̇l, Imp. apĕlė̂rөʉ̯
apĕlėrʉ̀o̯văc – appellieren
Prt. apĕlėrʉ̀o̯vөʉ̯l, siehe: apĕlėrãc
aprìl, -ìlʉ̇, L. -lʉ̇ – der April, vierter Monat
aprĭlʉ̀o̯vï, -vå, -vė adj. – den April betreffend
Verspürte der Dichter in seiner die Schwäche.
Sodass er zu Boden mit Peine auch sank.
Sein Herze, das tobte. Begann nun zu stechen.
Der Schweiße, der rannte. Er fühlte sich krank.
„Es scheint so, als würde ich heute versterben.“
„Was hast du? „Ich denke, ich habe ein Schlag.“
Der Anfall, der wollte den Dichter verfärben.
„So endet für immer, ich denke, mein Tag…“
So hat man den Dichter zu Bett auch getragen.
Und hat man auch diesen gewaschen, gepflegt.
Das Herze des Dichters, das wollte nun schlagen.
Sodass es nun wieder in seiner doch schlägt.
Und schlief er nun ruhig und bisschen gelassen.
Sein Freunde, der saß nun blickte zum Freund.
Begann er den Jungen, den Diebstahl zu hassen.
Denn hat er den Umstand der Krankheit bereut.
Der Freunde, er wirkte und dachte verdrossen.
Erblickte das Fenster, der Monde schien hell.
Und hat er das eilig und vorschnell beschlossen.
„Der Junge, der stirbt bald in einem Duell…
Ich möchte den Jungen recht gerne jetzt töten.
Er machte mein‘ Freunde nun bieder und krank.
Wir wollen Vergeltung und diese auch böten…“
Wobei er dann wieder im Schweigen versank.
So nahm er ein Blatte, das wirkte beschrieben.
Beeindruckt, wie hat er das alles verfasst.
Die Sorgfalt, die ist auch ein wenig geblieben.
Wie hat er die Sprache und alles erfasst:
ăptėčńĩctvө, -vă – die Apotheker, das Apothekerwerk
ăptėčńĩcħï, -kå, -ħė adj. – den Apotheker betreffend
ăptėčńĩčï, -čå, -čė adj. – den Apotheker betreffend
ăptėčńikãc – Apotheker sein
Prt. ãptėčńikʉ̇ją, Prt. ăptėčńikȍʉ̯l
ăptėčńikʉ̀o̯văc
Prt. ăptėčńikʉ̀o̯vөu̯l, siehe: ăptėčńikãc
ăptėčńìctvө, aptėčńĩctvө,
ăptėčńìcħï, aptėčńĩcħï
ăptėčńìčï, aptėčńĩčï
ăptė́i̯čkă, -ħĭ – die Apotheke
ăptė́i̯čnï, -nå, -nė adj. – die Apotheke betreffend
ăptė́i̯čńică, -cä – die Frau des Apothekers, die Apothekerin
ăptė́i̯čńĭčk, -kă – der Apothekengehilfe
ăptė́i̯čńĭčkă, -ħĭ – die Frau des Apothekers, die Apothekerin
VII – DER FLIEDERMONOLOG
Und hat nun der Freunde das Hause verlassen.
Umarmend begrüßte ihn sichtlich die Nacht.
So führten ins Schwarze die Wege und Straßen.
Die wurden von Fliedern, die blühten, bewacht.
Man konnte den Dufte auch gar nicht beschreiben.
Verlockend und sinnig, wie dieser erschien.
Sodass auch die Motten hier trieben und bleiben.
Betörte der Dufte wohl schließlich auch ihn.
„Ich glaube, ich werde den Jungen erschießen.
Das wäre mir wirklich, ich denke, auch recht.“
Er spürte schon langsam das wahre Verdrießen.
Die Sinne, die tobten. Der Hasse wurd‘ echt.
„Es wäre ein Wunder, ich möchte ihn finden.
Das wäre Erlösung und scheinbar ein Trost.“
Wie standen recht träge im Dorfe die Linden.
Die wirkten auch trotzdem vollkommen erbost.
„Die Weiden, die hingen. Umgeben vom Flieder.
Sodass auch der Kummer sie alle belässt.
Die Föhren und Tannen, die blickten nun nieder.
Die Erlen, die hielten die Nächte wohl fest.
Die Nächte, die gingen, die eilen bald wieder.
Der Morgen, der endlich die Länder begrüßt.
Wie innig er blühte, ich meine, den Flieder.
Sodass er mir trotzdem mein Herze versüßt.“
VII – DER MORGEN
Erging es dem Dichter allmählich auch besser.
Sodass er das schlimmste seit Tagen durchstand.
Die Länder, die wirkten im Nebel noch blässer.
Die gaben dem Dichter die Güte zur Hand.
So saß er auch draußen, noch wenig benommen.
Doch hat er sich trotzdem ein bisschen erholt.
Bloß fühlte das Herze sich scheinbar beklommen.
Als wär‘ es durch Kummer und Leiden verkohlt.
Versuchte er jedoch, trotz Krankheit zu schreiben.
Doch hat ihn das Halten des Stiftes gepeint.
Und wollte der Dichter bei Arbeit noch bleiben.
So schrieb‘ er zehn Wörter, die standen gereiht:
ăptė́i̯čńikȯu̯, -kөvï, -vå, -vė adj. – dem Apotheker gehörig
ăptė́i̯čńĭḱ, -ikă, Pl. N. -cä – der Apotheker
ăptė̂kă, - ħĭ, Pl. G. -tė́ḱ oder -tė́i̯ḱ [dialektabhängig] – die Apotheke
ăptḯčnï, -nå, -nė adj. – appetitlich, appetiterregend
ãptïčnө adv. – appetitlich
ãptïčnөsc, -cä, L. ăptïčnʉ̀o̯scï – die Appetitlichkeit
ãptïčńä adv. – appetitlich
ăptḯt, -ï̂tʉ̇ – der Appetit
apʉ̀o̯štĕl, -tlă, D. -lөjʉ̇, L. V. -lʉ̇, Pl. N. -lөvjä – der Apostel
apʉ̀o̯štlȯu̯, -lөvï, -vå, -vė adj. – dem Apostel gehörig
Er schaute zum Freunde, der blickte zum Dichter.
„Und siehe der Morgen, wie wirkt er hier klar.
Die Sonne, die Flieder, die Wässer und Lichter…
Sodass ich die Schönheit im Morgen kaum sah.
So denkst du, ich werde das Werke vollenden?“
„Das wirst du, mein Guter. Das wirst du genau.“
„Was kann dir Gewissheit, wie diese, erspenden?“
„Wir sind ja zwei Freunde, sodass ich dir trau‘…
Du wirst auch das Werke, das Ganze, vollenden.
Und helf‘ ich dir, Guter. Bei Zeiten und Not.
Und tu‘ ich dann alles, um dir auch zu helfen.
So trennt uns auch gar nicht, ich denke, der Tod.“
„Ich danke dir wirklich, vom Herzen zur Seele.
Und hoffe, dass wahrlich mein Werke gelingt.
So weiß ich, dass vieles im Grunde nicht fehle.
So hoff‘ ich, dass wirklich die Sprache erklingt.
Die Wörter, die dürfen nicht einfach erbleichen.
Sonst geht auch mit denen, die ganze Kultur.
Ich schreibe sie nieder mit Breven und Zeichen.
Das Wahren ist Liebe, so sei es mein Schwur.
So sei dann das Hüten und Wahren mein Leben.
Ogonki und Trema, die scheinbar ich lieb.
Und würd‘ ich mein Herze und alles hier geben.
Damit noch ein Stückchen Slowinzisch verblieb‘.“
„Der Wille zum Wahren ist wirklich die Gabe.
Verdrängen ist leichter, das Handeln ist schwer.
Doch ist es das Trauen, das innig ich habe.
So glaube an deiner, so schaffst du auch mehr.
Du wirst ja das A auch recht baldig beenden.
Benennt man das Fügen als jenen Progress.
So ist es kein Wunder, ein Wunder will enden.
Doch folgst du tagtäglich demselben Prozess.
So hast du auch heute mal wieder geschrieben.
Die Wörter, die bringst du auf jenes Papier.
Und viele sind wirklich für immer geblieben.
So schaue, mein Guter, so schaue bloß hier:
ãrăk, -akʉ̇ – der Arrak
araštànt, -àntă, D. -tөjʉ̇, Pl. N. -tөvjä – der Verhaftetet
araštàntă, -tä, siehe: araštànt
araštàntkă, ħĭ – die Verhaftete
aratėrãc – verhaften
Prs. ãratėrʉ̇ją, Prt. aratėrȍʉ̯l, Imp. aratė̂rөʉ̯
pөaratėrãc – alle nacheinander verhaften
zaaratėrãc – verhaften, in Haft nehmen
aratėrʉ̀o̯văc – verhaften
Prt. aratėrʉ̀o̯vөʉ̯l, siehe: aratėrãc
ãrbă, -bä, D. -bөjʉ̇, Pl. N. -bөvjä – der Erbe
ãrbăc – erben
Prs. ãrbʉ̇ją, Prt. ărbȍʉ̯l
ărbãřṭvө, -vă – die Erben
Ich schaue und staune gelassen beim Lesen
Erstaunlich ist alles, die Mühe ist’s wert.
Das ist auch kein Ende für immer gewesen.
Sodass man dich wirklich für Taten verehrt.
Wir lieben doch beide, am Ende das schlichte.
Wir nahmen auch vieles, ich denke, in Kauf.
Du änderst stattdessen die ganze Geschichte.
Du änderst Geschichte und wirklich den Lauf.“
VII – DER SOLDAT
Ertönten, durchdrangen das Dorfe die Hufen.
Erreichte nun Kláhi ein junger Soldat.
Die Menschen begangen aus Sorge zu rufen.
Als dieser den Hofe vom Dichter betrat.
„Verzeihet, dass bin ich so einfach erschienen.
Ich störe nicht gerne, ich tue die Plicht.
Ich tue die Arbeit, der muss ich wohl dienen.
Deswegen geht bitte nicht hart ins Gericht.
Uns wurde halt gestern ein Vorfall berichtet.
Dass jemand Slowinzisch hier leise beschreibt.
So bin ich zum Prüfen und Klären verpflichtet.
Damit sich der Irrtum nun lichtet und treibt…“
„Wer war das, der hat uns nun Ihnen gemeldet?“
„Ein Junge, fast zwanzig, Charakter recht rein.
Der Junge, der hat mir ein Blatte gegeben…“
„Verdammter Tobiôsz, ich hasse das Schwein.“
„Er meinte, ihr hätte die Sprache geschrieben.“
Und nahm er das Blatte geschwinde hinaus.
„Er meinte, ihr würdet die Sprache nun lieben.“
Und breitete schweigend den Zettel dann aus.
Er blickte zum Dichter, die Blicke verfroren.
Bemerkte der Manne, die Tinte war frisch.
Und hat er dem Dichter das Blatte entzogen.
Und legte dann beide vergleichend zu Tisch:
ãrbȯrkă, -ħĭ, J. ărbǻrkȯų̯, -bãrkȯų̯ – die Erbin
ãrbȯř, -ařă, -åřă, L. ărbãřʉ̇ – der Erbe
arèst, -èstʉ̇ – der Arrest
ãrχă, -χ̌ĭ – die Arche
ărmɛ͂i̯nï, -nå, -nė adj. – die Armee betreffend
ărmɛ͂į̯nï – siehe: ărmɛ͂i̯nï
ărmɛ͂jă, -jä, A. ãrmɛją, Pl. G. -jï – die Armee
atãkă, - ħĭ – der Angriff, die Attacke
ataḱėrãc – angreifen, attackieren
Prs. ãtaḱėrʉ̇ją, Prt. ataḱėrȍʉ̯l, Imp. ataḱė̂rөʉ̯
ataḱėrʉ̀o̯văc
Prt. ataḱėrʉ̀o̯vөʉ̯l, siehe: ataḱėrãc
„Die Tinte ist ähnlich“. Verkündet er beißend.
„Doch wissen wir dreie, die Schrifte ist gleich.
Das Urteil, das wirkte im Herzen zerreißend.
Die Stimme verändert, die war mal einst weich.
Und schaute der Dichter recht ruhig, gelassen.
„Verhaftet Sie meiner? Weil Regeln ich brach?“
„So gehe, mein Dichter, ich werde das lassen.
Ich werde nichts sagen.“ Der Manne versprach.
„Ich wollte die Sprache nur sehen und lesen.
Verhaften? Mitnichten, das wäre nicht recht.
So ist es, ich denke, grundsätzlich gewesen.
Die Sprache ist wahrlich vorhanden und echt.
Ich möchte euch beide bewahren und warnen.
Es kommen bald Reiter, die bringen euch weg.
Die werden euch beide für Taten verhaften.
So sucht euch, ich rate, ein wahres Versteck.
Der Junge, er wollte euch schließlich verraten.
Und hat er das allen, selbst meiner erzählt.
Verachte ich wirklich vom Herzen solch‘ Taten.
Wobei sie nicht helfen, da Menschen sie quälen.
Die Reiter, sie kommen, ich denke, nun morgen.
Versteckt euch, ich bitte, das wäre mein Rat.
So seid dann für Tage und Wochen verborgen.“
Und reichte dem Dichter das ‘stohlene Blatt…
VIII – DER ABSCHIED
„Wir müssen verschwinden, die Ferne ersuchen.
Denn kommen Soldaten, die plündern das Heim.“
„Mein Guter, ich werde nicht fliehen und suchen.
Denn lass‘ ich das Weichen und Fliehen halt sein.“
„Sie werden dich finden und quälen und schlagen.“
„Das weiß ich, denn ist mir das alles bewusst.“
„Dann fliehe, sonst werden sie deiner auch plagen.“
„Ich habe zum Weichen und gehen kaum Lust…
Und wenn ich jetzt fliehe, was soll es erbringen?
Denn bin ich zu bieder, zu mager und alt.
Dann soll halt mein Leben im Dorfe verklingen.
Durch Leiden, vielleicht auch durch jene Gewalt.
Was soll mir das Weichen im Grunde erbringen?
Ein neues zu Hause? Ich bin ja schon alt…
So soll mich der Degen für immer durchdringen.
Ich sterbe für Kláhi. Denn bin ich bereit…“
Und schrieb‘ er gelassen die Wörter nun nieder.
Die Wörter, an die er sich leise entsann.
„Wir sehen uns Freunde, ich denke, bald wieder.
Dann ist auch die Arbeit, die meine, getan…“
atălerȧ͂jă, -jä, A. ãtăleräją – die Artillerie
atălerȧ͂stă, -tä, D. -tөjʉ̇, Pl. N. -tөvjä – der Artillerist
atălerä̀jă, atalerȧ͂jă
atălerä̀stă, atalerȧ͂sta
atălerï̂nï, -nå, -nė adj. – die Artillerie betreffend
atălerį̈̂nï, atalerï̂nï, atălrȧ͂jä, atalerȧ͂ja
atălrȧ͂stă, atalerȧ͂sta, atălrä̀jă, atalerȧ͂ja
atălrä̀stă, atalerȧ͂sta, atălrï̂nï, atalerï̂nï
atălrį̈̂nï, atalerï̂nï
atăstėrãc – attestieren, bescheinigen
Prs. ãtăstėrʉ̇ją, Prt. atăstėrȍʉ̯l, Imp. atăstė̂rөʉ̯
zaatăstėrãc – attestieren, bescheinigen
atăstėrʉ̀o̯văc – attestieren, bescheinigen
Prt. atăstėrʉ̀o̯vөʉ̯l, siehe: atăstėrãc
atèst, -èstʉ̇ – das Attest, die Bescheinigung
avązėrãc – befördert werden
Prs. ãvązėrʉ̇ją, Prt. avązėrȍʉ̯l
avązėrʉ̀o̯văc – befördert werden
Prt. avązėrʉ̀o̯vөʉ̯l, siehe: avązėrãc
ãvɣăŋk, -kʉ̇, L. -kʉ̇ – der Abgang, der Absatz, der Verkauf
„Versteh‘ ich das wirklich, von Seelen getrieben.
Ich wünsche dir Liebe und Freude und Glück.
Damit auch die Leben, die gab es, auch blieben.
Und hoff‘ ich, wir finden uns schließlich zurück.“
Verließ‘ dann der Freunde den Dichter in Tränen.
Sodass er geschwinde im Walde verschwand.
Wer will schon den Abschied für immer erwähnen.
Denn keiner verliert nun recht gerne sein Land.
Der Dichter, er schaute und blickte zu Straßen.
Wobei er die Wörter mal wieder hier schrieb‘.
Er wollte sein Heime, sein Kláhi nicht lassen.
Sodass ihm nicht vieles, nicht vieles verblieb‘.
So wollte die Feder die Tinte noch schmecken.
So haben sich beide verewigt, geküsst.
Der Dichter, der wollte die Seiten nun decken.
Denn spürte er schlagend ein wahres Gelüst:
ȧ͂bө – oder, siehe: ãbө
ȧ͂lä – siehe: ãlä
ȧ͂ńė - siehe: ą͂ńė
ä – und
ä – Partikel, der den direkten und indirekten Fragesatz einleitet
äbө – oder, siehe: ãbө
älä – siehe: ãlä
äńė – siehe: ą͂ńė
ä̀bө – siehe: ãbө
ä̀lä – siehe: ãlä
ä̀ńė – siehe: ą͂ńė
åpjȯ́u̯tĕčkө – siehe: åpjȯ́ų̯tĕčkө
åpjȯ́u̯tʉ̇škө – siehe: åpjȯ́ų̯tʉ̇škө
åpjȯ́u̯tĕčkө, -kă – junges Äffchen
åpjȯ́ų̯tʉ̇škө, -kă – junges Äffchen
åpөváo̯ – siehe: åpөvǻu̯
åpөvǻu̯, -vė́ – das Affenweibchen
åpʉ̀o̯vï, -vå, -vė adj. – den Affen betreffend
ǻrṭ, -ṭʉ̇ – die Art, die Sorte, die Gattung, die Weise
na-tìe̯n, na-jï̂nï ǻrṭ – auf diese, auf andere Weise
ǻu̯! – ach!
Er schaute dann wieder, die Seite geschrieben.
Die schob‘ er zur Seite und blickte erpicht.
Die Tage und Stunden, die leise ihm blieben.
Und spürte in denen ein wahres Gewicht.
Begangen die Augen des Dichters zu tränen.
Sodass er zu seufzen und weinen begann.
Begann er sein Abschied alleine zu wähnen.
Die Schwere, die müde in einfach durchdrang.
Er seufzte, doch musste der Manne sich raffen.
„Verstehe ich wirklich, das Enden ist nah.
Ich werde das Werke erbringen und schaffen.
Beende ich morgen den Abschnitt von A…
Und weiß ich, ich werde das alles vollbringen.
Die Sprache ist etwas, die meiner gebraucht.
So soll auch die Sprache für immer erklingen.
Ansonsten ist jene, verschwunden, verraucht.
Und tu‘ ich das wirklich für Kinder der Kinder.
Bloß hab‘ ich nicht vieles am Ende davon.
So hoff‘ ich auf Leute und Menschen, die Finder.
Die finden und sprechen recht gütig den Ton.
Und werd‘ ich die Arbeit mitnichten verweisen.
Aus Liebe, aus Sitte, aus Gnade und Zeit.
Die Leute sind Schmieder, die Sprache das Eisen.
Und mach‘ ich den Menschen das Erze bereit“:
ǻu̯gńä! – oh! oh Wunder!
ǻu̯χă! – oh weh!
ǻu̯χăc – stöhnen, ächzen
Prs. ǻu̯χą, -χȯš, Prt. ǻu̯χөʉ̯l åχã
naǻu̯χăc są – sich sattstöhnen, genügend ächzen
zaǻu̯χăc – zu ächzen beginnen
ǻu̯χnȯu̯c – siehe: ǻu̯χnȯų̯c
ǻu̯χnȯų̯c – stöhnen, aufächzen
Fut. ǻu̯χńą -ńĕš, Prt. ǻu̯χnȯu̯n -ȯχną͂
Inf. ǻu̯χnȯų̯c, Prs. -ȯχńą͂ -ǻu̯χńĕš, Prt. ȯχnȯu̯n
zaǻu̯χnȯų̯c – aufstöhnen, aufächzen
ǻu̯lf, -fă – Papierdrache, der Alf, ein feuriger Drache [Sagengestalt]
ǻu̯mĕn – das Amen
„So will ich die Wahrheit den Leuten hier geben.
Ich tu‘ das aus Gnade, ich kenne kaum Gier.
So soll auch ein Teilchen von meiner hier leben.
Im Herzen der Menschen, die leben noch hier.
So bin ich zum Schützen, seit Jahren verpflichtet.
Verpflichtet seit Jahren, seit meiner Geburt.
Und hab‘ ich das Werke, das Ganze, gedichtet.
Geboren in Polen, als Söhnchen der Furt…
Und werd‘ ich in Polen erbleichen und sterben.
Zu Hause, so hab‘ ich das immer gewollt.
Und will ich doch lieber den Kummer erwerben.
Als jedoch zu sterben im Silber und Gold.
So sagt mir, was brauchet die Seele zum Leben.
Die meine, die schließlich nur Wasser bedarf.
Bloß muss ich ihr bisschen zu essen was geben.
Da diese zu hungern und sterben nicht darf.
Man darf halt die Seele, die seine nicht quälen.
Erweist sie am Ende mitnichten ein Amt.
Die Freuden, die werden für immer hier fehlen.
Dann wäre man wirklich im Leben verdammt.
Was brauchen wir alle zum Weilen und Leben.
Mir reichen Gedanken und etwas vom Brot.
Verzeiht doch mir Engel, was sollte ich geben.
Verzeiht mir die Seele, die sehnt sich zum Tod.
Und sind auch die Tage und Stunde erloschen.
Ich brauche nur Essig und etwas vom Wein.
Verachte ich Silber, Demanten und Broschen.
Die Schlichtheit ist alles, sie macht uns ja rein.
Je schlichter die Seele, je schlichter das Leben.
Dann ist auch das Leben im Grunde bewahrt.
Man müsset dem Körper die Künste nun geben.
Wie Lyrik und Sprachen der anderen Art.
So bin ich zum Schützen alleine verpflichtet.
Denn ist es ein Leben, ich denke, ein Traum.
Ich sterbe nicht wirklich, ich habe gedichtet.
Ich sterbe nicht, Guter, ich änder‘ den Raum.“
Wie mochten die Finger die Feder zu fassen.
Die Spitze, die kratzte und einfach nur stieß.
Die Tinte, die wollte die Wörter nicht lassen.
Zehn Wörter verfasste, gar welche sie ließ:
ǻu̯pă, -pä, Pl. I. -pmï – der Affe
ǻu̯pĕn adj. – offen
ǻu̯pĕn adv. – offen
ǻu̯pją, -pjică, Pl. N. åpją͂tă –junger Affe
ǻu̯pjï, -pjå, -pjė adj. – den Affen betreffend
ǻu̯pjȯu̯tkө, -kă, Pl. N. åpją͂tkă – junges Äffchen
ǻu̯pk, -kă – kleiner Affe
ǻu̯pkă, -ħĭ – das Affenweibchen
ǻu̯pȯu̯, -pөvï, -vå, -vė adj. – Affen-
ǻu̯psħï, -kå, -ħė adj. – den Affen betreffend
„Bewahren ist Gnade, die bringet den Segen.
Durchwelchen die Sünde mal wieder erstarrt.
Die Leben, die kommen und gehen wie Regen.
Sodass man sich selber und Sprachen bewahrt.
So ist es, was immer, was immer wir müssen.
Damit man rein gar nichts, alleine vergisst.
Bloß treten die Sünder das Wahre mit Füßen.
Denn endet beim Sterben die Mühe und Frist.
Wir Leute sind alles, am Ende auch Zeugen.
Wir leben, so sei es mitunter die Pflicht.
Wenn Söhne und Söhne der Söhne beäugen.
Dann hoff‘ ich, dass nimmer das zerbricht.
Verpflichtet sind alle zum Wahren und horten.
Die Sprache ist alles, die unser hier hält.
Bemisst man das Schöne alleine in Worten.
Die nimmer vergessen die Anmut der Welt.
Und wollte das Leben uns alle hier binden.
Verliert sich im Herzen für immer der Kuss.
Denn ist es viel leichter, als Liebe zu finden.
Die Liebe ist alles, bei weitem nur Stuss.
Es dämmert mir leise im Grunde bestohlen.
Ich liebe nicht wirklich, ich liebe nicht mehr.
Es war so, als würde mein Herze verkohlen.
Mit Liebe zu leben, empfand‘ ich zu schwer.
Sie wollte mich immer und immer vernichten.
Sie hatte mich trotzdem ein wenig geprägt.
Begann ich aus Leiden zu sammeln und dichten.
Bevor mich das Schmerzen für immer erschlägt.
So siehst du, ich schreibe nun wieder die Seite.
Die eine der letzten, im Grunde fürs A.
Wobei ich die Wunder für immer hier leite.
So seh‘ ich das Schöne der Wörter hier klar.“
ǻu̯s conj. – und
ǻų̯mĕn – Amen, siehe: ǻu̯men
åzãc – verbrauchen, verschwenden, umkommen, verkommen lassen
Prs. ǻu̯zʉ̇ją oder áo̯zʉ̇ją [dialektabhängig], åzʉ̇̂jĕš, Prt. åzȍʉ̯l
Inf. -åzãc, Prs. -åzʉ̇ją, Prt. -åzȍʉ̯l
dөåzãc – vollständig verschwenden, verkommen lassen
pөåzãc – verschwenden, verkommen lassen
rөåzãc – alles verschwenden, verkommen lassen
vȧ͂åza̋c – alles verschwenden, verkommen lassen
zaåzãc – verschwenden, verkommen lassen
åzʉ̀o̯văc – verschwenden
Prs. åzʉ̀o̯vөʉ̯l, siehe: åzãc
ą͂jĕl, -ɣlă, L. ąɣlʉ̇́ – der Bienenstachel
„Ich glaube, die Wunder sind einfach geblieben.
Verschwendung der Kräfte, mitnichten der Zeit.
Ich möchte nicht weilen und ständig hier lieben.
Wer kannte die Stunden, ich kenne das Leid.
Und wundern die Wunder die Leute mitnichten.
Als wäre es gar nichts, als Schwefel und Rauch.
So will ich ein Wunder, das meine, errichten.
Geschichten und Taten, die jeder sie braucht.
Und will ich die Tage hier suchen, erkunden.
Die Narben, die heilen. Für immer, sofort.
Und kennen wir Guter, ich denke, die Stunden.
Die Stunden, die gehen und laufen zum Ort.
Ich hoffe, die werden ein wenig noch bleiben.
Denn ist auch mein Epos nun baldig vollbracht.
Ich möchte die Teile, die nächsten beschreiben.
Die bleiben am Morgen, am Abend, bei Nacht.
So sollen ich die Lieder, die kenn‘ ich erklingen.
Damit man die Epen für immer hier kennt.
Die Menschen, die leben und diese dann singen.
Damit auch das Schlechte für immer verbrennt.
Ich hoffe, dass fallen die Schrecken hier nieder.
Das Gute bleibt gütig, das Schlechte geht fort.
Und blüht mir im Garten, ich hoffe, der Flieder.
Verlasse ich nimmer, mitnichten den Ort…
Wer kannte mein Guter, ich denke, die Taten.
Die Schrecken, die gibt es, die wiegen uns ein.
Die Leute, die blühen, verblühen im Schatten.
Verkümmert, in Trauer und schließlich in Pein.
Ich möchte den Taten der Sünden nicht glauben.
Ich glaube ans Schöne, das immer was bringt.
Ich liebe hier wirklich den Garten mir Trauben.
Sodass er mein Unmut für immer verschlingt.
Und glaub‘ ich, ich werde es einfach belassen.
Ich kenne das alles, was immer mich rührt.
Ich möchte die Taten der Sünden nicht hassen.
Denn ist es das Hassen, das Sünden verführt.
So bin fast fertig mit dichten und schreiben.
Das ist hier, ich spüre, das Ende, der Port.
Die Wolken, die leise und ruhig hier treiben.“
So fuhr das Schreiben gelassen auch fort:
ą͂kȯr, -өră, Pl. G. ąkʉ̀o̯rȯu̯ – der große Schiffsanker
ąkrãc – verankern, mit eisernen Klammern befestigen
Prs. ą͂krʉ̇ją, Prt. ąkrȍʉ̯l
přäąkrãc – verankern
vʉąkrãc – verankern
zaąkrãc – verankern
ąkrʉ̀o̯văc – verankern
Prt. ąkrʉ̀o̯vөʉ̯l, siehe: ąkrãc
ą͂mă, -mä – die Amme
ą͂mĕn* – Amen, siehe: ǻų̯mĕn
ą͂ńė conj. – und nicht, nicht einmal
ą͂ńė … ą͂ńė – weder … noch
ą͂ħĕr, -kră, L. ąkrʉ̇́ – der Anker, die Eisenklammer
ą̇͂ńė – und nicht, nicht einmal, siehe: ą͂ńė
ą̈̋ńė – und nicht, nicht einmal, siehe: ą͂ńė
„Vollendet die Mühe, das mag ich verfügen.
Doch schaue, vollendet ist endlich der Teil.
So will ich mein Guter, ich denke, nicht lügen.
So war das beschwerlich, ich denke, derweil.
Und will ich dir alles, das alles hier zeigen.
Die Wörter gelistet, beginnend mit A....
So sage mir etwas… Ich hasse das Schweigen…
Versteh‘ ich das, Guter… Du bist ja nicht da…“
***
Anmerkungen vom Verleger: Hier endet Pan Dziadeks erster Brief,
der ohne Veränderungen übernommen wurde. Ob weitere Briefe
folgen, vermag ich nicht zu sagen.
Slowinzisch = ausgestorbene westslawische Sprache, die in Polen gesprochen wurde
Dr. Friedrich Lorentz = deutscher Slawist, der die slowinzische Sprache aufschrieb
Kláhi = slowinzischer Name des Dorfes Klucken im polnischen Pommern,
Klucken war der letzte Ort, in dem Slowinzisch gesprochen wurde
Kaschuben = westslawisches Volk, das in Polen in Pommern im Landstrich Kaschubien lebt
Oheim = veralteterer Begriff für Onkel, Bruder der Mutter
Szlachta = polnische Bezeichnung für die Gesamtheit des polnischen Adels
Przeklęty = polnisch für verflucht
Portière = Türvorhang aus schwerem Stoff
Tissel = Synonym für Brennnessel
Karbol = veralteterer Begriff für Phenol, Flüssigkeit, die zum Desinfizieren genutzt wurde
Äther = gemeint ist Diethylether, der als Narkosemittel eingesetzt wurde
Tobiôsz = slowinzisch-kaschubischer Name, Tobias
Łeba = Kleinstadt und Badeort in Pommern
Danzig = Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern
Berlin Biesdorf-Süd
14.03.2026 – 02.04.2026
Dla mojej ukochanej Sary | Der erste Rohentwurf
VORWORT DES AUTORS
Ehrlich gesagt hegte ich lange Zweifel, ob ich dieses Gedicht überhaupt veröffentlichen sollte. Es ist nicht aus dem Wunsch heraus entstanden, zu gefallen oder Anerkennung zu finden. Sein Anliegen liegt an anderer Stelle: im Bewahren, im Schützen und im erneuten Zugänglichmachen einer Sprache, die längst aus dem lebendigen Gebrauch verschwunden ist.
Die slowinzische Sprache, die auch slovjĩnsħï ją̃zĕk beziehungsweise slovjĩnsħė gådą̃ńė genannt wird, gehört zu jenen Stimmen Europas, die im Laufe der Zeit verstummt sind und deren Echo heute nur noch schwach vernehmbar ist. Was von ihr geblieben ist, existiert nicht mehr im gesprochenen Wort, sondern fast ausschließlich in den stillen Archiven der Sprachwissenschaft: In Wörterbüchern, handschriftlichen Notizen und Transkriptionen, die festhalten, was einst lebendige Rede war.
In diesem Werk erscheinen die Wörter in der Transkription von Dr. Friedrich Lorentz, so, wie er sie aufgezeichnet hat, soweit es mir möglich war, diese Form zu bewahren. Ich habe bewusst darauf verzichtet, sie zu modernisieren oder anzupassen. Nicht aus philologischer Strenge oder wissenschaftlichem Anspruch heraus, sondern aus Respekt vor dem Versuch, eine Sprache in dem Moment ihres Verschwindens festzuhalten.
Aus diesem Gedanken heraus bezeichne ich sie als eine Bernsteinsprache. Wie ein Insekt im Bernstein eingeschlossen wird und so den Augen späterer Zeiten erhalten bleibt, ohne jedoch weiterhin Teil der lebendigen Welt zu sein, so sind auch diese Wörter überliefert: Nicht mehr im täglichen Gebrauch, nicht mehr getragen von Stimmen und Atem, und doch bewahrt in ihrer Form, in ihren Lauten, in ihren Zeichen. Sie sind Überreste einer Wirklichkeit, die einst gesprochen wurde, Spuren einer Welt, die nicht mehr präsent ist.
Dieses Werk versteht sich daher nicht als Versuch einer Wiederbelebung im eigentlichen Sinne und auch nicht als Neuerfindung dieser Sprache. Es ist vielmehr als ein stilles Gefäß gedacht, das ihren Nachklang bewahrt. Die Wörter werden hier gesammelt, festgehalten und dem Leser zugänglich gemacht, nicht um sie in den Alltag zurückzuführen, sondern um zu verhindern, dass sie vollständig im Vergessen versinken.
Und sollte ich eines Tages selbst vergehen, so bleibt mir zumindest die Gewissheit, alles in meiner Macht Stehende getan zu haben, damit diese Sprache nicht in gleicher Weise verschwindet wie ich. Denn das Leben eines Menschen ist begrenzt und vergeht unausweichlich mit der Zeit. Ein Wort jedoch besitzt die eigentümliche Fähigkeit zu überdauern, solange es gelesen, ausgesprochen oder niedergeschrieben wird.
Die Arbeit an diesem Werk hat mir nicht selten den Schlaf geraubt. Zu groß war die Unsicherheit darüber, wie sich ein solches Vorhaben überhaupt angemessen umsetzen lässt, damit das Werk nicht zu sehr nach einem Wörterbuch klingt. Die vorliegende Fassung, die, ich unperfekt und unvollkommen finde, trägt daher noch immer Spuren dieses Ringens und ist in gewisser Weise eine Rohform geblieben. Vielleicht gehört sie nicht zu meinen besten Arbeiten, doch sie ist ein ernsthafter Versuch, sich einer Sprache zuzuwenden, die längst aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden ist.
Als Slawe empfinde ich dabei eine gewisse Verpflichtung, an jene slawischen Sprachen zu erinnern, die im Laufe der Geschichte verloren gegangen sind. Dieses Werk soll ein kleiner Beitrag dazu sein. Weitere Teile sind bereits angedacht, doch bedürfen sie noch sorgfältiger Überlegung, um ihrer Aufgabe gerecht werden zu können.
Ich werde diese sechsundzwanzig Seiten noch überarbeiten. Doch diese Überarbeitung wird nicht vollkommen sein, und sie soll es auch nicht sein. Denn Perfektion birgt die Gefahr, ein solches Werk zu erstarren zu lassen. Was zu glatt wird, verliert nicht selten jene Spuren des Suchens, des Zweifelns und des Ringens, die ihm erst seine Echtheit verleihen. In diesem Sinne bleibt auch die Unvollkommenheit ein Teil seines Wesens. Zugleich versuche ich, meine Texte so zu schreiben, dass sie nicht steif, nicht künstlich und nicht erzwungen wirken. Sprache ist für mich nichts vollkommen Geglättetes, nichts Reinpoliertes. Sie darf Brüche, Wiederholungen, kleine Umwege haben. Sie darf diese nicht nur haben, sie muss diese haben. Sie darf innehalten, sich selbst korrigieren, weitergehen. Und so finden sich auch hier einfache Verbindungen, wiederkehrende Worte, dieses leise und, so, nun, welche den Rhythmus des Alltäglichen tragen. Vielleicht ist es gerade das, was einer verschwundenen Sprache am ehesten gerecht wird, nicht ihre Glättung, sondern ihr Nachklang im Unvollkommenen.
Für einige Tage werde ich mich nun aus dem Forum zurückziehen, da ich die Osterzeit im tschechischen Karlsbad verbringen werde. Ich grüße euch alle herzlich und wünsche euch frohe Ostern, veselé Velikonoce, wie man in Tschechien sagt.
Viel Spaß beim Lesen und liebe Grüße aus Berlin
Marc
ANMERKUNG DES VERLEGERS
Bekam ich das Schreiben im Laufe der Tage.
Die Seiten zerrissen, der Einband beschmutzt.
Der Briefe war dreckig, verlor‘ er die Farbe.
Ich habe ihn trotzdem zum Drucken genutzt.
Die Zeichen, sie waren recht seltsam gelegen.
Die Tinte verschwommen, die Blätter gewellt.
Ich drucke den Briefe aus Gnade und Segen.
Verlang‘ ich für diesen als Händler kein Geld.
Der Dichter, er wollte die Sprache bewahren.
Und will ich dasselbe, ich laufe sein Weg.
Und jeder soll wirklich von dieser erfahren.
Sodass ich die Briefe, die kommen, verleg‘.
Ich habe die Wörter, die standen, belassen.
Ich tat es bei weitem, so gut es auch ging.
Ich hoffe, die Briefe, sie finden zu Massen.
Dann wäre die Sorge des Sterbens gering.
Verzogen sich Seiten alleine durch Wasser.
Ich nehme das Drucken als solches in Kauf.
Doch bange ich wirklich um jenen Verfasser.
Und hoffe mit Aufricht, dass ist er wohlauf.
Ich grüße den Leser mit Achtung und Gnade.
Wobei ich den Mangel der Arbeit nicht merk‘.
Das heimlich belassen, das wäre doch schade.
So gibt es ein Nachtrag am Ende zum Werk…
Karlsbad / Karlovy Vary,
der 12. August 1806
Dr. Karl Lukáš Kadlec
Hauptschriftleiter und Verleger
Königsdrucker Verlag Karlsbad
Abt. Belletristik und Lyrik
Ulice Lázeňská / Tržiště
BRIEF I
In unveränderter Form abgedruckt
Verleger! Ihr Freunde, mein Guter und Mäzen.
Erreicht Dich, ich hoffe, nun heile, der Brief.
Und ließ ihn, ich bitte. Das würd‘ ich ja schätzen.
Ich schreibe, weil ich halt paar Sorgen durchlief.
Nun hast Du das Schreiben nach Tagen erhalten.
Ich dachte, dass Preußen sich diesen nun nimmt.
Da leider die Deutschen mein Polen verwalten.
So wär‘ schon der Abfang des Briefes bestimmt.
Denn ist mir der Inhalt des Briefes recht teuer.
Und ist er auch wichtig, so wisse, mein Freund.
Und wehe, wenn fällt wohl nun dieser ins Feuer.
Sodass das Vergessen die Länder auch säumt.
Denn kommen Soldaten, die prägen die Länder.
So ist auch mein Kláhi durch diese bedroht.
Sie plündern die Kirchen und Haine und Felder.
Sie säen den Kummer. Und ernten den Tod.
Ich spüre ein Schlagen. Ein Lodern im Herzen!
So wehe, Slowinzisch, die Sprache, die stirbt.
Das Sterben der Sprache ist arger als Schmerzen.
Weil keiner die Wörter, kein Leben erwirbt.
Ich habe drei Punkte, die will ich hier wähnen.
Damit man rein gar nichts, für nimmer vergisst.
Ich spüre im Herzen ein Weichen und Sehnen.
Weil jede der Sprachen die Sterbliche ist…
[1]
Das Wahren ist nötig und wichtig und ethisch.
Damit auch für immer und immer was blieb‘.
Die Glyphen sind Laute, die bleiben phonetisch.
Phonetisch, wie jedoch Pan Lorentz sie schrieb‘.
So stehen die Wörter, bestehend aus Glyphen.
Und jeder der Glyphen enthält wohl sein Laut.
So muss man die Gebung der Laute nicht prüfen.
Sie ändern sich gar nicht. Sie bleiben hier traut.
Wir drucken halt anders, ich denke, die Blätter.
Bloß nutzen wir jedoch seit Jahren kein Blei.
Und waren beweglich Pan Lorentz‘ die Letter.
Er konnte sie setzen und schneiden ganz frei.
Doch ist das mit unser Methode nicht möglich.
Zusetzen die Punkte, Akzente wie er…
Veränder‘ ich diese, denn ist das hier nötig.
Sonst wäre das Drucken unmöglich zu schwer.
Ich wollte und musste Akzente schlicht setzen.
Denn ist es beim Wahren alleine die Pflicht.
So sind sie gestapelt, das möchte ich schätzen.
Sodass es bloß diesem Exempel entspricht:
ė́, ǻ, ȯ́ etc.
Denn kann ich die Zeichen mitnichten so setzen.
Wie tat es Pan Lorentz‘ im Laufe der Zeit.
Verleger! Ihr Freunde, mein Guter und Mäzen.
Verzeih‘ mir, denn spür‘ ich das Leiden so weit.
[2]
[ăfkáo̯ctvө, afkǻu̯ctvө, ăfkáo̯cħï, afkǻu̯cħï
ăfkáo̯t, afkǻu̯t, ăfkáo̯tkă, afkǻu̯ta]
Die Wörter, die scheinen und stehen wie oben.
Bedeuten sie schließlich, im Sinne ein Wort.
Denn will ich das Ganze der Sprache geloben.
Sonst wäre die Vielfalt für immer auch fort.
Die Schreibung ist jedoch ein wenig verschieden.
Sie ändert sich einfach vom Dorfe zum Dorf.
Wodurch sich die Glyphen verändern und schieben.
Bedeutet es trotzdem, noch trotzdem das Wort.
Ich werde die Namen der Dörfer nicht nennen.
Aus Vorsicht und Achtung, alleine aus Schutz.
Sonst werden die Preußen auch diese verbrennen.
So dient es nun wirklich als Wahrung und Trutz.
[3]
Ich nutzte paar Wörter zum Füllen beim Dichten.
Damit auch die Metrik und Syntax verbleibt.
Ich wollte die Handlung nicht einfach vernichten.
Verzeiht‘ mir, denn hab‘ ich nie wirklich gereimt.
So kommen die Wörter wohl wieder und wieder:
„So, schließlich, und, trotzdem, alleine, soweit…“
Verzeiht‘ mir, ich schrieb‘ ja Gedanken nur nieder.
Und hatte zum Ändern und prüfen kaum Zeit…
So hab‘ ich das Werke zum Wahren geschrieben.
Das Dichten, es war auch mein erster Versuch.
So hoff‘ ich, dass Wörter und Glyphen verblieben.
Vermächtnis ist alles. So wird das ein Buch…
Ich wünschte, ich könnte das alles verbessern.
Doch schrieb‘ ich nie wirklich Gedichte davor.
Sodass halt die Wörter zum Füllen verwässern.
Doch hab‘ ich das Ändern, Verleger, bald vor.
Kláhi / Klucken (Smołdzino),
der 23. Juni 1806
Euer Pan Dziadek
Przemësłôw Kaitsch
Postskriptum
Vòi̯čä nãš, χtùo̯rï jìe̯s vńìe̯bjä,
vòtpŭscä našė gřė̂χ̌ĭ…
Vater unser, der du bist im Himmel,
vergib‘ unsere Sünden…
PROLOG
Und spür‘ ich im Herzen ein wahres Gefilde.
Damit man die Wunder der Sprache bewahrt.
So scheint es, als wäre auch dieses eine Bilde.
Dass jedoch vergesslich im Menschen verharrt.
Inmitten den Dörfern, den Teichen und Huben.
Inmitten von Polen, so grüß‘ ich das Land.
Und sagt man, dort leben und lebten Kaschuben.
Entstanden die Häuser auf Torfen und Sand.
Inmitten den Ländern, den ganzen Provinzen.
Da keimte mal einmal die Rose empor.
Und lebten im Osten und Westen Slowinzen.
Und wuchs auch mit denen die Sprache hervor.
Mit Bräuchen und Wörtern, die bilden die Sitte.
Die jedoch man leider vergaß und verwarf.
Und trag‘ ich im Herzen, seit Tagen, die Bitte.
Dass niemals die Sprache verloren gehen darf.
So will ich, was war nun, für immer bewahren.
Damit es mitnichten, für immer vergeht.
So sollen die Menschen davon auch erfahren.
Und bleibt das für immer mein letztes Gebet.
Und spür‘ ich im Herzen mein wahres Gefilde.
So sei das Bewahren im Grunde mein Schutz.
So sei das mein Leben, das wahrlich ich bilde.
Ich mach‘ das aus Liebe. Ich tu‘ das aus Nutz‘.
Und spür‘ ich im Herzen ein wahres Bestreben.
So sei dies‘ mehr Verum als jedoch die Kunst.
Ich schenke der Sprache aufrichtig ein Leben.
Ich tu‘ das für Menschen. Ich tu‘ das für uns…
PAN DZIADEKS BRIEFE. INHALT DES BRIEFES I
Auf Bitten Pan Dziadeks veröffentlicht
I – DER DICHTER
Gesundheit dem Polen, den polnischen Ländern!
Die hab‘ ich einst wirklich als Junge gekannt.
Den Bergen und Felsen mit grauen Gewändern.
Den Dörfern, den Städten am slawischen Strand.
Die Eiben, die wuchsen, die Weiden, die hingen.
Sodass auch die Bläue im Himmel sanft wog.
Dass jedoch die Glocken im Abend verklingen.
Wodurch sich der Abend in Wolken verzog.
Und während sich Sterne wohlwollend erhoben.
Als wären das Engel, die schauten aufs Land.
Begangen selbst Schatten im Himmel zu toben.
Sodass nun der Monde in Schwärze verschwand.
Und standen die Wälder und wogen die Fichten.
Die Weiden, die standen am Flusse im Kreis.
Die Birken, die hingen, die kannten Geschichten.
Und glänzten im Lichte des Dorfes noch weiß.
Im Osten, da standen geschmiedet schon Kliffen.
Aus Sandstein geworden durch Mutter Natur.
Die wurden vom Oheim, dem Regen, geschliffen.
So findet kein Steiger, kein Sucher die Spur.
Und hingen recht mächtig an Zinnen die Föhren.
Die neigten sich nieder, ertragen von Hand.
Die Felsen, die standen und hielten die Höhen.
Als läge der Himmel auf Wipfeln gespannt.
Und standen im Westen auch Berge vor allem.
Die wurden errichtet, damit sie hier thront.
Hier stand mal die Feste mit Türmen und Hallen.
Die wurde von Reichen der Szlachta bewohnt.
Doch heute sind schließlich die Mauern zerfallen.
Vergessen, verloren. Przeklęty, wie’s heißt.
Denn hört‘ man vom Kerker ein Lachen erhallen.
So sagt man, da lebt schon seit Jahren ein Geist.
Und während die Efeu die Mauern verschlingen.
Zerfallen die Steine, die wurden gebracht.
Doch nutzten bloß Tauben die Fugen bei Dingen.
Denn schützen die Wände vor Regen und Nacht.
Und wehten seit Jahren die Fahnen mitnichten.
Zerrissen und fielen die Flaggen durch Pest.
Die ganzen Damaste mit wahren Geschichten.
Die hielten auch einst mal den Adel hier fest…
Befand‘ sich das Meere, das rauschte im Norden.
Das Dorfe im Süden, das Kláhi mal hieß.
Doch ist schon im Himmel der Morgen gekommen.
Der schließlich die Nächte und Sterne verließ.
Gediehen die Birken auch zwischen den Sommern.
Erwachte auch langsam, im Zagen das Dorf.
Die Wälder, die Wege. Die schliefen in Pommern.
Wie rochen die Orte nach Fichten und Torf...
Befand sich im Dorfe, ein Fremder, ein Manne.
Und nannte man diesen aus Achtung, Slawist.
Weil dieser Slowinzisch, die Sprache erahne.
Er schrieb‘ sie, damit sie auch keiner vergisst…
So saß er im Zimmer. Das Fenster stand offen.
Die Kerze, die brannte. Den Stifte zur Hand.
So schrieb‘ er die Wörter, die wusste er, nieder.
Und prägte er schließlich im Grunde sein Land.
Und will er die Zukunft den Leuten vermachen.
Sodass er die Sprache der Slawen beschrieb‘.
Ein ganzes Vermächtnis, das wollte er schaffen.
Damit auch sein Buche für immer hier blieb‘.
Und standen die Wörter in diesem geschrieben.
Begann er die Arbeit, man munkelt, heut‘ Nacht.
Damit auch die Wörter hier bleiben und blieben.
Und hat er den Anfang grundlegenden erdacht:
a – zur Verbindung von einzelnen Wörtern
ã! – ah! ach!
ãbө – oder
ãbө … ãbө – entweder … oder
ădjė́! – leb wohl!
ădjʉ̇dànt, -àntă, D. -tөjʉ̇, Pl. N. -tөvjä – der Adjutant
ădjʉ̇dànsħï, -kå, ħė adj. – den Adjutanten betreffend
ădjʉ̇dàntă, -tä, ădjʉ̇dànt
ădjʉ̇dàntȯu̯, -tөvï, -vå, vė adj. – dem Adjutanten gehörig
adrĕsėrãc – adressieren
Prs. ãdrĕsėrʉ̇ją, Prt. adrĕsėrȍʉ̯l, Imp. adrĕsė̂rөʉ̯
adrĕsėr
Prt. adrĕsėr
adrĕss
adrèsã, -sä, -sï, -ès – die Adresse
ădvĕnt
ădvĕnt
Er wirkte recht müde und schaute auch nieder.
Und blickte zum Fenster, er spürte den Zug.
Vergingen Minuten, beschrieb‘ er dann wieder.
Verschwammen die Stunden, die gingen im Flug.
Der Dichter und Schreiber und stockte er wieder.
Begrüßte der Sommer und Morgen den Greis.
Die Linden, die standen im schönsten Gefieder.
Verschlungen vom Nebel. Der wanderte weiß.
Die Vögel, die sangen seit Stunden die Lieder.
Die Bäche, die rannen und zogen geschwind.
Und keimte und blühte am Hause der Flieder.
Der leise im Grame des Morgens noch minnt.
Beschrieb‘ er dann weiter und dachte verlegen.
Wodurch er die Sprache auch sinnig beschrieb‘.
Ihn rührten auch Äcker. Die Weizen an Wegen.
Und tat es, damit auch die Sprache noch blieb‘:
ădvèntä, -tȯu̯, L. -cėχ́ – die Adventszeit, der Advent
ăfkåtөvǻu̯, -vė́ – die Frau des Anwalts
ăfkáo̯ctvө, afkǻu̯ctvө, ăfkáo̯cħï, afkǻu̯cħï
ăfkáo̯t, afkǻu̯t, ăfkáo̯tkă, afkǻu̯ta
ăfkáo̯tkă, afkǻu̯tka, ăfkáo̯tȯu̯, afkǻu̯tȯu̯
ăfkåtөváo̯, afkåtөvǻu̯
ăfkǻu̯ctvө, -vă – die Anwälte
ăfkǻu̯cħï, -kǻ, ħė adj. – den Anwalt betreffend
ăfkǻu̯t, -tă, D. -tөjʉ, Pl. N. -tөvjä – der Anwalt
ăfkǻu̯tă, -tä, afkǻu̯t
ăfkǻu̯tkă, -ħĭ – die Frau des Anwaltes, die Anwältin
ăfkǻu̯tȯu̯, -tөvï, -vå, -vė adj. – dem Anwalt gehörig
ãχ́ – ach!
ãχ́tĕl, -elă – das Achtel, Fass, das 20 Liter enthält
ãi̯! – ah!
Und wollte der Dichter die Sprache bewahren.
Denn wusste er leider, dass diese bald stirbt.
Die Preußen, die kämpften in Polen seit Jahren.
Um Einfluss und jedoch wer Sprachen bestimmt.
So wollten die Preußen ihr Wollen verbreiten.
Und folgte das Nutzen des Deutschen danach.
Verboten Gesetze Slowinzisch bei Zeiten.
Wobei man verborgen die Wörter hier sprach.
Man tat das, um ihnen die Sprache zu nehmen.
Aus Können und Streben, alleine nach Macht.
Aus Gieren und jedoch aus amtlichen Themen.
Die wurden wie Lügen von Fürsten erdacht.
So saß nun zu Hause der Dichter recht bieder.
Versunken ins Schreiben, die Feder noch fest.
Wie blühte belogen im Sommer der Flieder.
Bis jedoch der Kummer das Herze verlässt.
II – DER FREMDE JUNGE
Und gingen Minuten, die wurden zu Stunden.
Vertiefte sich dieser, indem er hier schrieb‘.
Wie hat er den Kummer mal wieder gefunden.
Damit wohl ein Stücken für immer verblieb‘…
Und spürte der Dichter das Rennen der Zeiten.
Das Treiben, das Lodern und bangen nach Zeit.
Er ahnte, Soldaten, die werden bald schreiten.
Die bringen nach Kláhi Verwüstung und Leid…
So rannte behände und schweigend die Feder.
Die hatte durch Tinte auch Tinte geweint.
Die Spitze, die kratzte und schleifte das Leder.
Sodass nun die Sprache recht langsam erscheint.
Und standen in Gärten selbst Rosen verdörrter.
Wobei sie die Sorgen auch gar nicht verstehen.
Es schien wohl, als fielen nun wieder die Wörter.
Die Wörter, von denen verfasste er zehn:
ajènt, -èntă, D. -tөjʉ̇, Pl. N. -tөvjä – der Agent
ajĕntʉ̇̂ră, -rä, Pl. G. -tʉ̇́r – die Agentur
ajèntă, -tä, ajènt
ãk – wie, siehe jãkө
akcïjȯ́u̯n, -nʉ̇ – die Auktion, die Versteigerung
akcïjȯ́u̯nă, -nä – die Auktion, die Versteigerung
akcïjȯu̯n
akcïjȯ̀ų̯n, akcïjȯ̀u̯n, akcïjȯ̀ų̯nă, akcïjȯ̀u̯na
akcjȯ̀u̯n, akcïjȯ̀u̯n, akcjȯ̀u̯na, akcïjȯ̀u̯na
akcjȯu̯nėrãc – auktionieren, versteigern
Prs. akcjȯu̯nėrʉ̇ją, Prt. akcjȯu̯nėr
pөakcjȯu̯nėrãc – eine Versteigerung abhalten
vãakcjȯu̯nėra̋c – alles versteigern
zaakcjȯu̯nėrãc – zur Versteigerung bringen, versteigern
Beendet der Dichter das Schreiben und Ringen.
Das Blatte wurd‘ fertig, das lange er schrieb‘.
Und während die Stunden wie Leben vergingen.
Die Zeit ist nichts weiter als schließlich ein Dieb.
Erschafft sie halt Dinge, doch nimmt sie das Alte.
Die Tage, die sterben, die werden nicht schlicht.
Denn sind wir die Menschen, die müssen erhalten.
Bewahren und Schützen ist Ehre und Pflicht…
Die Augen des Dichters durchliefen den Raume.
Ein Tische im Zimmer, ein Schranke, ein Bett.
Und hingen Tapten, verschwanden die Farben.
So fraß sich der Schimmel vom Brette zum Brett.
Der Vorhang, der hatte den Eingang verschlungen.
Portière, die hing da. Aus Tissel und Lein‘.
Und plötzlich war draußen ein Aufstand erklungen.
Die Schreie, die rissen die Arbeit schnell ein…
„Wir brauchen den Doktor! Mit Eile und Hilfe!
Wir fanden ein‘ Jungen bewusstlos am Fluss!“
„Er trieb‘ dann ins Dorfe. Gefunden im Schilfe.“
„Verletzt ist der Junge. Man helfen ihm muss…“
Vernahm dann der Dichter die Schläge an Türen.
„Herr Doktor und Dichter, wir suchen den Rat!“
Der Junge, er wird hier das Sterben sonst spüren.
Wir brauchen Sie, Doktor! Wir brauchen die Tat…“
Verließ er im Zuge. Sein Zimmer durch Nöten.
Sein Hause, wodurch er im Hofe wohl stand.
„Beeilung, Herr Doktor! Sonst wird es ihn töten.“
„Wo ist nun der Bursche? Wo diesen man fand?“
„Er liegt hier ermüdet. Mit Blässe und Wunden.
„Ich sehe die Stellen. Ich hol‘ mal Karbol…“
„Herr Doktor. So wird er nun wieder gesunden?“
„Ich denke, das wird er. Das wird er sehr wohl…“
Zwei Männer, sie haben ins Haus ihn getragen.
Die Wunden gereinigt, mit Gaze bedeckt.
Begangen die Bauern, die schauten, zu klagen.
Denn waren die Leinen durchs Blute befleckt.
Wie lag auch im Bette der Junge durchzogen.
Er lag da. Und träumte, durch Äther betäubt.
Ihm wurden die Peine und Sorgen genommen.
So schlief er da friedlich. Von allen beäugt.
Verließ‘ auch der Dichter am Ende den Raume.
Wie fuhr‘ er das Schreiben gelassen auch fort.
Beließ er dem Jungen dann Ruhe, den Traume
Verließ‘ auch gedanklich der Dichter den Ort:
akcjȯu̯nėr
akcjȯu̯n
akcjȯ́ų̯n, akcïjȯ́u̯n
akcjȯ́ų̯nă, akcïjȯ́u̯na
akŏrḍėrãc – einen Vertrag bezüglich einer Dienstleistung schließen
Prs. ãkŏrdėrʉ̇ją, Prt. akŏrḍėr
pөakŏrḍėrãc – einen Preis abmachen
vʉakŏrḍėrãc – eine Arbeit in Auftrag oder Verding geben
zaakŏrḍėrãc – eine Arbeit in Verding geben
akŏrḍėr
Prs. akŏrḍėr
akòrṭ, -òrṭʉ̇ - der Lohnvertrag, der Akkord
ãkȯu̯š? – siehe: jãkȯu̯š
ãkө – siehe: jãkө
ãktä, ăktȯ́u̯, L. -cė́χ́ – die Akten
Ertönten Geschreie im Zimmer vom Dichter.
„Erwacht ist der Junge.“ „Er ist halt erwacht.“
Er blickte in fremde, doch traute Gesichter.
„Ich wurde verwundet, inmitten der Schlacht.“
„Sei ruhig, bleib‘ ruhig, mein Sohne und Kinde.
Hier bist du recht sicher, bewahrend vor Not.
Damit auch das Gute mitnichten verschwinde.
Wir schützen dich, Junge. Vor Fehden und Tod.“
„Es tobten die Leute und brannten die Eichen.“
So gab‘ nun der Junge die Wörter mild kund.
„Die Häuser, die fielen. Verbrannte man Leichen.
Ich wollte schon fliehen. Erlitt ich die Wund‘.“
Der Dichter, der’s hörte. Betrat‘ er sein Zimmer.
Er schaute zum Jungen mit Kühle und streng.
„Die Peine, die werden alleine noch schlimmer.
Verzeih‘ mir, wenn band ich die Gaze zu eng.“
„Wie heißt du? „Tobiôsz“ „Verstehe ich, danke.
So weißt du, Tobiôsz. Die Wunde war schwer.“
„Doch trotzdem ich Ihnen mein Leben verdanke.“
„Wo kommst du, mein Junge bloß eigentlich her?“
„Ich lebte in Łeba, doch komm‘ ich aus Danzig.
Mein Vater Slowinze, die Mutter starb früh…“
„Dein Alter, Tobiôsz?“ „Ich werde bald zwanzig.“
„Verstehst du die Sprache?“ „Ein wenig bemüht.“
III – DER VERDACHT
Und gingen die Stunden wie Blätter im Herbste.
Verfasste der Dichter, der Junge, der schlief.
So dachten Gedanken des Dichters das derbste.
Sodass er sich schließlich in Zweifel verlief‘.
Und spürte der Dichter mitnichten was reines.
Der Junge sprach wenig vom Grunde hinaus.
Die Zweifel des Dichters, sie taten gemeines.
Der Junge sprach Namen und Łeba falsch aus.
ăktävãrʉ̇s, -să, L. V. -sʉ̇ – der Aktuar
ăkt
akʉ̇ráo̯t, akʉ̇rǻu̯t, akʉ̇ráo̯tnï, akʉ̇rǻu̯tnï
akʉ̇rǻu̯t adj. – genau, pünktlich, gewissenhaft
akʉ̇rǻu̯t adv. – genau, gewissenhaft
akʉ̇rǻu̯tnï, -nå, -nė adj. – genau, pünktlich
ãkʉ̇rȯtnөsc, -cä, L. akʉ̇rȯtn
ãkʉ̇rȯtńä adv. – genau, gewissenhaft
alàrm, -àrmʉ̇ – der Alarm
alărmėrãc – alarmieren
Prs. ãlărmėrʉ̇ją, Prt. alărmėr
alărmėr
Prt. alărmėr
Verlor‘ sich der Dichter allmählich im Denken.
Als sprachen die beiden Slowinzisch vorhin.
Die Zweifel, sie wollten den Dichter erlenken.
Ein Worte, das falsch war, erblickte sein Sinn.
Er dachte und blickte nun wieder zur Scheibe.
Denn hat ihn ein Fehler recht massig beplagt.
Und zog ihn den Fehler seit Abend beileibe.
Der Junge hat ħìe̯ř statt das tu̇́ wohl gesagt…
Der Frieden, der wollte in seiner nun brechen.
Bedeutet das ħìe̯ř halt nichts weiter als „Strauch“.
Zwei Wörter, die niemals sich beide entsprechen.
Sie ähneln sich beide. Doch fremd sind sie auch.
Der Dichter verspürte ein Unwohl durch Sorgen.
Bedeutet das tu̇́ halt nichts weiter als „hier“.
So saß er und fühlte sich schließlich betrogen.
Als wäre der Junge durch Absicht bloß hier…
Die Feder, die kratzte und schleifte die Häute.
Verewigt der Dichter zehn Wörter erneut.
Der Morgen, der endlich im Lande erbläute.
Ein Dichter ist jemand, der Arbeit nicht scheut:
alărm
ãlä – aber
alé̇i̯, -lɛ͂jʉ̇, L. -jʉ̇ – die Allee
alɛ͂i̯nï, -nå, -nė adj. – die Allee betreffend
alɛ͂į̯nï, alɛ͂i̯nï
alʉ̇́n, -ʉ̇̂nʉ̇ – der Alaun, der Alaunstein, KAl(SO4)2
al
anḯs, -ï̂sʉ̇, L. -sʉ̇ – der Anis (Pimpinella anisum)
anïs
áo̯! – siehe: ǻu̯
áo̯gńä! – siehe: ǻu̯gńä
ao̯ɣʉ̇́st, -tʉ̇ – der August, achter Monat
IV – DAS GESPRÄCH
„Verstehe ich den Zweifel alleine am Knaben?
Verwechselt er Wörter, was gerne passiert…“
„Und darf ich die Zweifel nun gar nicht erhaben?
Verdammt doch, ich habe Slowinzisch studiert!
Ich denke, ich kenne den Satzbau der Sprache.
Grammatik und alles um Slawen herum...
Nun gut doch… Es ist ja mitnichten die Sache.
Denn hältst du mich wieder für eigen und dumm.“
„Ich möchte es wissen, bloß nenne die Gründe.
Ich nehme dich Guter, ich hoffe, dann ernst.
Damit auch die Wahrheit ein wenig bestünde.
Damit du dich endlich vom Denken entfernst.“
„Verwechselt er Wörter. Und tut er die Fehler.
Der Satzbau ist jedoch und seiner wohl fremd.“
Die Augen des Arztes, sie glänzten nun scheeler.
„Und hat auch der Junge ein‘ deutschen Akzent…“
Sein Freunde verfiel nun gelassen dem Lachen.
„Der Junge ein Deutscher? Das ist doch ein Witz?
Und macht er für Preußen Verbrechen und Sachen.
Wer nimmt schon den Burschen in seinen Besitz.“
„Er ist hier, um schließlich zu blicken und melden.
Sein Finden war Planung. Mitnichten ein Glück.
Denn gibt es in Kriegen, mein Guter, kaum Helden.
So hoff‘ ich, der Junge, der geht bald zurück…“
V – DER DIEBSTAHL
Befand‘ sich der Junge, Tobiôsz, im Zimmer.
Bemerkte er schließlich, der Dichter war fort.
Und lachte der Junge, verletzt war er nimmer.
Betrat er den Raume. Und schaute zum Ort.
Die Bücher, die lagen. Die Blätter daneben.
Die Stapel mit Zetteln und Tinte verteilt.
Und wollte der Junge wohl etwas bestreben.
Denn hat er beim Suchen sich etwas beeilt.
Die Blätter, die Bücher und jedoch die Listen.
Die hat er sich alle in Ruhe durchschaut.
Studierte er scheinbar die Arbeit beflissen.
Die Sprache war leider ihm gar nicht vertraut.
Begann er dann weiter und weiter zu wühlen.
Er brauchte die Liste, die endlich er fand.
Und sah er dann diese mit wahren Gefühlen.
Ergriff‘ er die Liste mit zitternder Hand:
ao̯ɣʉ̇st
áo̯χă! – siehe: ǻu̯χa
áo̯χăc – siehe: ǻu̯χac
áo̯χnȯu̯c – siehe: ǻu̯χnȯų̯c
áo̯lf – siehe: ǻu̯lf
áo̯mĕn* – Amen, siehe: ǻu̯men
áo̯pă – siehe: ǻu̯pa
áo̯pĕn – siehe: ǻu̯pen
áo̯pją – siehe: ǻu̯pją
áo̯pjï – siehe: ǻu̯pjï
Begann er das Blatte im Lachen zu falten.
Und hat er die Tasche mit diesem versehen.
Wodurch auch Gelächter im Raume erhallten.
Er rannte zum Fenster, denn wollte er gehen.
Und ist er durch dieses in Ruhe entkommen.
Verließ‘ er das Hause gelassen und leis‘.
Und diente die Liste, die hat er genommen.
Den Preußen bald jedoch als wahrer Beweis.
Wie rannte der Junge auch über die Felder.
Verließ‘ er nun Kláhi und jedoch das Land.
Erreichte er endlich und hoffend die Wälder.
Sodass er inmitten der Föhren verschwand‘.
VI – DER HERZSCHLAG
„Wo bist du, Tobiôsz?“ Erfragte der Dichter.
„Ich denke, der Junge ist leider schon fort…“
Und wurde die Stimme alleine nur schlichter.
Ersparte der Freunde dem Dichter ein Wort.
„So ist wohl der Junge für immer entkommen.
Verdammt ja, wie war ich alleinig und blind…“
Der Dichter erstarrte. „Er hat das genommen…
Bestahl‘ mich der Junge, Tobiôsz, das Kind.
Mir wurde ein Blatte, ein Blatte gestohlen...
Hier liegen die sechse, das siebte ist fort...
Das achte… Es liegt hier, gefallen auf Bohlen.
Ich hoffte, das Blatte, es liege noch dort…
Doch wurde das Blatte gestohlen, entrissen.“
Wodurch er in Tränen, der Arme, verfiel‘.
„Die Arbeit, die tat ich. Der war ich beflissen.
Doch ist es für viele, wohl leider, ein Spiel.“
Ergriff‘ er den Zettel, die Tränen, die rannen.
Wobei er die Seite im Zögern auch las.
Sein Herze, das wollte nur toben und ahnen.
Sodass er sein Freunde, der hier war, vergaß:
áo̯pjȯu̯tkө – siehe: ǻu̯pjȯų̯tkө
áo̯pkă – siehe: ǻu̯pka
áo̯pȯu̯ – siehe: ǻu̯pȯu̯
áo̯psħï – siehe: ǻu̯psħï
áo̯s – siehe: ǻu̯s
apèl, -èlʉ, L. -lʉ̇ – der Appell
apĕlėrãc – appellieren, Berufung einlegen
Prs. ãpĕlėrʉ̇ją, Prt. apĕlėr
apĕlėrʉ̀
Prt. apĕlėrʉ̀
aprìl, -ìlʉ̇, L. -lʉ̇ – der April, vierter Monat
aprĭlʉ̀
Verspürte der Dichter in seiner die Schwäche.
Sodass er zu Boden mit Peine auch sank.
Sein Herze, das tobte. Begann nun zu stechen.
Der Schweiße, der rannte. Er fühlte sich krank.
„Es scheint so, als würde ich heute versterben.“
„Was hast du? „Ich denke, ich habe ein Schlag.“
Der Anfall, der wollte den Dichter verfärben.
„So endet für immer, ich denke, mein Tag…“
So hat man den Dichter zu Bett auch getragen.
Und hat man auch diesen gewaschen, gepflegt.
Das Herze des Dichters, das wollte nun schlagen.
Sodass es nun wieder in seiner doch schlägt.
Und schlief er nun ruhig und bisschen gelassen.
Sein Freunde, der saß nun blickte zum Freund.
Begann er den Jungen, den Diebstahl zu hassen.
Denn hat er den Umstand der Krankheit bereut.
Der Freunde, er wirkte und dachte verdrossen.
Erblickte das Fenster, der Monde schien hell.
Und hat er das eilig und vorschnell beschlossen.
„Der Junge, der stirbt bald in einem Duell…
Ich möchte den Jungen recht gerne jetzt töten.
Er machte mein‘ Freunde nun bieder und krank.
Wir wollen Vergeltung und diese auch böten…“
Wobei er dann wieder im Schweigen versank.
So nahm er ein Blatte, das wirkte beschrieben.
Beeindruckt, wie hat er das alles verfasst.
Die Sorgfalt, die ist auch ein wenig geblieben.
Wie hat er die Sprache und alles erfasst:
ăptėčńĩctvө, -vă – die Apotheker, das Apothekerwerk
ăptėčńĩcħï, -kå, -ħė adj. – den Apotheker betreffend
ăptėčńĩčï, -čå, -čė adj. – den Apotheker betreffend
ăptėčńikãc – Apotheker sein
Prt. ãptėčńikʉ̇ją, Prt. ăptėčńik
ăptėčńikʉ̀
Prt. ăptėčńikʉ̀
ăptėčńìctvө, aptėčńĩctvө,
ăptėčńìcħï, aptėčńĩcħï
ăptėčńìčï, aptėčńĩčï
ăptė́i̯čkă, -ħĭ – die Apotheke
ăptė́i̯čnï, -nå, -nė adj. – die Apotheke betreffend
ăptė́i̯čńică, -cä – die Frau des Apothekers, die Apothekerin
ăptė́i̯čńĭčk, -kă – der Apothekengehilfe
ăptė́i̯čńĭčkă, -ħĭ – die Frau des Apothekers, die Apothekerin
VII – DER FLIEDERMONOLOG
Und hat nun der Freunde das Hause verlassen.
Umarmend begrüßte ihn sichtlich die Nacht.
So führten ins Schwarze die Wege und Straßen.
Die wurden von Fliedern, die blühten, bewacht.
Man konnte den Dufte auch gar nicht beschreiben.
Verlockend und sinnig, wie dieser erschien.
Sodass auch die Motten hier trieben und bleiben.
Betörte der Dufte wohl schließlich auch ihn.
„Ich glaube, ich werde den Jungen erschießen.
Das wäre mir wirklich, ich denke, auch recht.“
Er spürte schon langsam das wahre Verdrießen.
Die Sinne, die tobten. Der Hasse wurd‘ echt.
„Es wäre ein Wunder, ich möchte ihn finden.
Das wäre Erlösung und scheinbar ein Trost.“
Wie standen recht träge im Dorfe die Linden.
Die wirkten auch trotzdem vollkommen erbost.
„Die Weiden, die hingen. Umgeben vom Flieder.
Sodass auch der Kummer sie alle belässt.
Die Föhren und Tannen, die blickten nun nieder.
Die Erlen, die hielten die Nächte wohl fest.
Die Nächte, die gingen, die eilen bald wieder.
Der Morgen, der endlich die Länder begrüßt.
Wie innig er blühte, ich meine, den Flieder.
Sodass er mir trotzdem mein Herze versüßt.“
VII – DER MORGEN
Erging es dem Dichter allmählich auch besser.
Sodass er das schlimmste seit Tagen durchstand.
Die Länder, die wirkten im Nebel noch blässer.
Die gaben dem Dichter die Güte zur Hand.
So saß er auch draußen, noch wenig benommen.
Doch hat er sich trotzdem ein bisschen erholt.
Bloß fühlte das Herze sich scheinbar beklommen.
Als wär‘ es durch Kummer und Leiden verkohlt.
Versuchte er jedoch, trotz Krankheit zu schreiben.
Doch hat ihn das Halten des Stiftes gepeint.
Und wollte der Dichter bei Arbeit noch bleiben.
So schrieb‘ er zehn Wörter, die standen gereiht:
ăptė́i̯čńikȯu̯, -kөvï, -vå, -vė adj. – dem Apotheker gehörig
ăptė́i̯čńĭḱ, -ikă, Pl. N. -cä – der Apotheker
ăptė̂kă, - ħĭ, Pl. G. -tė́ḱ oder -tė́i̯ḱ [dialektabhängig] – die Apotheke
ăptḯčnï, -nå, -nė adj. – appetitlich, appetiterregend
ãptïčnө adv. – appetitlich
ãptïčnөsc, -cä, L. ăptïčnʉ̀
ãptïčńä adv. – appetitlich
ăptḯt, -ï̂tʉ̇ – der Appetit
apʉ̀
apʉ̀
Er schaute zum Freunde, der blickte zum Dichter.
„Und siehe der Morgen, wie wirkt er hier klar.
Die Sonne, die Flieder, die Wässer und Lichter…
Sodass ich die Schönheit im Morgen kaum sah.
So denkst du, ich werde das Werke vollenden?“
„Das wirst du, mein Guter. Das wirst du genau.“
„Was kann dir Gewissheit, wie diese, erspenden?“
„Wir sind ja zwei Freunde, sodass ich dir trau‘…
Du wirst auch das Werke, das Ganze, vollenden.
Und helf‘ ich dir, Guter. Bei Zeiten und Not.
Und tu‘ ich dann alles, um dir auch zu helfen.
So trennt uns auch gar nicht, ich denke, der Tod.“
„Ich danke dir wirklich, vom Herzen zur Seele.
Und hoffe, dass wahrlich mein Werke gelingt.
So weiß ich, dass vieles im Grunde nicht fehle.
So hoff‘ ich, dass wirklich die Sprache erklingt.
Die Wörter, die dürfen nicht einfach erbleichen.
Sonst geht auch mit denen, die ganze Kultur.
Ich schreibe sie nieder mit Breven und Zeichen.
Das Wahren ist Liebe, so sei es mein Schwur.
So sei dann das Hüten und Wahren mein Leben.
Ogonki und Trema, die scheinbar ich lieb.
Und würd‘ ich mein Herze und alles hier geben.
Damit noch ein Stückchen Slowinzisch verblieb‘.“
„Der Wille zum Wahren ist wirklich die Gabe.
Verdrängen ist leichter, das Handeln ist schwer.
Doch ist es das Trauen, das innig ich habe.
So glaube an deiner, so schaffst du auch mehr.
Du wirst ja das A auch recht baldig beenden.
Benennt man das Fügen als jenen Progress.
So ist es kein Wunder, ein Wunder will enden.
Doch folgst du tagtäglich demselben Prozess.
So hast du auch heute mal wieder geschrieben.
Die Wörter, die bringst du auf jenes Papier.
Und viele sind wirklich für immer geblieben.
So schaue, mein Guter, so schaue bloß hier:
ãrăk, -akʉ̇ – der Arrak
araštànt, -àntă, D. -tөjʉ̇, Pl. N. -tөvjä – der Verhaftetet
araštàntă, -tä, siehe: araštànt
araštàntkă, ħĭ – die Verhaftete
aratėrãc – verhaften
Prs. ãratėrʉ̇ją, Prt. aratėr
pөaratėrãc – alle nacheinander verhaften
zaaratėrãc – verhaften, in Haft nehmen
aratėrʉ̀
Prt. aratėrʉ̀
ãrbă, -bä, D. -bөjʉ̇, Pl. N. -bөvjä – der Erbe
ãrbăc – erben
Prs. ãrbʉ̇ją, Prt. ărb
ărbãřṭvө, -vă – die Erben
Ich schaue und staune gelassen beim Lesen
Erstaunlich ist alles, die Mühe ist’s wert.
Das ist auch kein Ende für immer gewesen.
Sodass man dich wirklich für Taten verehrt.
Wir lieben doch beide, am Ende das schlichte.
Wir nahmen auch vieles, ich denke, in Kauf.
Du änderst stattdessen die ganze Geschichte.
Du änderst Geschichte und wirklich den Lauf.“
VII – DER SOLDAT
Ertönten, durchdrangen das Dorfe die Hufen.
Erreichte nun Kláhi ein junger Soldat.
Die Menschen begangen aus Sorge zu rufen.
Als dieser den Hofe vom Dichter betrat.
„Verzeihet, dass bin ich so einfach erschienen.
Ich störe nicht gerne, ich tue die Plicht.
Ich tue die Arbeit, der muss ich wohl dienen.
Deswegen geht bitte nicht hart ins Gericht.
Uns wurde halt gestern ein Vorfall berichtet.
Dass jemand Slowinzisch hier leise beschreibt.
So bin ich zum Prüfen und Klären verpflichtet.
Damit sich der Irrtum nun lichtet und treibt…“
„Wer war das, der hat uns nun Ihnen gemeldet?“
„Ein Junge, fast zwanzig, Charakter recht rein.
Der Junge, der hat mir ein Blatte gegeben…“
„Verdammter Tobiôsz, ich hasse das Schwein.“
„Er meinte, ihr hätte die Sprache geschrieben.“
Und nahm er das Blatte geschwinde hinaus.
„Er meinte, ihr würdet die Sprache nun lieben.“
Und breitete schweigend den Zettel dann aus.
Er blickte zum Dichter, die Blicke verfroren.
Bemerkte der Manne, die Tinte war frisch.
Und hat er dem Dichter das Blatte entzogen.
Und legte dann beide vergleichend zu Tisch:
ãrbȯrkă, -ħĭ, J. ărbǻrkȯų̯, -bãrkȯų̯ – die Erbin
ãrbȯř, -ařă, -åřă, L. ărbãřʉ̇ – der Erbe
arèst, -èstʉ̇ – der Arrest
ãrχă, -χ̌ĭ – die Arche
ărmɛ͂i̯nï, -nå, -nė adj. – die Armee betreffend
ărmɛ͂į̯nï – siehe: ărmɛ͂i̯nï
ărmɛ͂jă, -jä, A. ãrmɛją, Pl. G. -jï – die Armee
atãkă, - ħĭ – der Angriff, die Attacke
ataḱėrãc – angreifen, attackieren
Prs. ãtaḱėrʉ̇ją, Prt. ataḱėr
ataḱėrʉ̀
Prt. ataḱėrʉ̀
„Die Tinte ist ähnlich“. Verkündet er beißend.
„Doch wissen wir dreie, die Schrifte ist gleich.
Das Urteil, das wirkte im Herzen zerreißend.
Die Stimme verändert, die war mal einst weich.
Und schaute der Dichter recht ruhig, gelassen.
„Verhaftet Sie meiner? Weil Regeln ich brach?“
„So gehe, mein Dichter, ich werde das lassen.
Ich werde nichts sagen.“ Der Manne versprach.
„Ich wollte die Sprache nur sehen und lesen.
Verhaften? Mitnichten, das wäre nicht recht.
So ist es, ich denke, grundsätzlich gewesen.
Die Sprache ist wahrlich vorhanden und echt.
Ich möchte euch beide bewahren und warnen.
Es kommen bald Reiter, die bringen euch weg.
Die werden euch beide für Taten verhaften.
So sucht euch, ich rate, ein wahres Versteck.
Der Junge, er wollte euch schließlich verraten.
Und hat er das allen, selbst meiner erzählt.
Verachte ich wirklich vom Herzen solch‘ Taten.
Wobei sie nicht helfen, da Menschen sie quälen.
Die Reiter, sie kommen, ich denke, nun morgen.
Versteckt euch, ich bitte, das wäre mein Rat.
So seid dann für Tage und Wochen verborgen.“
Und reichte dem Dichter das ‘stohlene Blatt…
VIII – DER ABSCHIED
„Wir müssen verschwinden, die Ferne ersuchen.
Denn kommen Soldaten, die plündern das Heim.“
„Mein Guter, ich werde nicht fliehen und suchen.
Denn lass‘ ich das Weichen und Fliehen halt sein.“
„Sie werden dich finden und quälen und schlagen.“
„Das weiß ich, denn ist mir das alles bewusst.“
„Dann fliehe, sonst werden sie deiner auch plagen.“
„Ich habe zum Weichen und gehen kaum Lust…
Und wenn ich jetzt fliehe, was soll es erbringen?
Denn bin ich zu bieder, zu mager und alt.
Dann soll halt mein Leben im Dorfe verklingen.
Durch Leiden, vielleicht auch durch jene Gewalt.
Was soll mir das Weichen im Grunde erbringen?
Ein neues zu Hause? Ich bin ja schon alt…
So soll mich der Degen für immer durchdringen.
Ich sterbe für Kláhi. Denn bin ich bereit…“
Und schrieb‘ er gelassen die Wörter nun nieder.
Die Wörter, an die er sich leise entsann.
„Wir sehen uns Freunde, ich denke, bald wieder.
Dann ist auch die Arbeit, die meine, getan…“
atălerȧ͂jă, -jä, A. ãtăleräją – die Artillerie
atălerȧ͂stă, -tä, D. -tөjʉ̇, Pl. N. -tөvjä – der Artillerist
atălerä̀jă, atalerȧ͂jă
atălerä̀stă, atalerȧ͂sta
atălerï̂nï, -nå, -nė adj. – die Artillerie betreffend
atălerį̈̂nï, atalerï̂nï, atălrȧ͂jä, atalerȧ͂ja
atălrȧ͂stă, atalerȧ͂sta, atălrä̀jă, atalerȧ͂ja
atălrä̀stă, atalerȧ͂sta, atălrï̂nï, atalerï̂nï
atălrį̈̂nï, atalerï̂nï
atăstėrãc – attestieren, bescheinigen
Prs. ãtăstėrʉ̇ją, Prt. atăstėr
zaatăstėrãc – attestieren, bescheinigen
atăstėrʉ̀
Prt. atăstėrʉ̀
atèst, -èstʉ̇ – das Attest, die Bescheinigung
avązėrãc – befördert werden
Prs. ãvązėrʉ̇ją, Prt. avązėr
avązėrʉ̀
Prt. avązėrʉ̀
ãvɣăŋk, -kʉ̇, L. -kʉ̇ – der Abgang, der Absatz, der Verkauf
„Versteh‘ ich das wirklich, von Seelen getrieben.
Ich wünsche dir Liebe und Freude und Glück.
Damit auch die Leben, die gab es, auch blieben.
Und hoff‘ ich, wir finden uns schließlich zurück.“
Verließ‘ dann der Freunde den Dichter in Tränen.
Sodass er geschwinde im Walde verschwand.
Wer will schon den Abschied für immer erwähnen.
Denn keiner verliert nun recht gerne sein Land.
Der Dichter, er schaute und blickte zu Straßen.
Wobei er die Wörter mal wieder hier schrieb‘.
Er wollte sein Heime, sein Kláhi nicht lassen.
Sodass ihm nicht vieles, nicht vieles verblieb‘.
So wollte die Feder die Tinte noch schmecken.
So haben sich beide verewigt, geküsst.
Der Dichter, der wollte die Seiten nun decken.
Denn spürte er schlagend ein wahres Gelüst:
ȧ͂bө – oder, siehe: ãbө
ȧ͂lä – siehe: ãlä
ȧ͂ńė - siehe: ą͂ńė
ä – und
ä – Partikel, der den direkten und indirekten Fragesatz einleitet
äbө – oder, siehe: ãbө
älä – siehe: ãlä
äńė – siehe: ą͂ńė
ä̀bө – siehe: ãbө
ä̀lä – siehe: ãlä
ä̀ńė – siehe: ą͂ńė
åpjȯ́u̯tĕčkө – siehe: åpjȯ́ų̯tĕčkө
åpjȯ́u̯tʉ̇škө – siehe: åpjȯ́ų̯tʉ̇škө
åpjȯ́u̯tĕčkө, -kă – junges Äffchen
åpjȯ́ų̯tʉ̇škө, -kă – junges Äffchen
åpөváo̯ – siehe: åpөvǻu̯
åpөvǻu̯, -vė́ – das Affenweibchen
åpʉ̀
ǻrṭ, -ṭʉ̇ – die Art, die Sorte, die Gattung, die Weise
na-tìe̯n, na-jï̂nï ǻrṭ – auf diese, auf andere Weise
ǻu̯! – ach!
Er schaute dann wieder, die Seite geschrieben.
Die schob‘ er zur Seite und blickte erpicht.
Die Tage und Stunden, die leise ihm blieben.
Und spürte in denen ein wahres Gewicht.
Begangen die Augen des Dichters zu tränen.
Sodass er zu seufzen und weinen begann.
Begann er sein Abschied alleine zu wähnen.
Die Schwere, die müde in einfach durchdrang.
Er seufzte, doch musste der Manne sich raffen.
„Verstehe ich wirklich, das Enden ist nah.
Ich werde das Werke erbringen und schaffen.
Beende ich morgen den Abschnitt von A…
Und weiß ich, ich werde das alles vollbringen.
Die Sprache ist etwas, die meiner gebraucht.
So soll auch die Sprache für immer erklingen.
Ansonsten ist jene, verschwunden, verraucht.
Und tu‘ ich das wirklich für Kinder der Kinder.
Bloß hab‘ ich nicht vieles am Ende davon.
So hoff‘ ich auf Leute und Menschen, die Finder.
Die finden und sprechen recht gütig den Ton.
Und werd‘ ich die Arbeit mitnichten verweisen.
Aus Liebe, aus Sitte, aus Gnade und Zeit.
Die Leute sind Schmieder, die Sprache das Eisen.
Und mach‘ ich den Menschen das Erze bereit“:
ǻu̯gńä! – oh! oh Wunder!
ǻu̯χă! – oh weh!
ǻu̯χăc – stöhnen, ächzen
Prs. ǻu̯χą, -χȯš, Prt. ǻu̯χөʉ̯l åχã
naǻu̯χăc są – sich sattstöhnen, genügend ächzen
zaǻu̯χăc – zu ächzen beginnen
ǻu̯χnȯu̯c – siehe: ǻu̯χnȯų̯c
ǻu̯χnȯų̯c – stöhnen, aufächzen
Fut. ǻu̯χńą -ńĕš, Prt. ǻu̯χnȯu̯n -ȯχną͂
Inf. ǻu̯χnȯų̯c, Prs. -ȯχńą͂ -ǻu̯χńĕš, Prt. ȯχnȯu̯n
zaǻu̯χnȯų̯c – aufstöhnen, aufächzen
ǻu̯lf, -fă – Papierdrache, der Alf, ein feuriger Drache [Sagengestalt]
ǻu̯mĕn – das Amen
„So will ich die Wahrheit den Leuten hier geben.
Ich tu‘ das aus Gnade, ich kenne kaum Gier.
So soll auch ein Teilchen von meiner hier leben.
Im Herzen der Menschen, die leben noch hier.
So bin ich zum Schützen, seit Jahren verpflichtet.
Verpflichtet seit Jahren, seit meiner Geburt.
Und hab‘ ich das Werke, das Ganze, gedichtet.
Geboren in Polen, als Söhnchen der Furt…
Und werd‘ ich in Polen erbleichen und sterben.
Zu Hause, so hab‘ ich das immer gewollt.
Und will ich doch lieber den Kummer erwerben.
Als jedoch zu sterben im Silber und Gold.
So sagt mir, was brauchet die Seele zum Leben.
Die meine, die schließlich nur Wasser bedarf.
Bloß muss ich ihr bisschen zu essen was geben.
Da diese zu hungern und sterben nicht darf.
Man darf halt die Seele, die seine nicht quälen.
Erweist sie am Ende mitnichten ein Amt.
Die Freuden, die werden für immer hier fehlen.
Dann wäre man wirklich im Leben verdammt.
Was brauchen wir alle zum Weilen und Leben.
Mir reichen Gedanken und etwas vom Brot.
Verzeiht doch mir Engel, was sollte ich geben.
Verzeiht mir die Seele, die sehnt sich zum Tod.
Und sind auch die Tage und Stunde erloschen.
Ich brauche nur Essig und etwas vom Wein.
Verachte ich Silber, Demanten und Broschen.
Die Schlichtheit ist alles, sie macht uns ja rein.
Je schlichter die Seele, je schlichter das Leben.
Dann ist auch das Leben im Grunde bewahrt.
Man müsset dem Körper die Künste nun geben.
Wie Lyrik und Sprachen der anderen Art.
So bin ich zum Schützen alleine verpflichtet.
Denn ist es ein Leben, ich denke, ein Traum.
Ich sterbe nicht wirklich, ich habe gedichtet.
Ich sterbe nicht, Guter, ich änder‘ den Raum.“
Wie mochten die Finger die Feder zu fassen.
Die Spitze, die kratzte und einfach nur stieß.
Die Tinte, die wollte die Wörter nicht lassen.
Zehn Wörter verfasste, gar welche sie ließ:
ǻu̯pă, -pä, Pl. I. -pmï – der Affe
ǻu̯pĕn adj. – offen
ǻu̯pĕn adv. – offen
ǻu̯pją, -pjică, Pl. N. åpją͂tă –junger Affe
ǻu̯pjï, -pjå, -pjė adj. – den Affen betreffend
ǻu̯pjȯu̯tkө, -kă, Pl. N. åpją͂tkă – junges Äffchen
ǻu̯pk, -kă – kleiner Affe
ǻu̯pkă, -ħĭ – das Affenweibchen
ǻu̯pȯu̯, -pөvï, -vå, -vė adj. – Affen-
ǻu̯psħï, -kå, -ħė adj. – den Affen betreffend
„Bewahren ist Gnade, die bringet den Segen.
Durchwelchen die Sünde mal wieder erstarrt.
Die Leben, die kommen und gehen wie Regen.
Sodass man sich selber und Sprachen bewahrt.
So ist es, was immer, was immer wir müssen.
Damit man rein gar nichts, alleine vergisst.
Bloß treten die Sünder das Wahre mit Füßen.
Denn endet beim Sterben die Mühe und Frist.
Wir Leute sind alles, am Ende auch Zeugen.
Wir leben, so sei es mitunter die Pflicht.
Wenn Söhne und Söhne der Söhne beäugen.
Dann hoff‘ ich, dass nimmer das zerbricht.
Verpflichtet sind alle zum Wahren und horten.
Die Sprache ist alles, die unser hier hält.
Bemisst man das Schöne alleine in Worten.
Die nimmer vergessen die Anmut der Welt.
Und wollte das Leben uns alle hier binden.
Verliert sich im Herzen für immer der Kuss.
Denn ist es viel leichter, als Liebe zu finden.
Die Liebe ist alles, bei weitem nur Stuss.
Es dämmert mir leise im Grunde bestohlen.
Ich liebe nicht wirklich, ich liebe nicht mehr.
Es war so, als würde mein Herze verkohlen.
Mit Liebe zu leben, empfand‘ ich zu schwer.
Sie wollte mich immer und immer vernichten.
Sie hatte mich trotzdem ein wenig geprägt.
Begann ich aus Leiden zu sammeln und dichten.
Bevor mich das Schmerzen für immer erschlägt.
So siehst du, ich schreibe nun wieder die Seite.
Die eine der letzten, im Grunde fürs A.
Wobei ich die Wunder für immer hier leite.
So seh‘ ich das Schöne der Wörter hier klar.“
ǻu̯s conj. – und
ǻų̯mĕn – Amen, siehe: ǻu̯men
åzãc – verbrauchen, verschwenden, umkommen, verkommen lassen
Prs. ǻu̯zʉ̇ją oder áo̯zʉ̇ją [dialektabhängig], åzʉ̇̂jĕš, Prt. åz
Inf. -åzãc, Prs. -åzʉ̇ją, Prt. -åz
dөåzãc – vollständig verschwenden, verkommen lassen
pөåzãc – verschwenden, verkommen lassen
rөåzãc – alles verschwenden, verkommen lassen
vȧ͂åza̋c – alles verschwenden, verkommen lassen
zaåzãc – verschwenden, verkommen lassen
åzʉ̀
Prs. åzʉ̀
ą͂jĕl, -ɣlă, L. ąɣlʉ̇́ – der Bienenstachel
„Ich glaube, die Wunder sind einfach geblieben.
Verschwendung der Kräfte, mitnichten der Zeit.
Ich möchte nicht weilen und ständig hier lieben.
Wer kannte die Stunden, ich kenne das Leid.
Und wundern die Wunder die Leute mitnichten.
Als wäre es gar nichts, als Schwefel und Rauch.
So will ich ein Wunder, das meine, errichten.
Geschichten und Taten, die jeder sie braucht.
Und will ich die Tage hier suchen, erkunden.
Die Narben, die heilen. Für immer, sofort.
Und kennen wir Guter, ich denke, die Stunden.
Die Stunden, die gehen und laufen zum Ort.
Ich hoffe, die werden ein wenig noch bleiben.
Denn ist auch mein Epos nun baldig vollbracht.
Ich möchte die Teile, die nächsten beschreiben.
Die bleiben am Morgen, am Abend, bei Nacht.
So sollen ich die Lieder, die kenn‘ ich erklingen.
Damit man die Epen für immer hier kennt.
Die Menschen, die leben und diese dann singen.
Damit auch das Schlechte für immer verbrennt.
Ich hoffe, dass fallen die Schrecken hier nieder.
Das Gute bleibt gütig, das Schlechte geht fort.
Und blüht mir im Garten, ich hoffe, der Flieder.
Verlasse ich nimmer, mitnichten den Ort…
Wer kannte mein Guter, ich denke, die Taten.
Die Schrecken, die gibt es, die wiegen uns ein.
Die Leute, die blühen, verblühen im Schatten.
Verkümmert, in Trauer und schließlich in Pein.
Ich möchte den Taten der Sünden nicht glauben.
Ich glaube ans Schöne, das immer was bringt.
Ich liebe hier wirklich den Garten mir Trauben.
Sodass er mein Unmut für immer verschlingt.
Und glaub‘ ich, ich werde es einfach belassen.
Ich kenne das alles, was immer mich rührt.
Ich möchte die Taten der Sünden nicht hassen.
Denn ist es das Hassen, das Sünden verführt.
So bin fast fertig mit dichten und schreiben.
Das ist hier, ich spüre, das Ende, der Port.
Die Wolken, die leise und ruhig hier treiben.“
So fuhr das Schreiben gelassen auch fort:
ą͂kȯr, -өră, Pl. G. ąkʉ̀
ąkrãc – verankern, mit eisernen Klammern befestigen
Prs. ą͂krʉ̇ją, Prt. ąkr
přäąkrãc – verankern
vʉąkrãc – verankern
zaąkrãc – verankern
ąkrʉ̀
Prt. ąkrʉ̀
ą͂mă, -mä – die Amme
ą͂mĕn* – Amen, siehe: ǻų̯mĕn
ą͂ńė conj. – und nicht, nicht einmal
ą͂ńė … ą͂ńė – weder … noch
ą͂ħĕr, -kră, L. ąkrʉ̇́ – der Anker, die Eisenklammer
ą̇͂ńė – und nicht, nicht einmal, siehe: ą͂ńė
ą̈̋ńė – und nicht, nicht einmal, siehe: ą͂ńė
„Vollendet die Mühe, das mag ich verfügen.
Doch schaue, vollendet ist endlich der Teil.
So will ich mein Guter, ich denke, nicht lügen.
So war das beschwerlich, ich denke, derweil.
Und will ich dir alles, das alles hier zeigen.
Die Wörter gelistet, beginnend mit A....
So sage mir etwas… Ich hasse das Schweigen…
Versteh‘ ich das, Guter… Du bist ja nicht da…“
***
Anmerkungen vom Verleger: Hier endet Pan Dziadeks erster Brief,
der ohne Veränderungen übernommen wurde. Ob weitere Briefe
folgen, vermag ich nicht zu sagen.
Slowinzisch = ausgestorbene westslawische Sprache, die in Polen gesprochen wurde
Dr. Friedrich Lorentz = deutscher Slawist, der die slowinzische Sprache aufschrieb
Kláhi = slowinzischer Name des Dorfes Klucken im polnischen Pommern,
Klucken war der letzte Ort, in dem Slowinzisch gesprochen wurde
Kaschuben = westslawisches Volk, das in Polen in Pommern im Landstrich Kaschubien lebt
Oheim = veralteterer Begriff für Onkel, Bruder der Mutter
Szlachta = polnische Bezeichnung für die Gesamtheit des polnischen Adels
Przeklęty = polnisch für verflucht
Portière = Türvorhang aus schwerem Stoff
Tissel = Synonym für Brennnessel
Karbol = veralteterer Begriff für Phenol, Flüssigkeit, die zum Desinfizieren genutzt wurde
Äther = gemeint ist Diethylether, der als Narkosemittel eingesetzt wurde
Tobiôsz = slowinzisch-kaschubischer Name, Tobias
Łeba = Kleinstadt und Badeort in Pommern
Danzig = Hauptstadt der Woiwodschaft Pommern
Berlin Biesdorf-Süd
14.03.2026 – 02.04.2026